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Kampf der Giganten 
CS vs. UBS: Die mächtigen ­Chefanleger im Vergleich

CS vs. UBS
Im Kampf um Kundengelder steigen sie Tag für Tag in den Ring: Michael Strobaek, CIO Credit Suisse, vs. Mark Haefele, CIO UBS. Quelle: Patrick Oberholzer für BILANZ

Die Chefanleger von UBS und Credit Suisse sind die mächtigsten ­Geld­verwalter der Welt. Was Privatanleger von ihnen lernen können.

Erich Gerbl
Von Erich Gerbl
15.08.2018

Um 2.30 Uhr nachts fährt Mark Haefele in der «Stadt, die niemals schläft», in seinem Hotelzimmer den Computer hoch. Wie üblich nächtigt der Chefanleger der UBS im «Hilton Midtown». Grösster Vorteil: die Nähe zum New Yorker Ableger der Schweizer Grossbank. Am Rocke­feller Center vorbei sind es zu Fuss gut zehn Minuten. Beim letzten Aufenthalt sorgte ein saudischer Prinz in der Etage für Unruhe. Doch in dieser Nacht ist es so ­ruhig, wie es mitten in Manhattan sein kann.

Den Schlaf raubte Haefele die ita­lienische Innenpolitik. Die liess auf den Finanzmärkten die Wogen hoch gehen. Wieder einmal sorgte sich die Welt um ­einen möglichen Zusammenbruch der ­Eurozone. Rund um den Globus schichteten Investoren unzählige Milliarden Dollar, Euro, Yen und Franken von risikoreichen in defensive Anlagen um. Vom Hotelzimmer aus analysierte Haefele mit den unterschiedlichsten Experten, die rund um den Erdball verteilt sind, die Lage. Gemeinsam schliessen sie eine Ausbreitung der Eurokrise auf andere Länder wie Spanien aus und atmen durch.

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Im Schatten der Lichtgestalten

Haefele trifft der Schock nicht unvor­bereitet. Er hat sich auf steigende Schwankungen eingestellt. Ein Übergewicht im Euro wurde kurz zuvor abgebaut, gleichzeitig hat er eines in US-Staatsanleihen als Stabilisator aufgebaut – der ultimative ­sichere Hafen. Am Morgen treibt es Mark Haefele dann doch aus dem Hotel. Er fährt zu Bloomberg TV und beruhigt über das Medium die Kunden.

Mark Haefele ist zwar Global Chief ­Investment Officer (CIO) des weltgrössten Wealth Managers, aber fast nur Finanz­insidern ein Begriff. Menschen wie der unauffällige Brillenträger Haefele stehen im Schatten von Lichtgestalten wie UBS-Chef Sergio Ermotti. Dabei sind es zu einem erheblichen Teil seine Prognosen, die über die Qualität des nächsten Quartalsergebnisses entscheiden. Schlägt sich Haefele besser als seine Konkurrenten, fliesst der Bank Geld zur Verwaltung zu. Führen seine Richtungsentscheide zu Verlusten, wechselt die Kundschaft zur Konkurrenz.

Wie Haefele kämpft Strobaek auf den internationalen Finanzmärkten in der schwersten Gewichtsklasse.

Im Kampf um Kundengelder steigt gegen Haefele Tag für Tag der Global CIO der Credit Suisse, Michael Strobaek, in den Ring. Wie Haefele kämpft auch er auf den internationalen Finanzmärkten in der schwersten Gewichtsklasse. Bei der Credit Suisse liegen die Assets under Management bei 1380 Milliarden Franken. Kundengelder in Höhe von 455 Milliarden werden diskretionär angelegt – die Kunden haben die Entscheidung also an das Team um Strobaek übertragen.

Haefele und sein Team beeinflussen dagegen die Anlageentscheidungen für das gesamte Global Wealth Management und somit rund 2400 Milliarden Dollar an Kundengeldern. Mit dieser Summe ist die UBS der grösste Vermögensverwalter der Welt. Wie viele Milliarden genau nach den Vorstellungen des Chefanlegers investiert werden, veröffentlicht die UBS nicht. Laut ­Informationen, die BILANZ vorliegen, soll es aber mehr sein als bei den grössten Hedge Funds der Welt. Die bewegen bis zu 150 Milliarden Dollar.

