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Kowalskys Crashtest: Fossil in neuer Frische

Kowalskys Crashtest: Fossil in neuer Frische
BlackBerry Priv im Crashtest: Das Smartphone gibt es für 799 Franken. ZVG

Smartphone-Pionier BlackBerry – ältere Leser einnern sich – hat mit dem neuen BlackBerry Priv sein Hauptproblem gelöst. Vermutlich einige Jahre zu spät

Von Marc Kowalsky
2016-01-12

Es war einmal vor langer Zeit in einer nicht so weit entfernten Galaxie: BlackBerry war mit einem Marktanteil von über 20 Prozent der zweitgrösste Her­steller von Smartphones. Dann kamen Apple und Android mit ihren App Stores und verdrängten BlackBerry immer mehr. Auch ich bin irgendwann schweren Herzens umgestiegen.

Heute ­beträgt der weltweite Marktanteil nur noch ein halbes Prozent. Hauptgrund für den ­Niedergang war die dünne Auswahl an Apps. Nun bietet die kanadische Firma erstmals ein Gerät auf Android-Basis an – und löst damit das Problem. Der Schritt kommt vermutlich ­einige Jahre zu spät, aber er ist so radikal, als würde Porsche plötzlich BMW-Motoren ­verbauen.

Einzigartiges, gut verstecktes Highlight

Mit 799 Franken kostet das BlackBerry Priv ähnlich viel wie die Topmodelle von Samsung und Apple. Es ist mit 192 Gramm auch so schwer wie ein iPhone 6s Plus (also sehr schwer) und ähnlich gross (also sehr gross), liegt aber besser in der Hand. Das Karbongehäuse macht einen eleganten und wer­tigen Eindruck, im Betrieb wird es spürbar warm.

Unter dem Touchscreen versteckt sich das Allein­stellungsmerkmal von BlackBerry: eine vollwertige Tastatur. Sie scheint mir nicht ganz so gut wie bei den klassischen ­Blackies, ist aber immer noch um Lichtjahre besser als jede ­Bildschirmtastatur (die das Priv natürlich auch bietet). Man tippt schneller, komfortabler und fehlerfreier als auf Glas. Zudem dient die Tastatur als Trackpad, mit der Sie sich mühelos durch Webseiten scrollen, ohne dass die Finger den Bildschirm verdecken.

Mehr als standardmässige Sicherheit

Nützlich auch die Möglichkeit, Apps per Tastendruck zu starten. Ein zweites Markenzeichen, den BlackBerry Hub, hat das Priv ebenfalls übernommen: Dadurch hat man per ­Fingerwisch von einer Plattform aus ­Zugriff auf alle eintreffenden Nachrichten – sehr praktisch.

In Sachen Sicherheit bietet das Priv BlackBerry-typische Features, die über den Standard hinausgehen, etwa Komplettverschlüsselung und einen Wachhund für allzu neugierige Apps. Gut ­gefallen hat mir auch der 5,4 Zoll ­grosse Bildschirm mit hervorragender Quad-HD-Auflösung und satten Farben. Er ist ähnlich wie beim Samsung Edge über beide Kanten gebogen, allerdings hat die zusätzliche Fläche ausser einer Akkuanzeige keine Funktion.

Kameras als Schwachpunkt

Stichwort Akku: Der bringt einen gut durch den Tag, aber nicht viel weiter. Austauschen lässt er sich nicht. Weniger toll, weil langsam, ist die 18-Megapixel-Kamera; die Frontkamera ist mit ihren bescheidenen zwei Megapixeln und den vielen Farbfehlern gar ein Witz.

Fazit: Wer unter Android eine echte Tastatur will, für den ist das Priv alternativlos, und für die verbleibenden BlackBerry-User ist der Wechsel sowieso Pflicht. Für alle anderen ist das Priv ist ein prima Gerät – zu einem stolzen Preis.

BlackBerry Priv
Info:
de.blackberry.com
Preis: 799 Franken

Bewertung: ★★★★

Technoschrott ★★ verzichtbar ★★★ nice to have ★★★★ cool ★★★★★ wegweisend

 

 

Marc Kowalsky (45) ist ein Early Digital Immigrant: Seit 30 Jahren fühlt er den neusten IT-Produkten auf den Zahn.

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