1. Home
  2. Lifestyle
  3. Gadgets
  4. «Whatsapp ist eine grosse Wette auf die Zukunft»

Gespräch 
«Whatsapp ist eine grosse Wette auf die Zukunft»

Technologie-Experte Brynjolfsson: Eine neue Ära.  Bilanz

Facebook kauft Whatsapp für 19 Milliarden Dollar. Für die IT-Koryphäe Erik Brynjolfsson ein weiterer Beweis: Eine neue Ära der Digitalisierung beginnt. Ein Gespräch über unser aller Zukunft.

Von Dirk Schütz
14.03.2014

Professor Brynjolfsson*, Facebook zahlt 19 Milliarden Dollar für das Start-up WhatsApp, das 55 Mitarbeiter hat und kaum mehr als 20 Millionen Umsatz macht. Verrückt?

Erik Brynjolfsson: Es ist eine grosse Wette auf die Zukunft. WhatsApp erreicht heute eine halbe Milliarde Menschen und ist angeblich auf dem Weg zu einer Milliarde Nutzern. Dabei handelt es sich um sehr aktive Personen, die das Produkt mehrmals am Tag nutzen. Wenn auch der Umsatz sehr klein ist und die Firma fast keinen Gewinn macht, so kann doch die Bedeutung für die Industrie sehr gross werden.

Seit der Bekanntgabe der Übernahme haben jedoch viele Nutzer WhatsApp gelöscht, weil sie die Verwendung ihrer Daten fürchten.

Das kann ich verstehen. Für die Nutzer von WhatsApp war es vor allem interessant, dass die Firma die Daten nicht speicherte und für andere Zwecke nutzte, deswegen hatten sie keine Werbung. Facebook dagegen basiert auf einem Werbemodell, und jetzt wollen die Werbetreibenden wissen, wohin die Reise geht. Das ist ein Problem, das Facebook lösen muss. Sie sagen zwar, dass sie WhatsApp lassen wollen, wie es ist. Aber wir werden sehen, was passiert.

Eben: 19 Milliarden sind verrückt.

Wir sind Zeugen einer gigantischen Preissteigerung: WhatsApp hatte 55 Mitarbeiter, Facebook hat also 345 Millionen pro Mitarbeiter gezahlt. Für den Fotodienst Instagramm zahlte Facebook noch 70 Millionen pro Mitarbeiter, für Youtube zahlte Google noch 28 Millionen. Für mich zeigt das: Eine neue Ära der Digitalisierung hat begonnen.

Sie halten seit 27 Jahren Vorlesungen über Künstliche Intelligenz. Was ist heute so revolutionär?

Durch die grossen Datenmengen haben sich die Probleme gelöst, mit denen die künstliche Intelligenz seit 30 jahren gekämpft hat. Laut Cisco hat sich der weltweite Internetverkehr allein zwischen 2005 und 2011 verzwölffacht. Heute kommunizieren Maschinen mehr miteinander als Menschen: Bankautomaten füllen automatisch ihre Geldbestände auf, Fabriken steuern sich selbständig, Autos fahren von allein. Und selbst Übersetzungsdienste und Spracherkennung haben riesige Fortschritte gemacht.

Die sind allerdings noch weit von Perfektion entfernt.

Sicherlich. Aber vor zehn Jahren gab es noch kein Facebook, Skype oder Twitter als Massenphänomen. Die Entwicklung in den nächsten Jahren wird noch rasanter werden. Die Beschleunigung des Wirtschaftslebens durch die grossen Datenmengen ist gigantisch. Die Dampfmaschine hat die Industrielle Revolution ausgelöst, doch es dauerte 30 Jahre, bis die Leute gelernt hatten, sie zur Produktivitätssteigerung in Fabriken zu nutzen. Nach mehr als 30 Jahren haben jetzt auch Computer und die Digitalisierung ein Stadium erreicht, das neue grosse Sprünge ermöglicht.

*1987, mit Mitte zwanzig, hielt Erik Brynjolfsson in Harvard schon Vorlesungen über künstliche ntelligenz, heute gilt der Amerikaner als führender Denker, wenn es um Informationstechnologien und deren Auswirkungen auf die Arbeitswelt geht. Der 52-Jährige lehrt am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und ist dort Direktor des Center for Digital Business.

Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen «Bilanz», erhältlich am Kiosk oder mit Abo bequem alle zwei Woche im Briefkasten.

 

Anzeige