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Technologie 
Wie sich das Telefonieren in der Schweiz verändert

Das Schweizer Startup Qynamic verspricht «unbegrenztes Telefonieren» ohne hohe Roaming-Kosten
Telefonieren: Neue Technik bringt bessere Verbindungen.  KeystoneQuelle: Keystone

Wifi-Calling, Volte, Voip und All-IP: Die Digitalisierung übernimmt auch in der Festnetztelefonie zunehmend das Zepter. Wie die neuen Techniken der Telefonie die Schweiz erobern.

Veröffentlicht 07.08.2015

Wifi-Calling, Volte, Voip und All-IP– das Telefon lernt fortwährend dazu. Neue Technik bringt bessere Verbindungen, mehr Komfort und auch Sparmöglichkeiten.

Drehwählscheiben, schwarze Bakelit-Wandtelefone und verrauschte Handy-Gespräche sind längst Vergangenheit. Heute plaudern die meisten Schweizer digital, sei es via Handy oder Festnetztelefon.

In Echtzeit

Dabei wird die Sprache vom Telefon oder einem Router in Echtzeit in Einsen und Nullen verwandelt, in Datenpakete gebündelt und in Lichtgeschwindigkeit zum Gesprächspartner geschickt. Dort sorgt Elektronik wieder dafür, dass analoge Gesprächssignale entstehen.

Wie diese Telefonpäckchen transportiert werden, spielt dabei kaum eine Rolle. Sie müssen nur fehlerfrei und schnell zwischen den Gesprächspartnern ausgetauscht werden. In der Vergangenheit wurden dafür ausschliesslich die Telefonleitungen und Sendemasten der Telefonieanbieter verwendet. Inzwischen sind aber neue Transportkanäle dazugekommen.

Internettechnik als Transporteur

Beim Wifi-Calling, das Salt als Pionier in der Schweiz nun anbietet, ersetzt ein WLAN-Router den Handy-Sendemasten. Beim Rest bleibt alles beim Alten: man bleibt also unter seiner üblichen Telefonnummer erreichbar und bezahlt auch die gewohnten Tarife.

Wifi-Calling bringt einerseits bessere Erreichbarkeit und im Ausland auch günstigere Gespräche. Wenn zuhause das Handy-Signal zu schwach ist, übernimmt der heimische WLAN-Router die Verbindung. Nutzt man im Ausland das WLAN seines Hotels, fühlt sich das Telefon ebenfalls wie zuhause.

Der Vorteil dabei ist, dass man dann zu Schweizer Tarifen telefoniert und simst. «Salt hat als erster Schweizer Mobilfunkanbieter Wifi-Calling eingeführt, schafft damit die Roamingkosten ab und bietet auch dort Empfang, wo's kein Mobilnetz gibt», erklärt Mediensprecherin Therese Wenger.

Auch Schwächen

Die neue Technik hat allerdings auch Schwächen. Ein Telefongespräch, das man zu Hause via Wifi-Router gestartet hat, bricht ab, wenn man das Haus verlässt. Man muss dann neu wählen.

Auch Swisscom will Wifi-Calling noch diesen Sommer einführen. Bei Sunrise «prüft man die technische Entwicklung des Wifi-Calling».

Beim Telefonieren fremdgehen

Normalerweise sorgt beim Telefonieren der Netzanbieter für das Verbinden und den Transport der Daten. Das ist aber nicht zwingend. Wenn sich zwei Geräte via Internet verbinden können, lässt sich so auch plaudern. Dazu reicht bereits ein Internetbrowser wie Firefox. Mit dem Zusatz «Hello» kann man direkt videotelefonieren.

Allerdings muss die Software wissen, welche Internetadresse der Gesprächspartner hat und muss es irgendwie bei ihm «klingeln lassen». Diese Aufgaben erfüllt seit über 10 Jahren der Dienst von Skype.

Wer das Skype-PC-Programm oder -App installiert, kann sich kostenlos beim Dienst registrieren und erhält dann statt einer Telefonnummer einen Benutzernamen. Heute sind über 300 Millionen Nutzer via Skype erreichbar und der Dienst bietet clevere Zusatzfunktionen wie Video-Telefonie und simultane Fremdsprachenübersetzung.

Sprechen statt nur chatten bei Whatsapp

Sprechen statt nur chatten kann man neu auch beim Messaging-Dienst Whatsapp. Millionen Nutzer können via Whatsapp direkt mit ihren Kontakten telefonieren. Die Gesprächsqualität ist dabei aber noch sehr mässig.

Ein Zwitter zwischen obigen Diensten und echter Telefonie ist die App IO von Swisscom. Denn dort ist man nicht nur unter seinem Benutzernamen, sondern wie gewohnt auch unter seiner Handy-Nummer erreichbar. Auf dem iPad kann man sogar seine Swisscom-Festnetznummer nutzen. Für IO braucht es allerdings zwingend ein Swisscom-Abo. Ferner fallen teilweise Gebühren an.

Eine neue Telefonnummer mit Voip

Wer sich häufig im Ausland aufhält, kann sich auch eine vom Netzanbieter unabhängige Telefonnummer zulegen. Diese unterscheidet sich nicht von einer üblichen Festnetznummer. Man kann sich sogar so auch eine amerikanische Telefonnummer zulegen.

Für Nummer und Gespräche bezahlt man einen Voip-Anbieter, auf Mobilgeräten oder PC muss man eine App wie Sipdroid installieren. Gute Internetrouter können SIP-Nummern direkt verwalten, man verwendet dann zu Hause übliche Telefongeräte.

Die Telefonie über Internet bringt viel Flexibilität und spart teilweise viele Kosten. Auf Mobilgeräten saugt aber die Anrufbereitschaft den Akku schneller leer und vor allem im Ausland können die Internetkosten ins Geld gehen.

Volte, surfen und plaudern

Mit Voice over LTE (Volte) hat Swisscom für einige Kunden eine weitere neue Technik eingeführt, welche die Mobiltelefonie verbessert. Volte nutzt sowohl für Gespräche als auch für Internet die neue Funkgeneration 4G/LTE. «Neu dabei ist, dass man während dem Telefonieren auch Internetapps nutzen kann. So lässt sich gleichzeitig plaudern, chatten oder Bilder und Videos verschicken», erklärt Swisscom-Sprecherin Annina Merk. Ferner bietet Volte einen schnelleren und stabileren Verbindungsaufbau, bessere Sprachqualität und längere Akkulaufzeit. Auch Salt und Sunrise wollen Volte einführen.

(sda/ccr)

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