Eine verbreitete These lautet, die Weltfinanzkrise sei durch den Zusammenbruch des unseriös finanzierten US-Immobilienmarkts ausgelöst worden, durch gierige Banker und unfähige Regulierer. Nicht falsch, sagen die Autoren des vom Groninger Professor Oliver Kessler herausgegebenen Buches, aber leider auch nicht ganz richtig. Denn diese von den Finanzmärkten ausgehende Krise war je nach Zählweise die 148. seit 1870 oder die 124. seit 1970 – zwar heftig und hartnäckig, aber doch normal für das System.

In seinem Aufsatz «Die Züchtung ‹schwarzer Schwäne›» bringt es Danko Knothe auf den Punkt. Die Bildung von Finanzblasen sei nicht Ausdruck irrationalen Überschwangs, sondern das Ergebnis eines dynamischen Vertrauenswachstums. Das Vertrauen ins Perpetuum mobile beruhe auf der Gewissheit, dass der Steuer­zahler als «lender of last resort» die Kosten für un­vorhersehbare Ereignisse übernehme und die Löcher stopfe. Worauf die internationalen Finanzmärkte ­umgehend den nächsten schwarzen Schwan aufpäppelten, den sie freilich immer erst dann erkennten, wenn er zuschnappe.

Die Lektüre dieser wissenschaftlichen Aufsätze ist nicht einfach, die Belohnung durch einen hohen Erkenntniswert dafür umso reichhaltiger.

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