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Kowalskys Crashtest: Die Nesthäkchen

Kowalskys Crashtest: Die Nesthäkchen
Nest Cam: Gutes Design, ordentliche Technik, aber die Preise sind inakzeptabel.Felice Bruno

Sicherheit ist unbezahlbar. Das denkt sich auch Nest und schröpft die Kunden hemmungslos.

Von Marc Kowalsky
2017-09-26

Die Firma Nest Labs hat eine interessante Geschichte hinter sich: 2010 wurde sie gegründet von Apple-Mitarbeiter Matt Rogers und dessen Arbeitskollegen Tony Fadell, besser bekannt als Vater des iPod. Nest war einer der ersten Anbieter von Produkten für das Smart Home: intelligente Thermostate, Rauchsensoren und Kameras. Vier Jahre später übernahm Google das Start-up für stolze 3,2 Milliarden Dollar.

Sieben Jahre nach der Gründung und nachdem so ziemlich jeder andere Elektronikkonzern auf das Thema Smart Home aufgesprungen ist, kommt Nest nun auch in die Schweiz. Unter anderem mit drei Überwachungskameras: einer für innen, einer wetterfesten für aussen und einem Modell mit dem Namen Cam IQ, das von sich behauptet, besonders intelligent zu sein. Zunächst die auf der Hand liegende Frage nach dem Datenschutz: Nest ist eine Google-Tochter, und Google wertet die Nutzerdaten aus für individuell zugeschnittene Werbung. Nest verspricht, keine Daten weiterzugeben, auch nicht an den Mutterkonzern. Nun denn.

Beeindruckende Bildqualität

Alle drei Kameras haben ein gefälliges Design (man merkt die Apple-Vergangenheit der Gründer) und lassen sich einfach installieren über das Scannen von QR-Codes. Alle drei erlauben keinen Batteriebetrieb und werden im Einsatz sehr warm. Beeindruckt hat mich die Bildqualität mit 4K-Auflösung und 130-Grad-Bildpanorama, und zwar sowohl bei Tag wie bei Nacht. Registrieren die Kameras das eigene Handy zu Hause, schalten sie sich aus – sehr praktisch.

Nur mit dem IQ der Cam IQ ist es leider nicht so weit her. Sie kann Personen erkennen und bekannte von unbekannten Gesichtern unterscheiden. Doch was nützt es, wenn die Nest-App auch bei einem bekannten Gesicht wie dem der Putzfrau jedes Mal eine Push-Nachricht sendet? Auch die Personen­erkennung ist ein Flop: Wenn sich mein Putzroboter in Bewegung setzte oder der Rasenmähroboter vor der Terrassentür vorbeirollte, schlug die Kamera zuverlässig Alarm.

Preise für die Abos sind inakzeptabel

Der grosse Haken: Die meis­ten Funktionen wie auch eine Aufzeichnung von über drei Stunden benötigen ein Abo. Das kostet 100 Franken pro Jahr und Kamera für 10 Tage Aufzeichnung bzw. 300 Franken für 30 Tage. Ja, Sie haben richtig gelesen: 300 Eier pro Jahr. Pro Kamera. Erde an Nest: Seid ihr eigentlich noch ganz gebacken?

Fazit: Einfache Installation, gutes Design, ordentliche Technik – so weit alles okay. Aber die Preise für die Abos sind inakzeptabel. Da bietet die Konkurrenz, etwa Logitech oder Netgear, Vergleichbares für weniger Geld.

Nest Cam
Info: www.nest.com

Preise: 219 Fr. (indoor), 239 Fr. (outdoor), 369 Fr. (IQ),
100 bzw 300 Fr. / Jahr für das Abo

Bewertung: ★★☆☆☆

★ Technoschrott ★★ verzichtbar ★★★ nice to have 
★★★★ cool ★★★★★ wegweisend

 

Marc Kowalsky ist ein Early Digital Immigrant: 
Seit über 30 Jahren fühlt er 
den neusten IT-Produkten auf den Zahn.

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