Mark Haefele, Global CIO UBS

Portfolio: Überblickt die Investmentstrategie für 2400 Milliarden Franken. Wohl über hundert Milliarden Franken werden diskretionär veranlagt.
Erfahrung: Harvard-Dozent und Hedge-Fund-Gründer. Seit 2011 bei der UBS, seit 2014 Global CIO.
Schwerpunkte: SRI & Impact Investing.
Mitarbeiter: Rund 200 CIO-Analysten und Experten.
Präsenz: In elf wichtigen Finanzzentren. Führungsposition in den USA, Lateinamerika, EMEA, APAC.
Sicht: Prägnante Anlagesicht, «UBS House View»; differenzierte UHNW / regionale Angebote.
Performance: Nur zehn Prozent der Kundenportfolios entwickelten sich besser als die Mandate der Vermögensverwaltung der UBS (April 2011–März 2015).

UBS-Chefanleger Mark Haefele

Von der Bürokratie in Harvard frustriert

Dabei sah es zunächst gar nicht danach aus, dass der 47-jährige Haefele zum Herrn über den weltgrössten Anlegerschatz aufsteigen würde. An den Elite-Unis Princeton und Harvard ausgebildet, brachte er es in Harvard zum Geschichtsdozenten und stellvertretenden Dekan. Noch während er dort unterrichtete, gründete er mit nur 29 Jahren einen Hedge Fund namens «Sonic Funds» und setzte auf steigende und fallende Kurse. Sich jeden Tag mit einigen der intelligentesten Menschen der Welt zu messen, spornte ihn an.

Die Hedge-Fund-Gründung brachte dem von der Bürokratie in Harvard Frustrierten ­einen Job bei der renommierten Hedge-Fund-Firma Matrix Capital Management ein. Als er mit sechs Managern in Hanoi demselben riesigen Deal hinterherjagte, wurde ihm klar, dass sich der Markt überhitzt hatte. Ende 2006 aus dem Hedge-Fund-Geschäft auszusteigen, als einige seiner Branchenkollegen noch fantastisch viel Geld verdienten, war nicht leicht, aber im Nachhinein – kurz vor der Finanzkrise – gutes Timing.

2011 beendete er seine Frühpension und ging zur UBS, obwohl die Bank noch angeschlagen war. Die riesigen Verluste mit Mortgage-backed Securities und Klagen wegen Hilfe zur Steuerhinterziehung hatten die Kundschaft zuhauf vertrieben. Noch heute bezeichnet Haefele diesen Schritt als seinen «besten Anlage­entscheid».

«Extrem starker, super durchorganisierter Tanker»

Der Wechsel nach Zürich ist keine Heimkehr. ­Haefele ist, anders als der Name vermuten lässt, Amerikaner. Das wenige Deutsch, das er spricht, hat ihm seine Grossmutter aus Schwaben beigebracht. Noch immer hat er dort Verwandte. In der Schweiz angekommen, erneuerte er mit Alex Friedman, den er aus Princeton kennt und 2014 als UBS-CIO ablöste, den Anlage­prozess – nicht zuletzt um die Performance in die Höhe zu treiben. «Friedman hat das Chief Investment Office super implementiert. Haefele hat es noch verfeinert. Er macht einen Top-Job. Die UBS ist ein ­extrem starker, super durchorganisierter Tanker», sagt ein leitender Mitarbeiter eines Ver­mögensverwalters, der mit der Grossbank Geschäfte macht.

«Wir haben sehr hart an einem transparenten, globalen Investmentprozess gearbeitet. Wenn etwas schiefläuft, möchte ich auch meinem Vater erklären können, warum das so war.»

Mark Haefele

Um trotz der Verantwortung für das viele Geld noch gut schlafen zu können, setzt Haefele nicht auf irgendwelche Gurus oder sein Bauchgefühl, sondern auf fest­gelegte Abläufe: «Wir haben sehr hart an einem transparenten, globalen Investmentprozess gearbeitet. Wenn etwas schiefläuft, möchte ich auch meinem Vater erklären können, warum das so war.»

Geballte Expertise

Es gibt wenige Menschen, die sich wie ­Haefele derart geballter Expertise über die Finanzmärkte bedienen können. In den Prozess eingebunden sind global mehr als 200 Analysten, Ökonomen und Strategen. Dabei läuft ein Wettrennen um die besten Köpfe. «Die Credit Suisse hat Leute von uns eingestellt und wir einige richtig gute von der Credit Suisse. Wir sind auf den Wettbewerb, den wir haben, stolz, er hält uns wach», betont Haefele.

