Jahrzehntelang war der Markt für Staubsauger todlangweilig: Es gab keinerlei ­Innovationen, die Gerätekategorie schien ausentwickelt wie jene der Toaster oder Haartrockner. Dann passierten etwa zur Jahrtausendwende zwei Dinge parallel: Zum einen eroberte der Brite James Dyson mit seinen beutellosen Staubsaugern den Massenmarkt. Zum anderen tauchten die ersten Putzroboter auf, die auch ohne menschliche Führung den Boden reinigen. Der Samsung Powerbot VR9000 vereinigt nun beide Ideen. Dank der Zyklon-Technologie à la Dyson soll er 60-mal stärker saugen als andere Putz­roboter – oder, anders gesagt, etwa so gut wie ein normaler Staubsauger.

Dafür macht er auch ähnlich viel Krach. Dass 76 Dezibel zu viel sind, haben auch die Samsung-Ingenieure bemerkt und dem Gerät einen «Silence»-Modus verpasst. Der macht die Sache noch schlimmer: Zwar arbeitet das Gebläse dann etwas leiser, dafür aber mit einem hochfrequenten Pfeifen, das man nur bei fortgeschrittener Alterstaubheit länger als zwei Minuten erträgt. Dafür, das muss man ihm lassen, saugt der VR9000 tatsächlich gründlicher als jeder andere Roboter, den ich ausprobiert habe. Aber weil es keine rotierenden Seitenbürsten gibt, bleibt bei den Wänden und in den Ecken der Staub zentimeterbreit liegen. Und mit 13 Zentimetern ist der Powerbot so hoch, dass er bei mir (und vermutlich auch bei Ihnen) nicht unter Sofa und Sessel passt.

Eine Systematik ist in seiner Arbeit nicht erkennbar. Bisweilen fährt er Schlangenlinien, macht wilde Richtungswechsel bei freier Fahrbahn und wirkt auch sonst so, als habe er zu viele Promille intus. Manchmal rauscht er hemmungslos in die Möbel, vor anderen hält er respektvoll Abstand. Manche Orte besucht er ständig, wohl weil sie ihm so gut gefallen, andere verschmäht er, vielleicht weil es dort zu viel zu tun gegeben hätte.Auf schwarzen Böden funktioniert das Ortungssystem des Samsung überhaupt nicht, und Wasserlachen drohen gar sein Inneres zu beschädigen.

Eine App, die anzeigt, wo der Roboter schon geputzt hat, fehlt ebenso wie ein Tragegriff, um das wuchtige Gerät (knapp fünf Kilo!) an den Einsatzort zu bringen. Auch lassen sich nicht einzelne Wochentage für den Putzjob programmieren. Dafür können Sie bestimmte Bereiche vom Saugen ausnehmen, indem Sie einen Virtual Guard, eine Art Leuchtturm, im Raum positionieren. Dass Samsung als einer der weltgrössten Batteriehersteller dafür keine Stromquelle mitliefert, ist bei einem Verkaufspreis von 1299 Franken erbärmlich.

Fazit: Der Powerbot VR9000 saugt zwar stärker als andere Roboter, aber er ist zu teuer, zu klobig, zu laut und zu schlampig, als dass ich ihn empfehlen könnte. Andere – auch günstigere – Geräte können mehr.

Samsung Powerbot VR9000
Infos: www.samsung.ch
Erhältlich: u.a. bei galaxus.ch
Preis: Fr. 1299.–

Bewertung: ★★

★ Technoschrott ★★ verzichtbar ★★★ nice to have ★★★★ cool ★★★★★ wegweisend

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