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Il casale in Wetzikon: Genuss-Akrobat

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Antonio Colaianni lässt im «Casale» Tradition und Moderne kulinarisch aufeinanderprallen – und schafft dabei eine Küche für die Ewigkeit.

Von Martin Kilchmann
06.06.2008

Antonio Colaianni zählt zu den begabtesten Köchen der Deutschschweiz. Der in Bern aufgewachsene Süditaliener mit dem Aussehen eines Belcanto-Sängers kocht im «Casale» in Wetzikon grosszügig und präzis, eigenständig und stilsicher. Im roten Buch des «Gault Millau» wird er seit Jahren mit 16 Punkten geführt. Gäste, die in jüngster Zeit bei ihm waren, berichteten begeistert, dass er nochmals einen Zacken zugelegt habe. Höchste Zeit also, ihn nach fünf Jahren wieder einmal zu besuchen.

Das elegante Restaurant mit Bistro und Raucherlounge in einem unter Denkmalschutz stehenden Backsteingebäude, das einst landwirtschaftlichen Zwecken diente, wirkt nach dem gelungenen Umbau so frisch und transparent wie am ersten Tag. Mit Roland Stadler leitet ein kompetenter Mann den umsichtigen Service. Wer sich in der klug zusammengestellten Weinkarte zu verirren droht, findet in ihm einen beschlagenen Guide.

Für den mittleren Hunger. Der Prolog, die Begrüssung durch die Küche, fällt fulminant aus. Ein Paprikaschaumsüppchen, ein gebratenes Stück Seeteufel auf Algensalat und ein Rädchen Ormalinger Schweinshauswurst auf Belugalinsen segeln im unvermeidlichen Glas heran. A la carte locken die Colaianni-Klassiker: die caramelisierte Brust vom Ormalinger Jungschwein mit getrüffeltem Bohnenpurée und geräuchertem Aal oder die würzig gebratene Riesencrevette mit frischen Kräutern, Gemüse und Paella. Des Kochs akrobatische Seite lernt am besten kennen, wer die Vorspeisen-Variation nimmt. Man wählt zwischen drei oder sechs Sorten, unterteilt in vegetarisch, Fisch und Fleisch. Die grössere Portion vermag einen mittleren Hunger ziemlich zu stillen.

Mamma hilft mit. «Modernità e Tradizione», umschreibt Antonio Colaianni sein Bestreben. Besonders schön kommt dieser anderswo zur Floskel verkommene Grundsatz im Menu Surprise zur Geltung. Da thronen Jakobsmuschel und Scampo auf Mönchsbart und einem herrlichen Krustentierfond. Das Dreierlei vom Simmentaler Kalb (geschmorte Schulter, Filet und Milke) sieht sich einer dreifachen Kartoffelinterpretation gegenüber. Und als bodenständiger Akzent kommen dazwischen die von Mamma Colaianni selbst gedrehten wunderbaren Maccheroncini an einer fabelhaften Sauce aus Fave, Tomaten, Zucchini und Basilikum.

Die köstlichen Friandises beschliessen nach luftig-leichten Desserts als Epilog ein Essen, das bei aller Ausgeklügeltheit nie die Essenz des Produkts vergisst, ja diese recht eigentlich herausarbeitet. Complimenti, Maestro Colaianni!

  • Menus 125 bis 160 Franken
  • 16 «Gault Millau»-Punkte
  • 1 «Guide Michelin»-Stern

 

Il Casale
Antonio Colaianni
Leutholdstrasse 5
8620 Wetzikon
Tel. 043 477 57 37
Fax 043 477 57 38

www.il-casale.ch

sonntags und montags geschlossen.

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