Dass trotz einem Heer von Experten vieles anders kommen kann als ursprünglich gedacht, stellt er gar nicht in Abrede: «Selbst die erfolgreichsten Geldmanager liegen in 40 Prozent der Zeit daneben.» So hätte er im Zuge der von Griechenland ausgelösten Eurokrise im Nachhinein gerne mehr in Aktien investiert.

Gut gekleidete Karawane

Auch Haefeles Rivale Strobaek versucht, möglichst wenig falsch zu machen. Wegen der Hitze werden die Entschei­dungen des Investmentkomitees der Credit Suisse im Sommer nicht mehr in Osaka, sondern in «Bern» getroffen. «Bern» ist einer von vielen Besprechungsräumen in der Zürcher Sihlcity, der Heimat der CS-Vermögensverwaltung. Jeden zweiten Mittwoch kurz vor 13 Uhr ­findet daher ein kleiner Umzug statt.

Die acht stimmberechtigten Mitglieder des von Strobaek geleiteten Investmentkomitees und rund 20 Investmentstrategen der Credit Suisse legen 200 Meter zurück, vorbei an Starbucks, Kino und Pizzeria, in einen kühleren Gebäudeteil. Die Sonne strahlt. Die vielen Menschen, die ihre ­Mittagspause im Innenhof der Sihlcity ­verbringen, bemerken die gut gekleidete Karawane nicht. Deren Fracht ist wertvoll, aber unauffällig. Man trägt sie in Form von Präsentationen, Daten, Charts und Analysen unter dem Arm.

Alle Entscheidungen, die sie treffen, werden gemessen und überprüft. Wer häufig danebenliegt, verliert im ersten Schritt ­seinen Bonus und im zweiten seinen Job.

Global Equity Strategist Andrew Garth­waite huscht als Letzter in den Besprechungsraum. Der ist mit Entscheidungsträgern und Investmentstrategen bereits prall gefüllt. Experten aus Hongkong, Singapur, London und New York sind per Video ­zugeschaltet. Der Zeitpunkt ist so gewählt, dass die Sitzung für die Kollegen in Asien nicht zu spät und für die Experten in den USA nicht zu früh stattfindet.


Die acht Mitglieder des Investment­komitees sind gut vorbereitet. Stimmen sie gegen einen Anlagevorschlag, können sie dies nicht mit einem vagen Bauchgefühl begründen, sondern müssen mit Daten unterlegte, stichhaltige Argumente vorbringen. Alle Entscheidungen, die sie treffen, werden gemessen und überprüft. Wer häufig danebenliegt, verliert im ersten Schritt ­seinen Bonus und im zweiten seinen Job. «Wer nicht gut ist, hat kein Recht, im Komitee zu sein», sagt Strobaek. Zuletzt hat er Björn Jesch von der Frankfurter Union Investment nach Zürich geholt.

Steile Karriere

Michael Strobaek hat es weit gebracht. Vor fünf Jahren hat der 48-jährige Däne das Kommando im obersten Entscheidungsgremium für die Geldanlage übernommen. Anders als UBS-Rivale Haefele kommt er aus einfachen Verhältnissen. «Mein grösstes Kapital war meine Ausbildung», so Strobaek. Mit dieser im Kopf, einem Rucksack, zwei Stühlen und einem Tisch im Kofferraum fuhr ihn ein Freund im ­alten Auto seines Vaters 1996 von Jütland nach Basel. Dort bezog er «als kleiner Däne» in einem Clublokal in Basel-Gundeldingen ein 25 Quadratmeter grosses Zimmer und begann beim Schweizerischen Bank­verein als Equity Analyst zu arbeiten.

Michael Strobaek, Global CIO Credit Suisse

Portfolio: Überblickt die Investmentstrategie für rund 1380 Milliarden Franken. 455 Milliarden Franken werden diskretionär veranlagt.
Erfahrung: Hat bei der UBS und einem Family Office Karriere gemacht. Seit Mai 2013 Global CIO & Head IS&P.
Schwerpunkte: Fünf «High Conviction»-Supertrends.
Mitarbeiter: Zugriff auf Hunderte Experten.
Präsenz: In über 50 Ländern vertreten, darunter in wichtigen Finanzzentren wie London, Frankfurt, Zürich, Singapur, Hongkong und New York.
Sicht: Für die gesamte Bank gültiger «House View». Eine Besonderheit ist der Fünf-Jahres-Ausblick.
Performance: Im unabhängigen Vergleich unter 26 Vermögensverwaltern risikoadjustiert unter den besten drei.

