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Interview 
«Die Inflationsstories sind Effekthascherei»

Dollar
Dollar: In den USA gibt es einen leichten Preisanstieg.Quelle: Image Source/Getty Images

Über die Rückkehr der Inflation ­wird spekuliert. Experte Markus Peters hält die Angst vor Teuerung für übertrieben. Er rät zu Bankanleihen.

Erich Gerbl
Von Erich Gerbl
24.07.2018

Herr Peters, zuletzt wurde verstärkt über die Rückkehr der Inflation ­spekuliert. Steigen die Preise, steigen die Zinsen. Für die Hausse an den Börsen wäre das der Todesstoss. Ist die Teuerung zurück?
In den USA gibt es einen leichten Anstieg. Die steigenden Ölpreise wirken sich aus. Für einen deutlichen Aufwärtsdruck müsste der Lohndruck nachhaltiger sein.

Wie sieht es in Europa aus?
Die unmittelbaren Auslöser für einen deutlichen Inflationsanstieg sind auch hier nicht zu erkennen. In Europa ist die Kern­inflation über 10 bis 20 Jahre stabil. Die Stories von der Rückkehr der Inflation sind Effekthascherei. Mit der Realität haben sie wenig zu tun.

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Dennoch steigen die Zinsen in den USA. Wie sehr leiden Bond-Investoren bereits?
Die Kurse der US-Treasuries haben schon stark korrigiert und sind nicht weit von ihrem fairen Wert ­entfernt. Nur wenn wir mehr Zinsschritte in diesem Jahr sehen würden als derzeit von der Fed projiziert, wäre mit einer weiteren stärkeren Korrektur zu rechnen.

Markus Peters
Markus Peters ist seit 2014 bei AllianceBernstein (AB), die 549 Milliarden Dollar verwaltet. Als Senior Portfolio Manager für Fixed Income bringt er Kunden die Investmentstrategien von AB näher.
Quelle: ZVG

In den USA werden in diesem Jahr noch zwei bis drei Zinsschritte erwartet. Muss die EZB nicht irgendwann nachziehen?
In Europa erwarte ich den ersten Zinsschritt erst in der zweiten Jahreshälfte 2019. Die EZB orientiert sich an der Binnenwirtschaft. Sie wäre schlecht beraten, sich an den USA zu orientieren. Weil der Markt in den USA mit weiter steigenden Zinsen rechnet, werden sich die kurzlaufenden Zinsdifferenziale sogar noch ausweiten.

Welche Folgen hat das für Anleger?
Für Schweizer Anleger steigen die Absicherungskosten. Diese liegen bereits bei über drei Prozent. Abgesicherte Anlagen in US-Dollar verlieren trotz der höheren Leitzinsen an Attraktivität. Die Heimatmärkte rücken in den Fokus. Aber die sind klein und geben nicht viel her. Für Anleger wäre es trotz der ­Absicherungskosten ratsam, international zu investieren.

Wozu raten Sie?
Potenzial sehen wir bei nachrangigen, europäischen Bankanleihen. Banken profitieren von ­steigenden Zinsen und haben die Bilanzen konsolidiert. In den USA haben Hypothekenanleihen den Weg in die Portfolios bisher nicht wieder gefunden. Sie waren das Epizentrum der Finanzkrise und offerieren nach wie vor eine deutliche Risikoprämie. Zudem steigen ihre Coupons mit den Zinsen.