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Kowalskys Crashtest: Blaues Wunder

Kowalskys Crashtest: Blaues Wunder
Verspricht viel und hält wenig: Der Bluesmart im Crashtest. PR

Der intelligente Koffer Bluesmart verspricht, das Reisen neu zu erfinden. Er sollte besser selbst neu erfunden werden.

Von Marc Kowalsky
2016-05-17

Mein Beruf, aber auch meine private Lebensgestaltung bringen es mit sich, dass ich ziemlich häufig im Flieger unterwegs bin. Auf all meinen Reisen ist, Gott sei Dank, erst einmal ein Koffer verloren gegangen, auf dem Rückweg von einer Hochzeit irgendwo zwischen Palermo, Rom und Zürich-Kloten. Seither packe ich alles, was mir lieb und teuer ist, ins Handgepäck.

Mit dem Bluesmart Carry-on, dem laut Hersteller «ersten intelligenten Koffer der Welt», soll das nicht passieren. Er spielt mit 469 Franken in der Preisklasse von Edelfabrikaten wie Rimowa oder Tumi. Die gleiche Wertigkeit vermag sein Polycarbonat-Gehäuse zwar nicht zu vermitteln, aber die Verarbeitung ist vernünftig.

Mit 56 mal 36 mal 23 Zentimetern überragt der Koffer die Handgepäcksvorschriften von Swiss, Lufthansa und Air Berlin um einen Zenti­meter, was in der Praxis aber kaum eine Rolle spielen dürfte. 34 Liter fasst der Koffer offiziell, subjektiv kam er mir aber deutlich kleiner vor als Gepäckstücke ­gleichen Inhalts. Das liegt wohl auch am gewaltigen Akku. Er lädt via zwei USB-Ports im Seitenfach und an der Rückseite ein Smartphone bis zu sechs Mal, allerdings recht langsam. Bei Tablets funktioniert es entgegen der Herstellerangabe nicht.

Einfach auszutricksen

Der eingebaute Bluetooth-Chip erkennt, wenn Sie sich vom Gepäckstück entfernen, und verschliesst ­automatisch die Lasche, die den Reissverschluss des Koffers sichert. Leider lässt sich diese Sicherung einfach austricksen, wenn Sie mit einem Stift die Schieber des Reissverschlusses unter der Lasche herausdrücken. Auch die Waage im Griff, die via App das Gewicht des Koffers anzeigt, ist nur theoretisch brauchbar, denn ihre Messung schwankt sehr stark.

Das wichtigste Verkaufsargument des Bluesmart: Dank eingebauter SIM-Karte und GPS sollen Sie den Koffer überall per App orten können. Mal abgesehen davon, dass das bei einem aufzugebenden (und entsprechend grösseren) Koffer mehr Sinn machen würde als bei einem Handgepäck: Es funktioniert nicht, ausser wenn der Koffer innerhalb Bluetooth-Reichweite (ein paar Meter) ist. Und was die US-Sicherheitsbehörden sagen, wenn sie beim Röntgen im Koffer Batterie und Drähte entdecken, will ich gar nicht erst wissen.

Fazit: Der Bluesmart verspricht viel und hält wenig. Die wichtigsten Features funktionieren nicht (Ortung, Tablets laden), sind zu ungenau (Waage) oder lassen sich einfach überlisten (elektronisches Schloss). Für das gleiche Geld kaufen Sie sich lieber einen guten normalen Koffer plus ein Batteriepack.

Bluesmart Carry-on
Info: www.bluesmart.com
Preis: 469 Franken bei galaxus.ch

Bewertung: ★☆☆☆☆

★ Technoschrott ★★ verzichtbar ★★★ nice to have ★★★★ cool ★★★★★ wegweisend

 

 

Marc Kowalsky (45) ist ein Early Digital Immigrant: Seit 30 Jahren fühlt er den neusten IT-Produkten auf den Zahn.

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