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Spritzfahrt 
Model 3: So fährt sich der neue Tesla

Jetzt ist der Elektrowagen für die Massen da: Das Model 3 ist aussen unverkennbar ein Auto von Tesla, innen dominiert Minimalismus. Der Testfahrer ist überzeugt. Nun muss Elon Musk nur noch liefern.

Von Matthew deBord («Business Insider Deutschland»)
2017-07-31

Seit seiner Gründung hat Tesla ein tolles elektrisches Auto für die Massen versprochen - und seit Freitag ist dieses Auto endlich da. Bevor die ersten 30 «Model 3»-Exemplare von Teslas Produktionsstätte in Kalifornien an die Besitzer übergeben wurden, konnte ich 15 Minuten lang hinter dem Lenkrad des neuesten Autos der Zukunft sitzen (ich durfte bereits im März 2016 in einem Prototypen des Model 3 sitzen, als das Auto in Los Angeles bekannt gegeben wurde).

Ich bin alle Tesla-Autos gefahren, vom Roadster zum Vorzeigemodell der Firma, das Model S P1 00D. Sie waren alle beeindruckend. Aber das Model 3 ist etwas Besonderes.

Personalisierbares Lenkrad

Ich bin ein Auto mit vielen tollen Funktionen gefahren: eine Premiumversion mit bis zu 310 km/h, eine Beschleunigung von Null auf 60 in 5,1 Sekunden, einen wunderbaren minimalistischen Innenraum, alles aus Leder und Holz mit geschmackvollen metallischen Akzenten, einem 15-Zoll-Touchscreen als Ersatz für das Kombiinstrument und ein Dach, das fast vollständig aus Glas besteht.

Das silberne Model 3, mit dem ich eine Runde gefahren bin, hat aerodynamische Aluminium-Räder und sieht aus wie ein kleineres Model S. Das schräg abfallende Fliessheck erinnert an die grösseren Limousine. Es ist ein scharfkantiges Auto und unverkennbar von Tesla.

Wenn Sie auch auf den Fahrersitz sitzen, sehen Sie sofort, dass es nicht viele Ablenkungsmöglichkeiten gibt. Es gibt keinen Schlüssel. Stattdessen schliesst man das Auto mit dem Smartphone und einer App auf und ab. Es gibt einen Notschlüssel in der Grösse einer Kreditkarte, den man von aussen an den eingelassenen und verchromten Türgriff halten kann.

Das Lenkrad hat verschiedene Funktionen, ist personalisierbar, anhand von Fingerbewegungen können die Spiegel bewegt werden und Audio-Funktionen kontrolliert werden (das Soundsystem ist übrigens recht gut, sowohl das Streamen von Musik als auch das normale Radio — aber es gibt auch USB und Bluetooth, wenn ihr das bevorzugt).

Minimalismus im Innenraum

Es gibt zwei Lenkstockhebel. Einer davon kontrolliert P-R-N-D — wie eine kleinere Version des alten Schalthebels — während der andere den Blinker kontrolliert. Alles andere geschieht auf dem Bildschirm: Klimaanlage, Fahrdynamik, Navigation, Kommunikation, Geschwindigkeit. Es dauert etwas, sich daran zu gewöhnen. Aber nicht lange.

Ich war überrascht, wie optisch ansprechend das neue Armaturenbrett ist. Dort haben Sie nicht mal wirklich die Lüftungsschlitze für Heizung und Kühlung. Es gibt einen langen und dünnen Schlitz, der von einer Seite des Armaturenbretts zur anderen reicht, und wenn Sie den Bildschirm benutzen, können Sie die Luftströmung kontrollieren. Das sieht alles sehr cool aus, aber es macht auch die Herstellung des Innenraums einfacher - und das ist ein Segen für Tesla, da sie ausreichend «Model 3»-Autos bauen müssen, um den rund 500'000 Vorbestellungen gerecht zu werden.

Die Sitze sind bequem, ohne übertrieben gemütlich zu sein. Wenn Sie einen seriösen, sportlichen Sitz in Ihrem Auto haben wollen, wird das Model S Sie wahrscheinlich enttäuschen. Für die meisten wird es aber kein Problem sein.

Schwungvoll unterwegs

Auf den Strassen ist das Model 3 flott, mit diesem Drehmoment, den wir von Tesla und anderen elektrischen Autos kennen und lieben. Ich bin ein heckangetriebenes Fahrzeug gefahren (allradgetriebene Autos mit Doppelantrieb werden später kommen) und habe die Geschwindigkeit genossen. Sie war zwar nicht so verblüffend wie der Ludicrous Modus bei einem «P100D»-Fahrzeug, aber schwungvoll genug, um meine Aufmerksamkeit zu bekommen und mich davon abzulenken, auf den Bildschirm zu starren.

Die Bedienung war gut - und noch besser, als ich die elektrische Servolenkung in den Sportmodus eingestellt habe, was jegliche Leichtigkeit nahm und genau das richtige Gewicht gab. Die Bremsen sind Nutzbremsen, was etwas gewöhnungsbedürftig ist, aber sie funktionieren einwandfrei. Ausserdem gibt es einen überraschend grossen Kofferraum, gross genug, um einigen Crossover-SUVs Konkurrenz zu machen.

Ohne Konkurrenz

Im Endeffekt ist das Model 3 auf seine eigene Art und Weise genauso attraktiv wie das Model S es vorher war. Nein, es ist nicht so ein tolles Auto wie das Model S, und der Geschäftsführer Elon Musk hat es auch schon mehrfach angemerkt. Aber es ist sehr gut. Bei dem Preis (rund 45'000 Dollar für die extravagantere Version) wird das Model 3 viele von sich überzeugen. Es ist das attraktivste Einstiegsmodell der Luxusautos und Elektrikautos auf dem Markt. Ich habe es nur sehr kurz fahren dürfen, aber ich bin so gut wie jedes andere reine Elektrofahrzeug auf dem Automobilmarkt gefahren und kann mit Sicherheit sagen, dass das Model 3 keine Konkurrenz hat.

Doch es ist mehr als das. Obwohl es ein kleiner Viertürer ist und der Markt sich allmählich von dieser Art Fahrzeug entfernt, um sich auf Crossover-Fahrzeuge und SUVs zu konzentrieren, wird niemand in diesem Auto sitzen und es nicht besitzen wollen. Das Model 3 erweckt sofort Begierde, und die Lust auf das Auto bleibt. Das verändert wirklich alles. Alles, was Tesla jetzt noch machen muss, ist eine halbe Million dieser Autos zu bauen.

Dieser Text erschien zuerst bei «Business Insider Deutschland» unter dem Titel «Ich bin das Tesla Model 3 gefahren — es wird die Autobranche für immer verändern».

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