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Valley View 
Die Wunderkammer der Start-ups

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Bei der «Disrupt SF»-Konferenz in San Francisco stellen sich Jungunternehmer mit ihren besten Ideen vor. Hier unsere Favoriten – von Logistik bis zur schlauesten Glühbirne, die die Welt je gesehen hat

Von Christian Simm*
06.02.2015

Für Firmengründer ist die «Disrupt SF»-Konferenz von TechCrunch eine der besten Bühnen, um sich mit ihren Ideen der Technikszene zu präsentieren. Hunderte von hoffnungsfrohen Jungunternehmern strömen dazu jedes Mal ans Golden Gate, um zu erklären, wie sie die grossen und kleinen Probleme dieser Welt auf innovative Weise lösen wollen.

Worauf haben es die unerschrockenen Erfinder aktuell abgesehen? Im Trend liegen, so zeigte die jüngste «Disrupt SF» im Herbst, immer mehr «Big Data»-Anwendungen, schlaue Alltagsgegenstände, Softwarelösungen für Unternehmen und eine endlose Zahl an Smartphone-Apps, die sich anschicken, grundlegend unser Leben zu verändern – sofern es ihnen  gelingt, zunächst einmal unsere Aufmerksamkeit zu erringen.

Neben Podiumsdiskussionen mit renommierten Risiko-Investoren und CEOs ist auch das «Startup Battlefield» ein fester Bestandteil der Konferenz. 26 Jungunternehmen – ausgewählt aus etwa 700 Bewerbern – stehen dabei im Wettbewerb um den grossen Preis: 50.000 Dollar Preisgeld und (nicht minder wichtig) den Platz im Rampenlicht als Gewinner der Veranstaltung. Teilnehmer der Konferenz bekommen auch abseits vom Wettkampf Gelegenheit, sich in der «Startup Alley» mit den Jungfirmen bekannt zu machen und viel Neues zu entdecken – von Bildung und sozialen Medien bis hin zu einfallsreichen Wegen, Energie zu sparen.

Hier unsere persönlichen Favoriten:

1) Containerschifffahrt: Adieu, Zwischenhändler!

«Eine Branche, die hohe Preise für schlechten Service verlangt, verdient es, dass ihr Geschäft durcheinander gewirbelt wird.»

Mit diesen Worten begründete Max Lock – gerade 18 Jahre alt und schon Serienunternehmer –, warum er Shipstr ins Leben gerufen hat, eine Website, die es leichter machen soll, die Preise für das Verschiffen von Containern zu vergleichen. Eigentlich ein trockenes Thema, doch wie es der Zufall will, beginnt Locks Geschichte mit Eiscreme.

Als die Supermarktkette Whole Foods anfing, das Bio-Eis von Locks erster Firma Schoolboy Ice Cream zu verkaufen, stand der junge Unternehmer vor der Herausforderung, Verpackungsmaterial aus China zu besorgen, um sein Eis auszuliefern. Was er beim Umgang mit Speditionen und Frachtmaklern erlebte, empfand Lock als so schmerzhaft, dass er beschloss, Shipstr zu gründen, um das internationale Verschiffen von Frachten künftig einfacher zu machen.

Lock geht es vor allem darum, Zwischenhändler aus der Rechnung zu entfernen. Dazu gibt Shipstr einen Überblick, welche Anbietern für welche Routen in Frage kommen und listet sie samt Preisen und Verlässlichkeit auf, sodass Nutzer direkt buchen können, ohne sich an Frachtmakler wenden zu müssen, die bisher mitverdienen. Mit anderen Worten: Shipstr soll die Welt der Logistik und Containerschifffahrt ähnlich revolutionieren, wie es Expedia & Co. bei Reisen gelungen ist.

2) Hätten Sie gern einen Butler?

Wäre schön, meinen Sie, aber leider unerschwinglich? Nicht unbedingt: Neuerdings ist ein privater Helfer schon für 99 Dollar im Monat zu haben.

