1. Home
  2. Lifestyle
  3. Gadgets
  4. Kowalskys Crashtest: Das Imperium schlägt zurück

Multimedia 
Kowalskys Crashtest: Das Imperium schlägt zurück

Kowalskys Crashtest: Das Imperium schlägt zurück
Der grösste Erfolg der über 150-jährigen Firmengeschichte: die Tag Heuer Connected.  PR

Jetzt reagiert die Schweizer Uhrenindustrie auf die Apple Watch: TAG Heuer zeigt, wie es geht. Wenn schon Smartwatch, dann diese.

Von Marc Kowalsky
2016-01-26

Dieses Jahr, so schätzt man, dürfte Tim Cook mit der Apple Watch fünf bis zehn Milliarden Dollar Umsatz machen. Damit wird Apple aus dem Stand zweitgrösster Uhrenhersteller der Welt. Die Schweizer Uhrenindustrie hat den neuen Konkurrenten bislang grösstenteils ignoriert und sich um die Produktkategorie Smartwatch foutiert.

Jetzt nimmt mit TAG Heuer erstmals ein grosser Schweizer Player das Thema ernst. Die Connected Watch generierte in kürzester Zeit 100'000 Vorbestellungen und wurde zum grössten Erfolg der über 150-jährigen Firmengeschichte. Weil die Produktion nicht nachkommt, ist es nicht ganz einfach, eine der Uhren zu kaufen: Prioritär werden die Märkte in ­England, Japan und den USA bedient.

Erstklassig verarbeitet

Die Uhr ist mit 46 Millimetern Durchmesser für grazile Frauenhandgelenke eher weniger geeignet, aber dank (spritzwasserdichtem) Titan-Gehäuse mit 82 Gramm angenehm leicht. Sie ist erstklassig verarbeitet, vom kratzfesten Saphirglas über das hochwertige Kautschukarmband bis zur aufwendigen Faltschliesse. Kein Vergleich mit dem Plastikfeeling bei Sony und Samsung, und auch der Apple Watch ist TAG Heuer weit voraus. Optisch gleicht die Connected stark der Markenikone Carrera. Die TAG Heuer ist eine der wenigen Computeruhren, die man tragen kann, ohne sich als Nerd zu positionieren.

Die Smartwatch benutzt das gleiche Android-basierte Betriebssystem wie die deutlich günstigeren Modelle von Samsung, Sony oder Huawei und bietet die gleichen wenigen Features – etwa Benachrichtigung bei eingehenden Nachrichten, Spracheingabe oder Google-Now-Karten. Intern ist sie allerdings mit einem schnelleren Chip und einem üppigen Speicher von 1 GB ausgestattet. Ein Herzfrequenzsensor fehlt.

Sehr gut gefallen hat das leuchtstarke und scharfe Display, weniger gut der Akku: Er muss jede Nacht aufgeladen werden. Von einer Schnarchnase entwickelt wurde die Weckfunktion: Vom lautlosen, sanften Vibrieren der Smartwatch wird man nicht wach. Nach zwei Jahren, wenn die Elektronik veraltet sein dürfte, kann man die Connected zum Aufpreis von 1400 Franken gegen eine mechanische Carrera austauschen. Das ist nun wirklich ein cleverer Schachzug.

Fazit: TAG Heuer hat sehr viel richtig gemacht; es gibt keine andere Smartwatch, die ich lieber getragen habe. Aber gerade deshalb zeigt sie umso schonungsloser die limitierten Möglichkeiten der Produktkategorie Smartwatch auf. Ich glaube nach wie vor nicht an den Computer am Handgelenk.

TAG Heuer Connected
Info: www.tagheuer­connected.com
Preis: 1400 Franken

Bewertung: ★★★

Technoschrott ★★ verzichtbar ★★★ nice to have ★★★★ cool ★★★★★ wegweisend

Marc Kowalsky (45) ist ein Early Digital Immigrant: Seit 30 Jahren fühlt er den neusten IT-Produkten auf den Zahn.

Anzeige