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Kowalskys Crashtest: Das Konjunktiv-Gerät

Kowalskys Crashtest: Das Konjunktiv-Gerät
Der Zeppelin Wireless im Crashtest.  PR

Der Zeppelin Wireless ist die Neuauflage eines Klassikers. Also, er würde es gerne sein, wenn er könnte.

Von Marc Kowalsky
2015-11-10

Die Ära der Zeppeline endete am 6. Mai 1937: An jenem Tag explodierte die LZ 129 «Hindenburg» beim Landeanflug im amerikanischen Lakehurst, als sich die Wasserstofffüllung entzündete. 36 Menschen kamen ums Leben.

Die Ära der Zeppeline begann erneut am 2. August 2007. An jenem Tag lancierte die britische Lautsprecherschmiede Bowers & Wilkins (B&W) das iPod-Dock Zeppelin. Es wurde sofort zur Designikone und schmückt noch heute zahlreiche Hotel- und Wohnzimmer. Nun stellt B&W die vierte Auflage des Klassikers vor, genannt Zeppelin Wireless.

Vom iPod-Dock hat man sich verabschiedet, das ellipsoide ­Design ist eleganter geworden. Das ­Gehäuse ist sehr wertig verarbeitet und bietet nur ­minimale Bedienelemente. Im Inneren verrichten ein Subwoofer, zwei Mittel- und zwei Hochtöner ihren Dienst, die von fünf Digitalverstärkern mit zusammen 150 Watt angetrieben werden. Mit sechseinhalb Kilo ist das Gerät ein Dickschiff. Und weil auch kein Akkubetrieb vorgesehen ist, wird klar: Dieser Zeppelin will nicht bewegt werden.

Warm und verzerrungsfrei

Fangen wir mit dem an, was das Gerät nicht hat: Fernbedienung, Weckfunktion, Multiroomfähigkeit. Auch ein Internetradio fehlt. Klar, das kann man via Smartphone streamen. Aber dann ist das Handy für andere Zwecke blockiert. Eine Bluetooth-Verbindung kommt auf simplen Knopfdruck zustande.

Was der Zeppelin dann abliefert, ist beeindruckend: Der Sound ist warm und auch bei hoher Lautstärke verzerrungsfrei, der nach vorne gerichtete Subwoofer arbeitet druckvoll und präzise, die Höhen sind klar. Selbst ein grosser Raum wird so mühelos ausgefüllt.

Nutzbar nur mit Dinosaurier-iPhone

Auch Spotify und Apple AirPlay unterstützt der Zeppelin. Auf dem Papier. Ich habe einen halben Tag lang versucht, das Gerät in verschiedene Netzwerke ein­zubinden, und wurde von der App jedes Mal mit einer nichtssagenden Fehlermeldung abgespeist. Gleiches mit einem Ersatzgerät, das B&W eiligst zur Verfügung stellte.

Irgendwann kam heraus: Der Zeppelin und das aktuelle iOS verstehen sich nicht. Eine App für Android oder Windows Mobile gibt es nicht. Und mit dem Laptop funktioniert die Einrichtung auch nicht. So kann man den Zeppelin derzeit nur mit einem Dinosaurier-iPhone nutzen – oder via ­Bluetooth. Das ist für 760 Franken dann doch zu wenig.

Fazit: Der Zeppelin Wireless ist ein Konjunktiv-Gerät. Würde alles funktionieren, wäre er womöglich ganz toll. Tut es nicht, ist er nicht. Solange die technischen Probleme ungelöst sind, verdient der Zeppelin keine Startfreigabe.

Bowers & Wilkins Zeppelin Wireless
Info: www.bowers-wilkins.de
Erhältlich: im Fachhandel
Preis: 760 Franken

Bewertung: ★★

Technoschrott ★★ verzichtbar ★★★ nice to have ★★★★ cool ★★★★★ wegweisend

 

Marc Kowalsky, stellvertretender Chefredaktor und IT-Spezialist, wirft ­einen kritischen Blick auf neue Gadgets.

 

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