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Automatisierung 
Ernteroboter und Drohnen gestalten den Hof der Zukunft

Ernteroboter und Drohnen gestalten den Hof der Zukunft
Gemüseanbau: Der Hof der Zukunft braucht keinen Bauern mehr. Keystone

Die Zukunft des Bauernhofs liegt in der Automatisierung. Denn Land wird immer weniger, gleichzeitig wächst die Weltbevölkerung. Doch der Siegeszug der Roboterfarmen beschleunigt das Sterben der Bauern

Von Gabriel Knupfer
2016-12-13

Autonome Traktoren, Drohnen und Ernteroboter: Die Zukunft des Bauernhofs liegt in der Automatisierung. Moderne Technologie soll helfen, zu tieferen Preisen mehr Nahrung für eine wachsende Weltbevölkerung zu produzieren und gleichzeitig die Umwelt zu schonen, etwa durch geringeren Wasserverbrauch.

Bis 2050 soll die Weltbevölkerung laut Uno auf fast 10 Milliarden Menschen ansteigen. Um alle zu ausreichend zu versorgen, müssten wir bis dann 50 Prozent mehr Nahrung produzieren, schätzt die Weltbank. Dabei sinkt der Anteil des kultivierbaren Landes durch Desertifikation, Auslaugung der Böden und Ausbreitung der Siedlungsgebiete.

Feldbau ohne Menschen

Die Lösung des Problems liegt für viele Firmen im technologischen Fortschritt. Selbstverständlich ist die Effizienzsteigerung in der Landwirtschaft kein neues Phänomen. So hat sich etwa die Milchleistung pro Kuh durch gezielte Zucht und Professionalisierung der Betriebe seit 1950 verdreifacht. Dennoch bedeutet die Digitalisierung eine neue Dimension in dieser Entwicklung und stellt langfristig sogar die Zukunft des Bauernstandes in Frage.

Im englischen Shropshire versucht die Harper Adams Universität zu zeigen, dass es inzwischen möglich ist, ein Feld zu bestellen, ohne dass es ein Mensch betreten muss. Noch werden die Prototypen der Drohnen und automatischen Traktoren getestet. Starten soll das Projekt unter dem Namen «Hands Free Hectar» im März 2017.

Roboter züchten Salatköpfe

Ebenfalls 2017 startet im japanischen Kyoto die erste «Roboterfarm» der Welt. Der Gemüseproduzent Spread stellt seine Salate schon lange in einer Fabrikhalle anstatt auf dem Feld oder im Gewächshaus her. Doch erst in der neuen Anlage wird fast die gesamte Arbeit von Industrierobotern ausgeführt werden. Vom Stecken der Setzlinge über die Bewässerung der Pflanzen bis hin zur Ernte der Salatköpfe, wird die Produktion automatisch ablaufen.

Besonders naturnah kommt die Produktion in der Salatfabrik zwar nicht daher. Doch die Vorteile für die Umwelt liegen auf der Hand. 30'000 Salatköpfe können jeden Tag geerntet werden und dies mit sehr geringem Bodenverbrauch. Denn die Pflanzen wachsen in Regalen übereinander. «In Staaten wie Japan, wo Land eine knappe Ressource ist, macht der Etagenanbau besonders Sinn», so ein Spread-Sprecher gegenüber BBC.

Wasserverbrauch sinkt massiv

Daneben gibt es laut Spread weitere positive Effekte für die Umwelt. Durch die Produktion in einer Fabrik in der Stadt reduzieren sich die Transportwege. Zudem kann der Wasserverbrauch mit Hilfe von Technologie massiv gesenkt werden. In der alten Fabrik von 2007 werden 0,83 Liter Wasser pro Salatkopf benötigt. In der Roboterfarm sollen es nur noch 0,11 Liter sein, was eine Reduktion um 87 Prozent bedeutet.

Besonders eindrücklich sind aber die Einsparungen bei den Arbeitskosten. Die neue Spread-Fabrik kommt mit der Hälfte der Mitarbeiter aus und produziert 50 Prozent mehr als die Anlage von 2007. Das macht die Technologie auch aus Konsumentensicht interessant. Kein Wunder, dass Spread weiter aufstocken und bis zum Jahr 2020 eine halbe Million Salatköpfe am Tag produzieren will.

Weniger Dünger und Pflanzenschutzmittel

Gut für die Umwelt ist auch die zunehmende Verbreitung von Agrarsoftware: Bauern sehen am Computer oder Tablet, welche Erträge einzelne Flächen abgeben und können effizienter reagieren. Die Unternehmungsberatung A.T. Kearney erwartet deshalb mittel- bis langfristig eine Reduktion des Einsatzes von Dünger und Pflanzenschutzmitteln um 30 bis 40 Prozent. Das schont die Umwelt und spart Geld.

In Verbindung mit der Robotik ist das Sparpotenzial noch grösser. Schon heute können Drohnen das Wachstum der Pflanzen beobachten, Krankheiten erkennen und Pestizide oder Dünger ausbringen. Künftig sollen Drohnen zusätzlich autonom miteinander kooperieren und beispielsweise als Schwarm gegen Unkraut kämpfen.

Primärsektor wird immer kleiner

Landwirtschaftliche Roboter dürften in den nächsten Jahren zu einem grossen Wirtschaftsfaktor werden. Die Beratungsfirma Wintergreen Research rechnet mit einem Wachstum des Marktes von 817 Millionen Dollar im Jahr 2013 auf 16,3 Milliarden Dollar 2020. Noch einiges optimistischer ist die Investmentbank Goldman Sachs, die den Gesamtmarkt für die nächsten fünf Jahre auf 240 Milliarden Dollar veranschlägt.

Für Umwelt und Konsumenten ist die neue Landwirtschaft ein Segen. Weniger positiv sind die Auswirkungen für die Erwerbstätigen im landwirtschaftlichen Sektor. Bereits zwischen 1950 und 2010 sank der Anteil der Beschäftigten im Primärsektor laut der Internationalen Arbeitsorganisation in Entwicklungsländern von 81 Prozent auf 48 Prozent und in den hochentwickelten Ländern von 35 Prozent auf 4 Prozent.

In der Schweiz sind heute nur noch 3,3 Prozent der Werktätigen in der Landwirtschaft engagiert. Der Siegeszug der Roboter dürfte das Aussterben der Bauern noch beschleunigen.

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