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Wachstum 
Das Cloud-Geschäft lässt die Firmenkassen klingeln

Das Cloud-Geschäft lässt die Firmenkassen klingeln
Microsoft: Softwareanbieter punkteten mit kräftigem Wachstum in der Datenwolke. Keystone

Seit Jahren stellen sich die weltgrössten Softwareanbietern auf den Trend zur Cloud um. Inzwischen ernten Microsoft, Amazon, SAP und Co. die ersten Früchte, denn die Nachfrage steigt und steigt.

Die steigende Nachfrage nach Abo-Programmen und Speicherplatz im Internet schiebt bei den weltgrössten Softwareanbietern das Wachstum kräftig an. Der grösste deutsche Softwarekonzern SAP steigerte dank des starken Zuwachses der Cloud-Sparte den Umsatz im zweiten Quartal währungsbereinigt um neun Prozent auf 5,2 Milliarden Euro.

Operativ verdiente der Marktführer für Firmensoftware von April bis Juni mehr als erwartet, was Aktienkäufer zugreifen liess. Die im deutschen Leitindex Dax notierten SAP-Papiere verteuerten sich am Mittwoch um 4,5 Prozent. «SAP war nie in einer besseren Lage», gab sich Konzernchef Bill McDermott optimistisch.

Brexit wird Nachfrage ankurbeln

Auch Microsoft, Oracle und IBM punkteten bereits mit kräftigem Wachstum in der Datenwolke. Einen Bremseffekt durch das Brexit-Votum der Briten konnte McDermott unterdessen nicht ausmachen. Im Gegenteil: Der jetzt folgende Umbruch für die Wirtschaft werde die Software-Nachfrage der Firmen sogar noch ankurbeln, sagte er am Mittwoch im Interview mit Reuters.

Der Konzern aus Walldorf bei Heidelberg stellt sich so wie seine Konkurrenten seit Jahren auf den Trend zur Cloud um: Die Kunden abonnieren Software oder Speicherplatz bedarfsgerecht im Internet statt sich Lizenzen oder Hardware zu kaufen.

SAP & Co. stiegen vor allem über grosse Zukäufe von US-Firmen ins Cloud-Geschäft ein. Die Cloud-Sparte legte bei den Kurpfälzern um ein Drittel auf 722 Millionen Euro zu, wuchs damit allerdings nicht mehr so rasant wie im vergangenen Jahr.

Hohes Tempo

Ein weitaus höheres Tempo legte Microsoft vor. Der Umsatz der unter dem Namen Azure zusammengefassten Cloud-Dienste verdoppelte sich zuletzt. Konkurrent Oracle gelang es im vergangenen Quartal, die anhaltende Schwäche im Lizenzverkauf durch den starken Zuwachs bei den Cloud-Angeboten auszugleichen. Und auch für den Hard- und Softwarehersteller IBM, der seit mehr als vier Jahren mit Umsatzschwund kämpft, ist die Datenwolke inzwischen eine starke Stütze. Im vergangenen Quartal legte der Umsatz um 30 Prozent zu.

Dabei kommen alle zusammen nicht an das Wachstum von Amazon heran. Die Erlöse mit dem bereits vor zehn Jahren eingeführten Cloud-Angebot des weltgrössten Onlinehändlers kletterten zu Jahresbeginn um mehr als 60 Prozent.

Amerikaner sind Platzhirsch

Analysten zufolge sind die Amerikaner mit einem Marktanteil von mehr als 30 Prozent Platzhirsch in dem umkämpften Geschäft. Die Cloud-Sparte sorgt nun seit einigen Quartalen dafür, dass Amazon schwarze Zahlen schreibt. Der US-Konzern gibt nächsten Donnerstag Einblick in sein Geschäft im abgelaufenen Vierteljahr.

Zum Gewinnwachstum trägt die junge Cloud-Sparte bislang bei keinem IT-Anbieter viel bei. Die Bruttomarge verharrt bei SAP mit rund 65 Prozent gut zwanzig Prozentpunkte unter der des angestammten Lizenzgeschäfts, die operative Cloud-Marge gibt der Konzern nicht bekannt.

Das Ergebnis herausgerissen hat damit das Lizenzgeschäft, das im zweiten Quartal überraschend stark um zehn Prozent zulegte. Die befürchtete Kannibalisierung der Lizenzen durch den Wechsel der Kunden zur Cloud hielt sich bisher in Grenzen.

Brexit-Gewinner

Er sei zuversichtlich, seine Jahresziele zu erreichen, sagte Konzernchef McDermott. Auch der Brexit werde daran - anders als von Analysten befürchtet - nichts ändern. «Viele erwarten einen Abschwung durch den Brexit für viele Unternehmen und auch für uns wegen unseres Standortes in Europa - aber das Gegenteil wird der Fall sein.»

Schon von früheren Krisen habe SAP profitiert. «Ob Griechenlands Schuldenkrise oder das langsamere Wachstum in China - jedes Mal ist unsere Auftrags-Pipeline gewachsen, und zwar beträchtlich.»

Bereits in den ersten Wochen nach dem Brexit-Votum seien Unternehmen auf SAP zugekommen. Sie hätten um Hilfe dabei gebeten, ihre Geschäftsmodelle zu erneuern, sich auf das neue regulatorische Umfeld einzustellen oder belastende Effekte des Pfundkursrückgangs auszugleichen.

(reuters/ccr)

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