1. Home
  2. Lifestyle
  3. Gadgets
  4. 3D-Druck: Von der Revolution zur Ergänzung

Umwälzung 
3D-Druck: Von der Revolution zur Ergänzung

3D-Druck: Bei Massenware sind herkömmliche Produktionsmethoden günstiger.Keystone

Dem 3D-Druck wurde eine goldene Zukunft vorausgesagt. Doch der Hype hat sich gelegt. Immer klarer zeigt sich: Die Technologie dürfte die Industrieproduktion nicht revolutionieren, sondern ergänzen.

Veröffentlicht 28.09.2015

Der erste Hype um die 3D-Drucktechnik hat sich merklich gelegt, vieles ist derzeit im Umbruch. Immer klarer zeigt sich: Die Technologie dürfte die Industrieproduktion nicht revolutionieren, sondern vielmehr ergänzen.

Ursprünglich diente der 3D-Druck der Herstellung von Prototypen. In den letzten Jahren hat die Technologie aber auch immer mehr in der Forschung und Industrieproduktion Einzug gehalten. Das Prinzip ist immer das gleiche: Anhand von digitalisierten Modellen lässt der Drucker aus den unterschiedlichsten Materialien Schicht für Schicht reale Objekte entstehen.

Obama als Auslöser des Hypes

«Der 3D-Druck hat das Potential, die Art und Weise, wie wir fast alles machen, zu revolutionieren.» US-Präsident Barack Obama höchstpersönlich sagte dem Verfahren in seiner Rede an die Nation im Februar 2013 eine goldene Zukunft voraus. Die Technologie werde in den USA Millionen neuer Jobs in der High-Tech-Industrie kreieren, so seine Vision.

Obamas Rede gilt für viele Experten als Auslöser des Hypes um 3D-Drucker: In den Medien wurde die dritte industrielle Revolution ausgerufen. Viele kleine 3D-Firmen in den USA nutzen die Aufmerksamkeit für Finanzierungsrunden und wagten den Schritt an die Börse. Auch die Banken sprangen auf den Zug auf und lancierten spezifische Anlageprodukte.

Hype und Konsolidierung

Doch ähnlich wie beim Internethype Anfang der Nullerjahre folgte auf die Börsenparty der Kater: Seit Anfang 2014 ist eine Bereinigung im Gang, der Solactive 3D Printing Branchen-Index hat in dieser Zeit fast zwei Drittel seines Werts verloren.

Dennoch: Für 3D-Experte Matthias Baldinger ist klar, dass der Markt längerfristig stark wachsen wird. Baldinger gründete vor eineinhalb Jahren das ETH-Spinoff Additively.com, eine Online-Plattform, die Anbieter und Abnehmer von 3D-Druckerzeugnissen miteinander verbindet.

Derzeit sei im Markt eine Umwälzung im Gang, sagt der Jungunternehmer. Einerseits finde eine Konsolidierung statt, da Branchengrössen wie 3D-Systems und Stratasys viele kleinere, vielversprechende Firmen geschluckt hätten. Diese Zukäufe müssten nun erst einmal verdaut werden. Andererseits entstehe neue Konkurrenz von arrivierten Firmen wie beispielsweise dem Technologiegiganten Hewlett-Packard, der ebenfalls auf den 3D-Markt dränge.

Spezialisierung statt Massenproduktion

Laut Baldinger zeigt sich die Innovation beim 3D-Druck vor allem im Anwendungsbereich. Während sich Firmen früher zwar für die Technologie interessiert hätten, aber diese nicht wirklich einzusetzen wussten, würden nun vermehrt konkrete Projekte auf den Weg gebracht.

Baldinger glaubt, dass der 3D-Druck die traditionelle Industrieproduktion vorerst nicht verdrängen wird. Bei standardisierter Massenware seien herkömmliche Produktionsmethoden noch immer günstiger. Die 3D-Technologie sei vor allem dort stark, wo extrem spezifische und individualisierte Produkte in kleinen Stückzahlen hergestellt würden.

3D-Lösungen in der Medizintechnik

Zum Beispiel in der Medizintechnik. In der Forschung wird bereits an 3D-Lösungen für Prothesen getüftelt. Und der Schweizer Zahnimplantate-Hersteller Straumann hat erst im Juni sein Engagement im Bereich der digitalen Zahnmedizin ausgebaut und sich die Aktienmehrheit an der kanadischen Firma Dental Wings gesichert.

Glaubt man der ETH Zürich, so könnte zudem der 3D-Druck mit zellulären Materialien, das sogenannte Bioprinting, zum nächsten grossen Ding in der personalisierten Medizin werden. Auch im Bereich der Architektur wird an der ETH intensiv nach Einsatzmöglichkeiten von Bauteilen aus 3D-Druckern geforscht.

Stark nachgefragt wird die 3D-Technologie derzeit in der Flugzeugfertigung. Hier geht es um Gewicht, denn das spart Treibstoff. Airbus will künftig zehn Prozent seiner Bau- und Ersatzteile selbst herstellen. Der Flugzeughersteller hat eigene 3D-Drucker gekauft und will weitere erwerben.

(sda/ccr)

Anzeige