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Wo die Technik von Pokémon Go noch zum Einsatz kommt

Bei Pokémon Go verschmelzen virtuelle und reale Welt zu einer neuen, erweiterten Realität. Dabei ist die Technik alles andere als neu. Augmented Reality wird bereits in zahlreichen Bereichen genutzt.

Von Gabriel Knupfer
26.07.2016

Pokémon Go hat dem kriselnden Gamehersteller Nintendo neues Leben eingehaucht. Der Börsenwert der Firma hat sich in den Tagen nach der Lancierung des Spiels mehr als verdoppelt. Dabei ist das Erfolgsrezept recht simpel: Mit Pokémon Go sitzen die Spieler nicht mehr zu Hause vor dem Computer oder am Smartphone. Um Pikachu und Co. einzufangen, muss man raus in die echte Welt, denn die Kreaturen leben in ihrer «natürlichen» Umgebung.

Mit Hilfe von Kamera und GPS-Tracking verschmelzen im Spiel virtuelle und reale Welt zu einer neuen, erweiterten Realität (sogenannte «Augmented Reality»). Das Game wird dafür abgefeiert. «Erstmals trägt die App die junge Technologie aus dem Nischendasein in den Massenmarkt», kommentierte etwa das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel».

Wenig Neues bei Pokémon Go

Nach dem Flop von Google Glass scheint Nintendo endlich einen Weg gefunden zu haben, Augmented Reality in die Mitte der Gesellschaft zu bringen. Dass die Japaner nun aber richtig abkassieren, ist dennoch eher unwahrscheinlich. Die Papiere von Nintendo haben deshalb zuletzt wieder ziemlich viel von ihren Gewinnen abgeben müssen.

Weder die Idee noch die Anwendung ist neu bei Pokémon Go. Das Spiel ist nicht viel mehr als eine kinderfreundliche Version von Ingress, einem anderen Spiel von Niantic, dem gleichen Entwickler, der auch für Pokémon Go verantwortlich ist. Abgesehen von der Popularität der Kreaturen bei den Millenials ist der Hype deshalb schwer zu erklären.

Denn auch Augmented Reality wird bereits in zahlreichen Bereichen genutzt. Und viele bisherige Einsatzgebiete sind erst noch um einiges sinnvoller, als die Übertragung eines Gameboy-Spiels aus den Neunzigern aufs Smartphone. Hier sind die besten Anwendungen, bei denen virtuelle Objekte, Bilder und Informationen in die Realität integriert werden.

1. Forschung

Erweiterte Realität kommt in zahlreichen Forschungsgebieten zum Einsatz. Sehr vielfältig sind die Möglichkeiten in der Archäologie. Während Ausgrabungen und Erkundungen vor Ort in der Landschaft stattfinden müssen, war die Analyse vieler Daten lange nur am Computer im Büro möglich. Dank Augmented Reality können virtuelle Elemente direkt vor Ort einbezogen werden. 

So können beispielsweise längst verschwundene Gebäude als dreidimensionale Modelle in die Landschaft gesetzt werden, wo sie einst standen. Eine andere Anwendung ist der Einbezug von Informationen aus Karten oder Satellitenbildern. Sie wird nicht nur in der Archäologie eingesetzt, sondern vereinfacht auch die Prospektion im Bergbau und in der Geologie.

2. Medizin

Schon seit 2005 gibt es eine Methode, mit denen der Verlauf von Venen auf die Haut projiziert werden kann. Eine Infrarotkamera schaut den Patienten gewissermassen unter die Haut – und der Arzt bekommt den genauen Ort angezeigt, wohin er mit der Nadel stechen muss.

Inzwischen gibt es noch weit fortschrittlichere Methoden. Chirurgen können sich während der Operation auf einer Brille wichtige Daten anzeigen lassen, so dass sie sich nicht mehr abwenden müssen, um die nötigen Informationen zu erhalten. An verschiedenen Spitälern, etwa dem Berner Inselspital, wird chirurgische Navigationstechnologie mit Darstellungen von Augmented Reality verbunden. So können beispielsweise Tumore mithilfe eines minimal-invasiven Zugangs entfernt werden.

3. Sport

Bei Sportübertragungen und der Nachanalyse im TV-Studio ist Augmented Reality schon lange gang und gäbe. So wird beim Fussball die Entfernung eines Freistosses zum Tor eingeblendet oder im Skispringen die sogenannte «Best-to-beat»-Linie angezeigt.

Ein typisches Beispiel ist auch die Hawk-Eye-Technologie im Tennis. Aus den Bildern von mehreren Hochgeschwindigkeitskameras wird die genaue Flugbahn eines Balles berechnet. Diese wird danach für die Zuschauer in einer Animation dargestellt.

4. Verkauf

Mit Hilfe von Apps können etwa Möbel vor dem Kauf zu Hause angeschaut und platziert werden. Dies war bereits beim Ikea-Katalog 2014 möglich, wie dieses Video zeigt:

L'Oréal hat mit der App Makeup Genius einen virtuellen Makeup-Tester im Angebot. Lippenstift, Rouge, Eyeliner und weitere Produkte können am eigenen Gesicht ausprobiert werden, ohne sie wirklich aufzutragen. Dabei kommt echte Augmented Reality zum Einsatz: Im Gegensatz zu vielen anderen Beauty-Apps wird nicht einfach ein Selfie modifiziert, sondern die Anzeige erfolgt in Echtzeit.

5. Militär

Im Rüstungsbereich ist Augmented Reality schon weit fortgeschritten. US-Soldaten können mit einem «intelligenten Helm» in den Kampf ziehen. Das «Google Glass für den Krieg», wie «Daily Mail» titelte, bietet zahlreiche Zusatzinformationen für die Soldaten im Feld. Diese werden auf einem am Helm befestigten, transparenten Display dargestellt.

Erweiterte Realität kommt wie im zivilen Leben auch bei der Navigation zum Einsatz. So zum Beispiel in Kampfflugzeugen oder bei der Steuerung von Drohnen.

6. Architektur

Eine absolutes Paradebeispiel für den Einsatz von Augmented Reality ist der Bau. Häuser können am Bauplatz visualisiert werden und es ist beispielsweise möglich, schon in der Planungsphase die Wirkung eines Gebäudes im Stadtbild zu überprüfen.

Nach dem verheerenden Erdbeben im neuseeländischen Christchurch von 2011 wurde ein Tool entwickelt, mit dem die Stadt in ihrem Zustand vor der Zerstörung erlebt werden kann. Sie sollte die Stärke der Katastrophe erfahrbar machen und beim Wiederaufbau der Stadt helfen.

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