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Valley View 
Praktiken von Start-ups zum Nachahmen

Evernote Büros in Redwood City, CA.  Jasper Sanidad

Macht Ihnen Ihr Vorgesetzter Kaffee? Hier sind drei von Start-ups im Silicon Valley abgeschaute Tipps, um Schranken abzubauen und Innovation zu fördern.

Von Christian Simm*
14.10.2014

Seit über zwanzig Jahren ist das Silicon Valley gleichbedeutend mit Innovation und Unternehmertum. Wir bei swissnex sehen es als unsere Mission, mit den heutigen Innovatoren in Kontakt zu treten und die Lektionen von der Front zu teilen. Hier ist eine Auswahl bewährter Methoden lokaler Startup-Firmen, die wir für nachahmenswert halten.

1. The Dialogue Box bei Evernote

Kaffee hat in San Francisco eine ähnlich grosse Bedeutung wie Schokolade in der Schweiz – eine unverzichtbare Köstlichkeit. Plaudern bei einem Kaffee? Es gibt kaum eine bessere Methode der internen Kommunikation, insbesondere, wenn Ihr Chef der Barista ist.

Am Firmensitz von Evernote in Redwood City findet sich in der Lobby ein schickes kleines Mitarbeiter-Café mit einer Besonderheit: Bei The Dialogue Box bereiten die Führungskräfte die Cappuccinos zu. Wie das funktioniert? Ein professioneller Barista einer hochklassigen Kaffee-Kette schult die Führungskräfte; danach wechseln sich diese in einstündigen Schichten an der Theke ab, um ihren Mitarbeitern Kaffee zu servieren.

Was wie eine alberne Übung klingt, ist in Wirklichkeit ein brillanter Ansatz, um die interne Kommunikation zu verbessern, indem Barrieren zwischen Geschäftsbereichen abgebaut sowie Hierarchien aufgelockert werden. Die Kaffee-Theke ist ein informeller und flexibler Raum, wo alle Mitarbeiter ungeachtet der Position im Unternehmen über das Geschäft diskutieren können. Wäre es nicht angenehmer, mit Ihrer Vorgesetzten zu brainstormen, während sie Ihnen einen Kaffee zubereitet, als während sie Sie neben fünf anderen Vorgesetzten über einen Sitzungstisch hinweg anstarrt?

2. Die Transparenz-Politik von Square

Sechshundert Angestellte und alle wissen alles? Diese einfache Philosophie fasst die Politik der verantwortungsvollen Transparenz von Square zusammen. Bei jedem Meeting von zwei oder mehr Personen wird Protokoll geführt. Das Transkript wird dann via E-Mail-Verteiler der gesamten Firma zugänglich gemacht. Die Idee dahinter ist, dass jedes Teammitglied etwas zur Innovation beitragen kann. Das funktioniert nur, wenn Leute auf sämtliche Informationen zugreifen können.

Beispielsweise trifft sich das Software-Team, um neue Features zu besprechen. Offensichtlich könnte diese Diskussion auch für andere Mitarbeiter der Firma von Interesse sein. Mit dem Teilen der Besprechungsnotizen haben alle Zugriff auf die Informationen und können ihre Inputs hinzufügen. Über die Innovationsförderung hinaus stellt die Politik von Square eine wirkungsvolle Art dar, Vertrauen aufzubauen und den Geist der kleinen Startup-Firma zu bewahren, der das Unternehmen zu seinen Anfangszeiten durchwehte. Und überhaupt, wer kann denn schon Geheimnisse behalten?

3. Der Fokus auf Konsumenten-Erfahrung bei AirBnb

Unternehmen vergessen oft, dass sie sich in ihre Kunden hineinversetzen müssen, um ihnen die bestmögliche Erfahrung bieten zu können. Kundenorientierung spielt in den meisten Unternehmen eine Schlüsselrolle. Schliesslich ist man darauf angewiesen, dass Kunden eine Dienstleistung nutzen und damit zufrieden sind.

Je nach der Art des Produktes oder der Dienstleistung ist es nicht damit getan, am Schreibtisch zu sitzen. AirBnb-Angestellte erhalten deshalb 2000 Dollar Reisespesen jährlich, um die Plattform und Dienstleistungen des Unternehmens weltweit zu testen. Klingt nach Vergnügen, aber es ist auch eine wirkungsvolle Art, Feedback über Leistungen einzuholen, Verbesserungen einzuleiten und Probleme zu beheben.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Innovation in einer Firma zu generieren setzt mehr voraus als ein paar coole Initiativen. Um den Innovationsgeist am Leben zu erhalten, muss das Management strategische Bemühungen und Prozesse ausführen, die von den Mitarbeitern getragen werden. Eine bahnbrechende Idee zu haben, ist das eine. Immer wieder von neuem innovativ zu sein, ist eine komplett andere Herausforderung.

 

* Christian Simm ist Gründer und CEO von swissnex San Francisco.

Mitarbeit : Melanie Picard, Cyril Dorsaz & Ramon Krucker

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