Die Digitalwirtschaft hat das Zeitalter der Bequemlichkeit eingeläutet, in dem wir immer auf alles einfach zugreifen können. Vor lauter Diensten wie Instacart und Homejoy kann es schon mal passieren, dass man den Überblick verliert, was wann geliefert werden soll und wer sich angesagt hat, um welche Arbeiten zu übernehmen. Das ist, zugegeben, (noch) kein Problem, das die Masse plagt – aber in der Startup-Szene sucht jedes Problem nach einer Lösung, und sei es noch so klein. In diesem Fall hört die Lösung auf den Namen Alfred.

«Alfred ist der Butler, auf den Sie immer schon gewartet haben», sagt Alfreds Mit-Erfinderin und Firmenchefin Marcela Sapone: Er sorge dafür, dass sich niemand mehr um die Vielzahl an Concierge-Diensten sorgen müsse, die plötzlich sehr in Mode kommen.

Alfred ist ausdrücklich keine App und auch kein digitaler Assistent, wie man ihn auf Smartphones finden kann (hallo Siri!). Der Name steht vielmehr für Menschen aus Fleisch und Blut, die einmal pro Woche zu Alfred-Kunden nach Hause kommen, um nach dem Rechten zu sehen. Also eine Art On-demand-Dienst im Abonnement.

Die Jungfirma, die beim «Startup Battlefield» den Sieg davontrug, stammt aus Boston und meldet bereits über 5000 Kunden, die sich den Komfort eines modernen Butler-Dienstes leisten. Vielleicht nicht überraschend, wenn man weiss, dass in den USA mittlerweile 18 Millionen Haushalte einen Concierge-Service nutzen – mithin ein vielversprechendes Tummelfeld für Gründer, die auf wachsende Märkte spekulieren.

3) Und es ward Licht – aber bitte nicht zu viel

Neil Joseph sass an seinem Schreibtisch im Büro des Elektroauto-Pioniers Tesla und bemerkte plötzlich, dass das Licht brannte – mitten am Tag, als der Raum hell und sonnig war. Welch eine Verschwendung! Er beschloss, etwas dagegen zu unternehmen, kündigte und tat sich mit Ingenieuren von Google, Microsoft, der NASA und HP Labs zusammen, um Stack zu gründen.

Beim «Startup Battlefield» stellte Joseph stolz das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit vor: Alba, die erste Glühbirne mit eingebauten Umgebungssensoren. Ganz ohne App weiss die helle Birne, wie sehr sie strahlen muss – je nachdem, wie Tageszeit und Umweltbedingungen es erfordern. So verbraucht sie 80 Prozent weniger Strom als herkömmliche Glühbirnen.

Während Joseph sich zunächst auf Privatleute als Kunden konzentriert, sieht er enormes Potenzial auch bei Unternehmen. Licht spiele nicht nur eine Rolle dabei, wie wohl wir uns fühlen, so erklärt er, sondern habe auch Auswirkungen auf die Produktivität im Büro.

4) Spielspass auf vier Pfoten

Erinnern Sie sich noch an die Tamagochi-Welle? Jene virtuelle Küken, um die sich Ende der 1990er Jahre Millionen Menschen in aller Welt geradezu rührend kümmerten, auch wenn sie nur in einem kleinen Dgitalspielzeug existierten? Nun hat sich ein Startup aus San Francisco die moderne Variante dazu einfallen lassen: Mit «Petcube» können Sie Ihr Smartphone nutzen, um Ihr echtes Haustier virtuell zu umsorgen.

Wenn Sie nicht zu Hause sind, sitzt Ihre Katze vermutlich einfach nur so da. Das muss nicht sein. Dank Petcube können Sie für 179 Dollar eine Laserbox erstehen, die dazugehörige App herunterladen und anschliessend aus der Ferne Ihre Katze beschäftigen, indem Sie den Laserstrahl durchs Zimmer steuern, damit Ihre Katze hinterherjagen kann – selbst dann, wenn Sie am anderen Ende der Stadt im Büro sitzen. Katzen – aber auch Hunde – sind davon offenbar ganz begeistert. Die App erlaubt es auch, Bildschirmfotos aufzunehmen und die Schnappschüsse Ihres spielerischen Vierbeiners mit anderen zu teilen.

* Christian Simm ist Gründer und CEO von swissnex San Francisco.

Mitarbeit: Melanie Picard & Karsten Lemm

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