1. Home
  2. Lifestyle
  3. Gadgets
  4. Kowalskys Crash Test: Roboter-Fernsehen

Multimedia 
Kowalskys Crash Test: Roboter-Fernsehen

Imported Image
Imported Image

Nach dem Smartphone und dem Tablet will Android jetzt auch den TV erobern. Der Versuch scheitert kläglich.

Von Marc Kowalsky
2015-01-20

Dem ersten TV mit Android begegnete ich vor fünf Jahren an einer Computermesse. Präsentiert wurde er von einer obskuren ­schwedischen Firma namens The People of Lava, von der ich zuvor noch nie gehört hatte. Ich habe auch danach nie wieder von ihr gehört: Das Gerät war kein Erfolg. Es war wohl seiner Zeit zu weit voraus. Jetzt aber lanciert wie auf Kommando eine ganze Reihe grosser Hersteller Fernseher mit dem Google-Betriebssystem.

Der Philips 55PUS9109 steckt in einem sehr schlanken 55-Zoll-Gehäuse und hat nur einen schmalen Rand – das gibt klasse Stilnoten. Weil schlanke Gehäuse keinen Platz bieten für gute Lautsprecher, stellt Philips dem Gerät einen Subwoofer zur Seite. Der hat ordentlich Rumms – so viel, dass selbst Dialoge bisweilen etwas scheppern. Die Bildqualität in 4K-Auflösung gefällt mir gut. Das Gerät ist mit so ziemlich allem ausgestattet, was State of the Art ist, insbesondere mit dem Philips-eigenen Beleuchtungssystem Ambilight, welches das Seherlebnis spürbar verstärkt. So weit, so gut.

Wenig Spass

Spannender ist der Android-Aspekt. Die verbaute Version 4.2.2 ist nicht mehr ganz aktuell, Updates sind nicht möglich. Gut gelöst ist die Steuerung: Texte werden über eine kleine Tastatur auf der Rückseite der Fernbedienung eingegeben. In dieser steckt auch ein Neigungssensor, mit dem sich der Mauspfeil passabel steuern lässt. Philips liefert einige Apps mit, etwa Netflix, aber Schweizer Spezialitäten wie Zattoo oder die SRF-Mediathek fehlen. Und wer meint, er könne auf dem TV die gleichen Apps wie auf seinem Tablet installieren, irrt: Unter anderem weil es keinen Touchscreen gibt, steht nur ein kleiner Teil der 1,43 Millionen Android-Apps zur Verfügung. Selbst Basics wie Twitter und Facebook fehlen.

Für diese beiden bietet Philips eigene Alternativen, die gar nicht überzeugen. Auch die E-Mail-App ist eine Qual. Der Chrome-Browser holt zwar das Internet auf den Schirm, unterstützt aber kein Flash. Und bei manchen Apps wie Evernote erscheinen Meldungen um 90 Grad gedreht. So macht Android keinen Spass.

Auch sonst scheint das Gerät nicht immer ausgereift: Die Gestensteuerung wollte bei mir gar nicht funktionieren, die Spracherkennung versteht weniger als ein 90-Jähriger nach dem Hörsturz, und selbst das vorinstallierte Spiel «Badland» liess sich nicht starten. Das ist ein bisschen viel «Geht nicht».

Fazit: Der Philips 55PUS9109 ist ein guter Fernseher. Dafür allein ist er allerdings zu teuer. Die verbockte Android-Implementierung bietet keinen zusätzlichen Kaufgrund. Der Tabletrechner neben dem Fernsehsessel ist die viel sinnvollere Lösung.

Philips 55PUS9109
Infos: www.philips.ch/c-m-so/fernseher
Erhältlich: im Fachhandel
Preis: Fr. 2899.–

Bewertung: ★★

★ Technoschrott ★★ verzichtbar ★★★ nice to have 
★★★★ cool ★★★★★ wegweisend

Anzeige