Manchmal sind es Details, die den Unterschied ausmachen. Dieses Detail zum Beispiel: Die berühmte Kühlerfigur des Rolls-Royce, die Spirit of Ecstasy, im Volksmund oft Emily genannt, fliegt beim neuen Rolls-Royce Dawn ein Spürchen höher als bisher. Der Grund: Man kann sie so bei voller Fahrt auch von den Rücksitzen aus sehen. Um solche Dinge kümmern sich die Designer der ­Nobelmarke aus Grossbritannien.

Aber zunächst zum Grundsätzlichen: Der Rolls-Royce Dawn ist vor allem ein Rolls-Royce. Und damit ein Auto der Extraklasse. Fast alles ist hier eine Spur nobler als bei anderen Autos – vom stilvollen Plopp-Geräusch beim Zuschlagen der Türen bis zur Politur des üppig verwendeten Edelholzes. Der Dawn ist das erste Rolls-Royce-Cabrio seit langem – und es erinnert an zeitlose Klassikyachten der fünfziger Jahre. Mit einem generösen Einsatz von Mahagoni, Leder und anderen feinen Materialien.

Eine Rakete

Man lasse sich indes nicht ablenken. Der offene Brite mag äusserlich wie ein nettes Boot aussehen, innerlich ist er aber ­sozusagen eine Rakete. In Goodwood bleibt man Traditionen treu – auch wenn es um die Werte unter der Kühlerhaube geht. Der Dawn hat – what else? – einen Zwölf-Zylinder-Motor mit 6,6 Liter Inhalt. Sie bringen 570 PS und katapultieren den schweren Wagen in 4,9 Sekunden von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde. Höchsttempo ist 250, mehr lässt die Elektronik nicht zu, auch wenn der Motor noch viel Reserve hätte.

Man kann, dies nebenbei, mit gutem Gewissen Leute im Fond mitnehmen. Wo anderswo bestenfalls zwei symbolische Folterhocker zu finden sind, bietet der Dawn ausreichend Platz.

Man fährt ihn lieber als Gentleman

Ich hatte die Gelegenheit, den Wagen zu fahren. Und ich bin fast nie in Versuchung geraten, die Potenz des Motors ganz auszureizen. Mit diesem Wagen cruist man. Man geniesst die Fahrt. Der Rolls, ich habe das schon bei anderen Modellen festgestellt, ist eine Art Beruhigungsmaschine, automobiles Zen, motorisierte Wellness. Man kann ihn zwar durchaus wie einen Sportwagen pilotieren, aber man fährt ihn lieber als Gentleman. Man gewährt anderen den Vortritt, gleitet durch die Landschaft, lässt sich nicht stressen.

Die Motorleistung? Ausreichend, würde man als Antwort auf eine derart profane Frage mit britischem Understatement und in Anlehnung an eine alte Werbung lächelnd sagen. Völlig ausreichend, Sir.

Rolls-Royce Dawn
Antrieb:
12-Zylinder-6,6-Liter-Motor
Leistung: 570 PS (420 kW), 0–100 km/h in 7,6 s, Vmax 250 km/h
Verbrauch: 14,2 Liter auf 100 Kilometer
Preis: 277'000 Euro

Pierre-André Schmitt fährt seit 
35 Jahren Auto. Ebenso lange 
ist er Journalist. In «Bilanz» schreibt 
er über Luxus und Uhren.

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