CS-Chefanleger Michael Strobaek

Für UBS Wealth Management brachte er es zum Global Head of ­Investment Solutions und Head of Investment Management. 2007 wurde er zum Mitglied des UBS Group Managing Boards ernannt. Nach vier Jahren bei einem Family Office folgte er dem Ruf der Credit Suisse. Den Job nahm er unter der Bedingung an, den Laden kräftig umbauen zu können. Über die Jahre hat Strobaek Research, Asset Management, Vermögensverwaltung und Produkteuniversum zusammengeführt. Vor kurzem wanderten 49 Ökonomen und Spezialisten aus der Investmentbank unter das Dach des Chief Investment Office.

Nur noch ein House View

Kernelement ist der «House View». Gab es bei der CS früher noch diverse Meinungen zu den Märkten, existiert, seit Strobaek das Heft in der Hand hat, nur noch ein House View, die offizielle Einschätzung der Bank zu Weltwirtschaft, Finanzmärkten und Anlagestrategie. Der bis zu fünf Jahre in die Zukunft gerichtete House View gilt für das Asset Management, die Vermögensverwaltung, das Investment Banking, vom CEO bis hin zu jedem Kundenberater.

Laut Strobaek ist die CS die einzige globale Finanzinstitution, welche das Investment Office so aufgebaut hat. «Noch immer gibt es bei anderen Banken verschiedene Hausmeinungen. Das verwirrt die Kunden und ist schlecht», sagt Strobaek. Kunden könne man schwer erklären, warum sich Entscheidungen der Vermögensverwaltung nicht mit dem Research decken.

Finanzentscheide sind keine ­exakte Wissenschaft. Durch Struktur versucht man das Defizit zu verringern.


Spricht man mit Strobaek, werden die Begriffe «Struktur» und «Prozess» besonders häufig gebraucht. Als Head of Investment Solutions & Products kontrolliert er die Abläufe bis auf die Produktebene. So entscheidet das Chief Investment Office, mit welchen Produkten der House View umzusetzen ist.

Vom Militär geprägt

Die Liebe zu Struktur und Ordnung entdeckte Strobaek beim Militär. Für ein Jahr Dienst hat er sich 1989 freiwillig gemeldet und es bis in die Leibgarde der dänischen Königin geschafft. «Diese Zeit prägte mich massgeblich», sagt er. Finanzentscheide und Ökonomie überhaupt seien keine ­exakte Wissenschaft. Mit viel Struktur und Disziplin im Entscheidungsprozess versucht er dieses Defizit zu kompensieren.

«Wir schauen uns, um zu vergleichen, immer dieselben Sachen an», sagt Anja Hochberg, Global Head Investment Ser­vices & CIO Communication und damit Mitglied des Investmentkomitees. Im Wesentlichen geht es um Bewertung, Trend und Stimmungslage. Man hält nach Extremen in der Bewertung Ausschau, analysiert, wo man sich im Konjunktur­zyklus befindet und wie gross die Risiko­neigung auf dem Markt ist. Zusätzlich gibt es einen «quantitativen Check». Die Ergebnisse der hauseigenen Software liefern eine unabhängige Zweitmeinung.

Top-Anlagetipps von CS-Chefanleger Michael Strobaek

  1. Aktien und Obligationen aus Schwellenländern
  2. Supertrend-Aktien – etwa aus dem Bereich Infrastruktur
  3. Energie-, IT- oder Finanztitel

Wesentlichen Weichen richtig gestellt

«Wir behaupten nicht, dass wir die Welt 100-prozentig verstehen. Das kann niemand. Dafür ist sie zu kompliziert», so Strobaek. Im letzten Jahr hat das Chief ­Investment Office die Entwicklung des ­US-Dollars falsch eingeschätzt. Auch eine Empfehlung für den australischen Aktienmarkt musste man wieder zurücknehmen. Doch die wesentlichen Weichen stellte Strobaek richtig. Seit fünf Jahren rät er zu Aktien und zeigt Staatsanleihen die kalte Schulter. Rohstoffe wurden bei einem der letzten Meetings zur bevorzugten Anlageklasse emporgehoben.

Im Kampf um die Kundengelder wirklich entscheidend ist die Rendite. «Wir wissen, dass unsere Performance besser ist als bei der Konkurrenz», sagt Strobaek selbstbewusst. Dabei beruft er sich auf einen unabhängigen Vergleich. Das Institut Asset Risk Consultants (ARC) misst die Performance von echten Depots verschiedener Vermögensverwalter. Alle Profile der CS, von defensiv bis aggressiv, befinden sich unter den 26 teilnehmenden Banken im ersten oder zweiten Quartil. Besonders stark sei der Leistungsausweis «risikoadjustiert». Hier liege man unter den Top 3, sagt Michael Strobaek.

