Die Börsen beben, die Banken zittern. Da grenzt es an Schabernack, wenn einer im Gravitationszentrum am Zürcher Paradeplatz in den früheren Schalterhallen der Credit Suisse und einen Steinwurf entfernt von den Tresoren der UBS ein Restaurant eröffnet. Doch heisst der ­Täter Dieter Meier, erstaunt einen die scheinbare Provokation nicht. Zu facettenreich ist die ­Vita dieses Performancekünstlers, Filmers und Musikers. Dass er nun im ­reifen Alter auch noch Gastwirt wird, dürfte ihn an das Bonmot «Wer nichts wird, wird Wirt» erinnern und insgeheim schelmisch freuen.

Beste Naturalien. Z wei Versuche, an dieser delikaten Lage eine Brasserie zu etablieren, sind schon gescheitert. Meier nimmt den dritten Anlauf mit hochwertigen Naturalien im Gepäck. Der vielseitig Begabte betreibt seit einigen Jahren in der argentinischen Pampa im grossen Stil eine Rinderzucht und in Mendoza, im Schatten der Anden, ein Weingut. Beide Betriebe ­arbeiten biologisch. Fleisch wie Wein ver­kauft er unter der Marke Ojo de Agua. Das Fleisch hat bereits einen hervorragenden Ruf; der Wein – Malbec, Cabernet und eine Cuvée von Malbec, Cabernet Sauvignon und Merlot – wird von Jahrgang zu Jahrgang besser.

Wer nun aber im Restaurant Bärengasse, so heisst das Lokal, Gauchoromantik und Tangoknistern erwartet, wird enttäuscht. Warmes Dämmerlicht am Abend und rotes Lederpolster kämpfen gegen den Eindruck von Sterilität, der durch den kühlen Lichthof mit dem geschlossenen Swiss- und Lufthansa-Schalter verstärkt wird.

Gelungener Spagat. Die belebende Wonne schenkt das Essen, angeführt tatsächlich vom berühmten, wunderbar schmackhaften Rindfleisch: Tatar, Entrecôte, Filet vom Grill oder Roastbeef von der Voiture mit unterschiedlichen, tadellosen Saucen – darunter die pikante argentinische Grill-Salsa Chimichurri – und schlichten, aber guten Beilagen lassen keinen Wunsch offen. Für weniger Fleischhungrige gibt es etwa ein warmes Steinpilz-Carpaccio, kross gebratenen Zander, knackige Bärenkrebse oder Schweizer Evergreens wie Hackbraten und Zürcher Kalbsgeschnetzeltes mit Rösti. Die Preise bewegen sich auf erfreulich standortuntypischem Niveau, sodass auch ein Dessert im Rahmen des Budgets liegt. Wählt man nach dem argentinischen Beef die chüschtige Ämmetaler Bäre-Merängge mit Nidle, so landet man sanft wieder in der Schweiz und hat den Spagat vollzogen, den das Restaurant und sein Mentor Dieter Meier vormachen.

  • Was man gegessen haben muss: Dieter Meiers argentinisches Black-­Angus-Bio-Rindfleisch Ojo de Agua.
  • Wartezeit vom Platznehmen bis zum ersten Bissen: 10 Minuten.
  • Diskretionsfaktor: Man unterhält sich auch mit dem Nebentisch.

 

Restaurant Bärengasse
Nicolas Maeder, Patrik Bruderer, Dieter Meier
Bahnhofstrasse 25 / Bärengasse
8001 Zürich
Tel. 044  210  08  08

www.restaurant-baerengasse.ch

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