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Fairphone 
«Die technischen Sprünge werden kleiner - das hilft uns»

Fairphone produziert Smartphones möglichst fair und umweltfreundlich. Gründer Bas van Abel erklärt, inwiefern die aktuellen Marktentwicklungen helfen und warum Technik nicht mehr entscheidend ist.

Von Karen Merkel
2017-03-02

Das Fairphone 2 ist das einzige Smartpone im Markt, das über weite Strecken fair und umweltfreundlich produziert wird. Dahinter steht die niederländische Firma von Bas van Abel. 2013 gegründet, haben seine 50 Mitarbeiter mittlerweile 125’000 Smartphones verkauft.

Wobei die Zahl ein Stück weit irreführend ist: Denn Bas van Abel will, das seine Kunden ihre Handy möglichst lange behalten. Darum setzt Fairphone auf Module - der Besitzer kann zum Beispiel den Akku mit wenigen Handgriffen ausbauen und durch einen neuen ersetzen. Und auch das Kamera-Update, das Gründer Bas van Abel in den kommenden Monaten vorstellen will, wird in die bereits verkauften Geräte des Fairphone 2 passen.

Die Schweiz zählt für Fairphone seit der Gründung 2013 zu den fünf wichtigsten Märkten. Das niederländische Unternehmen arbeitet mit der Swisscom, Digitec und Online-Verkäufern von nachhaltigen Produkten wie «faircustomer.ch» zusammen. Am Mobile World Congress erklärt Gründer Bas van Abel, was er sagen würde, wollte ein grosser Hersteller seine Firma kaufen.

Die Technik von Smartphones ist mittlerweile deutlich ausgereift, die grossen Hersteller ähneln sich zunehmend. Hilft Ihnen das?
Bas van Abel: Was uns hilft, ist, dass die technischen Sprünge zwischen den einzelnen Gerätegenerationen kleiner werden. In den ersten Jahren war jeder Nachfolger dem Vorgänger haushoch überlegen. Jedes Jahr hat sich die Geschwindigkeit im Prozessor verdreifacht oder vervierfacht, die Foto-Qualität der Kameras hat sich von schlechten Partybildern zu Hochglanzfotografie entwickelt. Jetzt sind wir auf einem Niveau angekommen, auf dem Smartphones noch immer verbessert werden können, der Unterschied aber nicht mehr so sehr auffällt.

Inwiefern hilft Ihnen das?
Wer jetzt ein gutes Handy kauft, dessen Gerät wird auch in fünf Jahren noch mithalten können. Und das heisst, auch die Smartphones unserer Kunden. Ausserdem beginnen Smartphones durch andere Qualitäten hervorzustechen, als durch neue Technik-Funktionen. Und da zählt, dass unsere Geräte nachhaltig produziert sind.

Weil es einen emotionalen Wert schafft?
Mit technologischem Fortschritt können Handyhersteller den Wettbewerb nicht mehr gewinnen. Bei Smartphones entscheidet nicht länger die Technik. Selbst wenn die Hersteller die Geschwindigkeit nochmals verdoppeln oder eine Kamera mit noch mehr Megapixel ausstatten, für den Endnutzer macht das nicht mehr so einen grossen Unterschied.

Die grossen Hersteller folgen allerdings nach wie vor der Logik der Vorjahre und wetteifern darum, ihre Technikfeatures als die besseren herauszustellen. Haben die Hersteller noch nicht verstanden?
Einige haben es vielleicht sogar verstanden, sind aber Gefangene ihres Geschäftsmodells. Sie müssen ihre Verkaufszahlen steigern, alles andere wird von den Aktionären und dem Markt als Misserfolg gewertet. Wenn dort einer in Nachhaltigkeit investieren wollte, wäre die erste Reaktion Angst vor den Kosten.

Aber es könnte ja einer der grossen Hersteller auf die Idee kommen, dass Nachhaltigkeit einen wichtigen Markenwert darstellt - eben jene emotionale Qualität, die Konsumenten auch begeistern kann. Wenn Sie eine der grossen Marken ins Boot holen wollte, würden Sie kooperieren?
Das würde nicht funktionieren, fürchte ich. Fairphone ist ein soziales Unternehmen, das unabhängig agiert. Als Teil der Markenfamilie eines grossen Herstellers würden wir das verlieren. Mir fällt nur ein Beispiel ein, wo das funkioniert hat - Grosskonzern und Social Brand. Unilever und der Glacéhersteller Ben&Jerry’s haben es hinbekommen. Das war allerdings auch eine grosse Herausforderung, und Ben&Jerry’s agiert bis heute unabhängig, auch wenn sie faktisch Unilever gehören. Auf dieser Grundlage könnte es ganz eventuell auch bei uns funktionieren - wenn wir unsere Unabhängigkeit behalten könnten.

Fairphone hat Erfolge gefeiert, aber auch immer wieder mit Knappheit an Ressourcen und Kapital gekämpft. Was ist für Sie gerade das wichtigste Thema, um die Firma und  die Nachhaltigkeit der Produkte voranzubringen?
Der wichtigste Hebel wäre, dass die Nachfrage steigt. Das würde zeigen, dass eine grosse Gruppe an Menschen an diesen Veränderungen interessiert ist. Damit würde auch der Druck auf die Industrie und die Zulieferer steigen.

Sie verkaufen mittlerweile 125’000 Smartphones jährlich. Hat Fairphone noch keinen Einfluss gehabt?
Der grösste Einfluss war sicher das Bewusstsein, das wir für die Probleme in der Handyproduktion geschaffen haben. Und wir haben auch Einfluss auf die Zulieferer. Wir zeigen, dass es in vielen Fällen möglich ist, Rohstoffe für Smartphones fair produziert zu beziehen.

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