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Testfahrt mit dem Gran Turismo 
Bayerns Schönheitskönig

BMW M850i xDrive
Lange Haube, flache Dachlinie, langer Radstand: Der neue 8er vom BMW.Quelle: ZVG

Das einzig Unschöne am neuen Gran Turismo von BMW ist der komplizierte Name. Die sportlichen Bayern haben einen Traumwagen gebaut.

Dirk Ruschmann
Von Dirk Ruschmann
10.06.2019

Sie können es also noch. BMW ist zwar unverdächtig, hässliche ­Autos zu bauen – aber einen absoluten Traumwagen gab es zuletzt trotz 6er, trotz M2, M4 oder i8 und vielleicht seit dem Z8 nicht mehr wirklich (auch wenn mich persönlich der Z8 noch immer an die Form einer Badewanne erinnert). Der neue 8er – die gesamte Modellbezeichnung ersparen wir uns hinfort aus Platzgründen – ist allerdings zu einem jener Schmuckstücke geworden, von denen man schon bei der Lancierung weiss: Das wird ein Klassiker. Lange Haube, knackiges, cool gezeichnetes Heck, flache Dachlinie, langer Radstand, mächtige 20-Zoll-Räder und noch mächtigere Nieren an der Front, da hat der Designer alles richtig gemacht.

So ein Auto hat den Bayern gefehlt. Eins, das sich an die Spitze der Modell­palette stellt; die Limousinen können das mangels Nachfrage nicht mehr, die grossen SUVs noch nicht. Ein Gran Turismo also, ein schnittiger Reisewagen. Ein Massanzug auf Rädern.

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Kein Kurvenschlingel

Ein Massanzug ist bekanntlich kein Sportleibchen. Entsprechend fährt der 8er souverän und schnell, liegt vertrauenerweckend satt auf der Strasse, aber mit seinen knapp zwei Tonnen ist er kein Kurvenschlingel wie der M2, will er auch gar nicht sein. Aus seinem Fahrersitz schält sich kein heissgemachter Jung­spund, also kein Max Verstappen, wenn Sie wissen, was ich meine, sondern eher ein sportlicher Gentleman; sagen wir, ein Ryan Reynolds oder ein Gianni Agnelli in seinen Vierzigern.

Selbst mir sind neidische Blicke gefolgt, als ich mit dem 8er auf dem Coop-Parkplatz vorgefahren bin. Ein wenig seitlicher Abstand beim Parkieren hilft übrigens enorm, wie bei Zweitürern üblich. Wer den neidischen Blicken also kein Grinsen folgen ­lassen möchte, sollte zur Sicherheit das elegante Ausfädeln aus dem Sportsitz in den Stand zuvor proben. Nichts zählt so sehr wie der erste Eindruck.

BMW M850i xDrive
Der 8er fährt souverän und schnell, liegt vertrauenerweckend satt auf der Strasse.
Quelle: ZVG

Warten Sie nicht auf den M8

Das Auto selbst überzeugt in dieser ­Disziplin vollauf. Nicht einmal der Mini-Heckspoiler auf dem Kofferraumdeckel stört nachhaltig. Und deshalb wäre mein Rat: Wenn Sie scharf sind auf den scharfen neuen 8er, warten Sie nicht auf den M8, der dieses Jahr kommen soll, ­obwohl das Motörchen darin sicher ein Hammer sein wird.

Aber die Erlkönig-Jäger haben bereits Prototypen abgelichtet, die einen hoch aufgerichteten Carbon-Spoiler am Heck zeigen, eine stärker zerklüftete, aggressivere Karosserie. Viel teurer wird er natürlich auch. Das muss für Sie zwar kein Problem bedeuten. Aber es wäre nicht zielführend, die klare Architektur des 8ers zu verstören: Einen perfekten Massanzug sabotiert man ja auch nicht mit Hawaii­hemden. Das wusste schon Gianni Agnelli.

BMW M850i xDrive
Antrieb: 4,4-Liter-V8-Biturbo-Benziner
Verbrauch: 10,5 Liter Super
Leistung: 530 PS (390 kW)
0–100 km/h: 3,7 s
Vmax: 250 km/h
Preis: ab 160 300 Franken