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Kowalskys Crashtest: Apples Schlaumeieruhr

Kowalskys Crashtest: Apples Schlaumeieruhr
Apple Watch Series 2: Praktisch, aber einen zwingenden Kaufgrund gibt es weiterhin nicht. PR

Apple unternimmt einen zweiten Anlauf, die Schweizer Uhrenindustrie zu bodigen. Es wird wieder nicht gelingen.

Von Marc Kowalsky
2016-11-15

Dieser Herbst war für Tim Cook etwa so erfreulich wie für Hillary Clinton: In allen Produktkategorien musste der Apple-Chef sinkende Erträge melden. Erstmals seit 2011 wird Apple das Geschäftsjahr mit einem Umsatzrückgang abschliessen. Den Verkauf der neuen drahtlosen Kopfhörer musste er – auch dies ein Novum – auf unbestimmte Zeit verschieben. Und das Autoprojekt, an dem mehr als tausend Angestellte gearbeitet haben sollen, wurde gleich ganz eingestellt. Damit bleibt als einzig echte Innovation Cooks in seinen fünf Jahren Amtszeit die Apple Watch.

Wie erfolgreich sie wirklich ist, darüber schweigt sich Apple aus (ausser der Behauptung, inzwischen der zweitgrösste Uhrenhersteller der Welt zu sein). Laut den Branchenbeobachtern von IDC ist ihr Verkauf jedoch zuletzt dramatisch eingebrochen, und die Voraussagen über den Tod der Schweizer ­Uhrenindustrie haben sich nicht bewahrheitet.

Wasserdichtes Gehäuse

Nach zwei Jahren lanciert Apple nun die zweite Smartwatch. Äusserlich ist sie unverändert, doch die Bedienung ist logischer geworden – wenn auch noch immer nicht intuitiv. Neu ist das Gehäuse wasserdicht. Entsprechend unterstützt die Fitness-App jetzt auch Schwimmen im Pool und im offenen Wasser. ­Dedizierte Sportuhren haben aber noch immer deutlich mehr Funktionalitäten als Apples Schlaumeieruhr.

Auch den Schlaf protokolliert die Smartwatch nicht, anders als die meisten Fitnessarmbänder. ­Immerhin muss man dank eines eingebauten GPS nun sein iPhone nicht mehr mitnehmen, will man die ­Joggingstrecke protokollieren. Der Einsatz dieser Funktion saugt die Batterie allerdings schnell leer. Die hält sonst eineinhalb bis zwei Tage – länger als früher, aber für meine Bedürfnisse noch immer zu kurz.

Helleres Display

Deutlich heller ist das Display geworden – endlich kann man es auch bei Sonnenlicht gut lesen –, deutlich schneller der Prozessor. Die meisten Apps laden nun in erträglicher Geschwindigkeit. Weiterhin gilt freilich: Viele Apps machen auf dem winzigen Display keinen Sinn, so Instagram oder Keynote.

Der Hauptnutzen der Uhr besteht noch immer darin, im Auto oder in der Sitzung schnell und unauffällig eingehende Nachrichten zu checken. Über diese Funktion als Zweitdisplay für das iPhone (das es zwingend braucht) kommt auch die Apple Watch Series 2 nicht hinaus.

Fazit: Mit der Zweitauflage hat Apple die grössten Schwachpunkte der Uhr beseitigt. Der Minicomputer am Handgelenk ist ganz praktisch, einen zwingenden Kaufgrund gibt es aber weiterhin nicht. Das wird nicht reichen to make Apple great again.

Apple Watch Series 2
Info
: www.apple.ch
Preis
: Ab 419 Franken

Bewertung
: ★★★

★ Technoschrott ★★ verzichtbar ★★★ nice to have ★★★★ cool ★★★★★ wegweisend

Marc Kowalsky (45) ist ein Early Digital Immigrant: Seit 30 Jahren fühlt er den neusten IT-Produkten auf den Zahn.

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