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Restaurant Alpenrose in Zürich: Danke und bis bald!

Alpenrose in Zürich: Seit Ende Juli geschlossen. Keystone

Ende Juli 2016 schlossen Tine Giacobbo und Katharina Sinniger ihre «Alpenrose» im Zürcher Kreis 5. Zeit, um einen Blick auf die letzten 22 lebhaften Jahre zu werfen.

Von Monique Rijks
26.07.2016

Das wird nie funktionieren – als Katharina Sinniger und Tine Giacobbo das Restaurant Alpenrose eröffneten, glaubte niemand an den Erfolg. «Damals rollte gerade die italienische Welle über Zürich, wir setzten von Anfang an auf Schweizer Küche und auf regionale Produkte. Und das im Kreis 5, der damals einen schlechteren Ruf als die Innenstadt von ­Napoli hatte», erinnert sich Tine Giacobbo. Die Pessimisten bekamen unrecht: Die Plätze in der Gaststube, die mit sicherer Hand und jeder Menge schönen Details eingerichtet ist, gingen 22 Jahre lang schneller weg als warme Weggli.

«Wir hatten Glück mit unseren Gästen», sagt Katharina Sinniger. «Von Anfang an trafen sich in unserer Gaststube die unterschiedlichsten Welten. Das belebt ein Lokal und lässt unerwartete Begegnungen zu. Es gibt diesen Augenblick, wenn die Gäste ‹angekommen sind›, wenn sie essen, plaudern, lachen, dann schnurrt die ‹Alpenrose› wie ein zufriedener Kater. Das werde ich vermissen.»

Typische Giacobbo-Essen

Die Stimmung war das eine, das typische Giacobbo-Essen das andere. «Als Wirtin stellt man sich stets in Frage: Wo muss ich Kompromisse eingehen? Wo soll ich mir treu bleiben? Gastrotrends wie Molekularküche oder Ve­ganismus haben mich nie interessiert. Viel spannender war, innerhalb des Rahmens, den ich mir gesetzt hatte, zu experimentieren», meint Tine Giacobbo. In der Schweiz gebe es genug Produzenten, die tolle Sachen machten, sodass ihr weder Inspiration noch die Ideen ausgegangen seien. Das Hiesige sei ­inzwischen allgemein in den Fokus gerückt. Eigentlich wären diese Produkte schon immer da gewesen – man hätte sie nur ein wenig länger suchen müssen.

Während ihrer «Alpenrose»-Zeit haben Tine Giacobbo und Katharina Sinniger zahlreiche Lehrlinge ausgebildet und junge Servicemitarbeiter beschäftigt. Und diese nachhaltig ­geprägt, wie Marcel Erzinger, der heute im «Rosso» wirtet. Er sagt, die klare Haltung der «Alpenrose»-Frauen, ihre Grosszügigkeit und ihre Sorgfalt auch fürs kleinste Detail seien ihm bis heute ein Vorbild.

Ende Juli hat Katharina Sinniger zum letzten Mal mit ihrem herzerwärmenden Charme die «Alpenrose»-Gäste empfangen, während Tine Giacobbo in der kleinen Küche Teller mit Entenlebermousse, Malfatti und Braten vorbereitete. Danach sagten die beiden: «Danke und auf Wiedersehen!»

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