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Kowalskys Crash Test: Keinen Stress, Mann!

Kowalskys Crash Test: Keinen Stress, Mann!
Der Pip im Crash Test.  PR

Der Pip misst Stress und soll ihn so reduzieren helfen. Aber manches an dem Gerät bringt einen eher auf die Palme.

Von Marc Kowalsky
2016-02-09

Auf der Liste der stressigsten Berufe der Welt, so will das amerikanische Job-Portal Careercast.com heraus­gefunden haben, rangiert Journalist auf Platz neun. Unregelmässige Arbeitszeiten, die immer grössere Informationsflut und vor allem die unverrückbaren Deadlines tragen – ich kann es bestätigen – dazu bei.

Leute wie mich hat die Firma Galvanic mit ihrem Pip im Visier. Das Gerät in Tropfenform misst den Stresszustand anhand der elektrischen Leitfähigkeit der Haut. Anders als Fitnessarmbänder oder Smartwatches protokolliert der Pip den Stress aber nicht kontinuierlich, sondern nur, während man das Gerät mit Daumen und Zeigefinger hält. 2 bis 20 Minuten dauert so eine Session. Der ermittelte Hautwiderstand wird dabei live in farbigen Kurven dar­gestellt und am Schluss in erholsame, neutrale und stressige Momente aufgeschlüsselt. Natürlich dürfen die üblichen Tages-, Wochen- und Monatsstatistiken nicht fehlen.

Ein Wettrennen gegen Stress abbauen?

Wer ein bisschen tiefer im App Store stöbert, findet noch zwei weitere Anwendungen für den Pip: Bei «Race & Relax» steuern Sie einen Ballon, Drachen oder Fisch gegen einen Konkurrenten oder Ihren Highscore – je entspannter Sie sind, desto schneller bewegen Sie sich. Ein Wettrennen soll Stress abbauen? Absurde Idee.

Bei «The Loom» verändert sich eine Fantasielandschaft, wenn Sie sich entspannen. Das permanente Spa-Gedudel dabei geht einem aber spätestens nach dem dritten Mal gehörig auf den Sack. Unschön: Für jede App muss man User und Gerät neu einrichten, auch tauschen die verschiedenen Anwendungen keine Daten aus, etwa für die Statistiken. Hallo, Galvanic, schon mal was von Cloud gehört?

Entscheidene Frage bleibt offen

Allen drei Apps gemein ist: Sie zeigen zwar mehr oder weniger genau an, wie gestresst Sie sind (wenn auch nicht überprüfbar). Bei der entscheidenden Frage, wie Sie den Stress reduzieren, lässt Sie Galvanic allerdings allein. Je häufiger man den Pip verwende, so der Hersteller, desto besser verstehe man Stress und könne entsprechend gegenwirken. Nun denn.

Bei mir war das nach zwei Wochen Test noch nicht der Fall. Und, ach ja, falls Sie sich gefragt haben: Die stressigsten Berufe sollen Soldat, Feuerwehrmann und Pilot sein. Daran freilich wird auch der Pip nichts ändern.

Fazit: Das Gerät hat einen «Guck mal»-Effekt, der sich allerdings schnell abnutzt. Echten Nutzen bietet es kaum. Zum Stressabbau helfen mir eine Stunde auf dem Crosstrainer, die Mittagspause am Limmatufer oder abends ein schönes Glas Wein deutlich besser als der Pip.

Pip
Info: www.thepip.com
Preis: 179 Franken bei Digitec.ch

Bewertung:
★★

Technoschrott ★★ verzichtbar ★★★ nice to have ★★★★ cool ★★★★★ wegweisend

 

Marc Kowalsky (45) ist ein Early Digital Immigrant: Seit 30 Jahren fühlt er den neuesten IT-Produkten auf den Zahn.

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