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Kowalskys Crashtest: Gross und trotzdem klein

Kowalskys Crashtest: Gross und trotzdem klein
Samsung Galaxy S8: Das Gerät will mit zwei Neuerungen überzeugen.  Felice Bruno

Nach dem Batterie-Debakel letztes Jahr will Samsung 
mit dem Galaxy S8 an alte Glanzzeiten anknüpfen.

Von Marc Kowalsky
2017-05-22

Das letzte Jahr war für Sam­sung ein Annus horribilis: Die explodierenden Batterien im Galaxy Note 7 schadeten dem Image gewaltig. 17 Milliarden kostete das Debakel plus die Position als weltgrösster Smartphone-Produzent (das ist seither wieder Apple). Mit dem Galaxy S8 wollen die Koreaner nun verlorenes Vertrauen und verlorene Marktanteile zurückgewinnen. So gross, wie der Druck ist, der auf Samsung lastet, so gross ist auch der Werbedruck, mit dem das ­Gerät im Markt lanciert wird.

Dabei ist die Aufgabe nicht ganz einfach, denn Smartphones sind inzwischen so ausentwickelt, dass echte Innovationen rar sind. Für das S8 hat Samsung doch noch etwas gefunden: den quasi rand­losen Bildschirm, der sich an den Seiten über die Kanten wölbt und oben und unten bis fast an den Rand reicht. Marketingmässig nennt sich das dann «Infinity Display», wobei ich mir die Unendlichkeit doch ein bisschen grösser vorstelle als 5,8 Zoll. Anyway, als Folge dessen ist das ­Gehäuse trotz des grossen Screens elegant und schlank, und das Gerät lässt sich gut mit einer Hand bedienen – was bei meinem iPhone 7 Plus trotz kleinerem Schirm nicht unbedingt der Fall ist.

Lautsprecher à la 2015

Das Konstrukt bringt aber auch mehrere Nachteile: Das unübliche Screen-Format von 2:1 sorgt bei Videos gerne für abgeschnittene Köpfe oder schwarze Balken. Und der ­Fingerabdrucksensor ist nach hinten gewandert, ­leider direkt neben die Kameralinse – die Sie deshalb regelmässig betatschen werden (Sony hat das besser gelöst und den Sensor im Einschaltknopf am Gehäuserand verbaut). Alternativ können Sie sich aber auch über Gesichtserkennung oder Iris-Scan identifizieren.

Wie gewohnt ist das S8 wasserdicht und verfügt über eine Schnellladefunktion. Was mir fehlt: Die Lautsprecher sind nicht stereo, das ist so was von 2015. Und die solide Kamera macht dank grosser Blende auch bei Schummerlicht ordentliche Fotos, aber spezielle Features wie Doppellinse, Weitwinkel oder Porträtmodus fehlen. Da ist die Konkurrenz weiter.

Bixby hilft weiter – oder auch nicht

Die zweite Neuerung nennt sich Bixby und ist die Antwort auf Apples Siri oder Amazons Echo: ein Sprachassistent, der mündliche Anfragen versteht und – hoffentlich – auch beantwortet. Nur leider versteht Bixby bis Ende Jahr noch kein Deutsch. Aber dafür erkennt sie ja auch Bilder: In der Theorie schiesst man ein Foto von einem Produkt, bekommt dann Infos dazu oder kann es bestellen. In der Praxis ist die Funktion so schrottig, dass es fast schon unterhaltsam ist.

Fazit: Das S8 ist prima, wenn man einen grossen Screen in einem kleinen Smartphone will. Aber ob das reicht, um Samsung zu alter Glorie zurückzuführen?

Samsung Galaxy S8
Info: www.samsung.com/galaxy
Preis: 799 Franken

Bewertung: ★★★★

 Technoschrott ★★ verzichtbar ★★★ nice to have ★★★★ cool ★★★★★ wegweisend

 

Marc Kowalsky ist ein Early Digital Immigrant: 
Seit 30 Jahren fühlt er den neusten 
IT-Produkten auf den Zahn.

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