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Kowalskys Crashtest: Unter Aliens

Kowalskys Crashtest: Unter Aliens
Crashtest: Die iSine 20 sind nicht jedermanns Sache. Felice Bruno

Mit dem Audeze iSine 20 setzt erstmals ein Ohrhörer auf jene Technologie, die bei Lautsprechern als Referenz gilt.

Von Marc Kowalsky
2017-06-27

Meine Ausstattung mit Kopfhörern ist überschaubar: Auf Reisen habe ich In-Ear-Stöpsel mit Geräuschunterdrückung dabei. Damit kann man sich auch halbwegs bequem im Flugzeug hinlegen. Bei der Arbeit schirme ich mich mit einem grossen Over-the-Ear-Modell und ebenfalls Noise Cancelling vom Ungemach des neuen Grossraumbüros ab. Daheim höre ich Musik lieber über die Surround-Anlage. An meinem Equipment hat sich seit Jahren nichts geändert, weil die Kopfhörertechnologie seit langem auf der Stelle tritt.

Jetzt aber verspricht Audeze einen Durchbruch: Der kalifornischen High-End-Firma ist es gelungen, die bei Lautsprechern altbekannte Magnetostat-Technologie so zu miniaturisieren, dass sie auch 
in Ohrhörer passt. Das ist eine Leistung ­(Magnetostaten brauchen eigentlich möglichst viel Platz) und soll völlig neue Audioerlebnisse ermöglichen.

Gross, schwer und wenig bequem

So richtig mini sind die Membranen aber noch nicht: Für Ohrhörer sind die iSine 20 sehr gross, schwer und entsprechend wenig bequem. Aufgrund ihrer Bauweise schirmen sie relativ schlecht ab. Andersherum hört auch die Aussenwelt stets mit. Und das Design ist eine Mischung aus «Star Wars», «Alien» und «Independence Day» – pseudofuturistisch, auffällig und hässlich. Aber was solls, sehen tun die Dinger ja nur die anderen, ich will sie hören.

Und was ich höre, ist durchaus eindrücklich: Die Höhen glasklar, aber nicht giftig, die Mitten ausgewogen, auch der Bass ist für einen Ohrhörer sehr kräftig. Beeindruckend sind die Dynamik und die räumliche Präzision des Klangbildes. Auch bei geringen Lautstärken hört man Nuancen, die einem zuvor verborgen geblieben sind.

Pech für Android-User

iPhone-Besitzer können ein Lightning-Kabel mitbestellen, das sich aus dem Musikspeicher die Rohdaten holt und die Konvertierung selbst vornimmt – das bringt noch mal ein Quäntchen besseren Sound. Die zugehörige App dient auch gleich als Equalizer. Android-User schauen jedoch in die Röhre. Richtig zur Geltung kommt die Qualität aber nur bei hochauflösendem Klangmaterial.

Für MP3 mit 128 Kilobit/Sekunde lohnen sich die knapp 600 Franken nicht. Ja, Sie haben richtig ­gelesen: 600. Im stolzen Preis inbegriffen ist eine Trag­tasche, schliesslich sind die Ohrhörer mechanisch empfindlich. Dafür fehlt ein Mikrofon, als Freisprechgarnitur sind die iSine 20 also nicht zu ­verwenden. Und über Noise Cancelling müssen wir gar nicht erst reden.

Fazit: Die iSine 20 sind nicht jedermanns Sache. Die tolle Klangqualität ist für Audiophile sicher ein Kaufgrund. Für alle anderen sind die Dinger einfach nur teuer, unbequem und hässlich. Ich bleibe bei meinem Equipment.

Audeze iSine 20
Info:www.audeze.com

Preis: 599 Franken bei Digitec.ch

Bewertung: ★★★

 Technoschrott ★★ verzichtbar ★★★ nice to have ★★★★ cool ★★★★★ wegweisend

 

Marc Kowalsky ist ein Early Digital Immigrant: 
Seit 30 Jahren fühlt er den 
neusten IT-Produkten auf den Zahn.

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