Vorzeigbare Performance bei der UBS

Direkt mit der UBS vergleichen kann sich die Credit Suisse nicht. Das UBS Global Wealth Management hat nicht am ARC-Vergleich teilgenommen. Das Team um Haefele misst sich mit den eigenen Kunden. Auch hier ist die Performance vorzeigbar. Laut UBS entwickelten sich von April 2011 bis März 2015 nur zehn Prozent der Kundendepots besser als die Mandate der UBS-Vermögensverwaltung.

Sind die Chefanleger wirklich so gut, wie sie behaupten, stellt sich die Frage, was Investoren von ihnen lernen können.

Den Hedge-Fund-Manager im CIO kann Haefele nicht ganz verbergen. Er rät, einen Teil des Vermögens – je nach Risikoneigung 14 bis 18 Prozent – in Hedge Funds zu investieren. «Ziehen die Notenbanken die Liquidität zurück, bewegen sich Aktien und Obligationen in dieselbe Richtung. Hedge Funds haben ein anderes Risikoprofil. Sie bringen Stabilität ins Depot», sagt er. Langfristig glaubt Haefele auch an den Erfolg von nachhaltigen Anlagen.

Top-Anlagetipps von UBS-Chefanleger Mark Haefele

  1. Globale Aktien – mit Put-Optionen absichern
  2. Anleihen der Weltbank
  3. Euro-Hochzinsanleihen verkaufen

Disziplin statt Timing

80 Prozent der Performance kämen von der Wahl der Anlageklasse. Dabei sei es speziell wichtig, die ursprüngliche Verteilung der Klassen stets wiederherzustellen. So kann der Anteil von Aktien im Depot in einer Hausse durch Kursgewinne schon mal von 50 auf 80 Prozent steigen. Eine Korrektur wirkt sich dann sehr negativ aus. «Wenn man das nicht wieder ausbalanciert, verliert man eine Menge», so Haefele.

Von Timing hält er wenig. Genau im richtigen Moment ein- oder auszusteigen, sei unmöglich. Selbst in einem total überteuerten Markt können die Kurse um weitere 20 Prozent steigen. Im ersten Jahr nach einem Crash schiessen die Kurse um 40 Prozent nach oben. «Wenn man zehn Monate zu früh rausgeht und zehn Monate zu spät wieder einsteigt, liegt man meilenweit zurück», sagt er. Das Wichtigste sei es, einen Plan zu haben und diszipliniert dabeizubleiben. Besonders wenn die Märkte korrigieren, sei das nicht leicht.

Disziplin ist gefordert. Laut Haefele ist die Volatilität an den Aktienmärkten zurück. In seinem Jahresausblick definierte er drei Hauptrisiken für 2018: eine straffere Geldpolitik im Zuge steigender Inflationsraten, Chinas Schuldenkrise und durch Nordkorea ausgelöste ­geopolitische Schocks. Zumindest die atomare Auseinandersetzung mit Nordkorea scheint angegangen zu werden.

Begeisterter Private-Equity-Anleger

CS-Mann Strobaek hält für Privatanleger drei zentrale Ratschläge bereit: die ­eigene Anlagestrategie diszipliniert zu verfolgen, in schwierigen Zeiten ständig investiert zu bleiben und das Vermögen breit zu streuen. Nur eine diversifizierte Anlagestrategie lohne sich wirklich. Als Privatmann outet sich Strobaek hingegen als begeisterter Private-Equity-Anleger. 60 bis 70 Prozent seines Vermögens hat er für seine Kinder langfristig in Private-Equity-Fonds investiert. Den Rest steckt der Däne in gewöhnliche Aktienfonds und Hedge Funds.

Für das zweite Halbjahr prognostiziert Strobaek eine wieder steigende Wachstumsdynamik und sieht trotz der Risiken für die Aktienmärkte Potenzial. Langfristig orientierten Anlegern rät er zu Supertrends. Die tragen Namen wie «Modernisierung der Infrastruktur», «Millennials» oder «unzufriedene Gesellschaften».

In den letzten zwölf Monaten liefen die Wetten auf die Supertrends sehr gut. Ein Punkt im endlosen Kampf gegen die UBS.

Dieser Text erschien in der Juli-Ausgabe 07/2018 der BILANZ.

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