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Lexus LC 500: Innen fein, aussen böse

Lexus LC 500: Eine valable Alternative zur ewigen deutschen Dreifaltigkeit.PR

Japans Edelkarossen haben in Europa nach wie vor einen schweren Stand – oder gar keinen. Mit dem neuen Sportwagen LC könnte sich das jetzt ändern.

Von Dirk Ruschmann
21.02.2017

Lexus – das sind ja jene Toyotas, die in den USA den deutschen Premium-Platzhirschen (Sterne, Niere, Ringe) Marktanteile abnehmen sollen. Im Fall Lexus funktioniert das ziemlich gut, im Fall der Nissan-Edeltochter Infiniti oder von Hondas Ableger Acura immerhin noch leidlich.

Im guten alten Europa jedoch bekommt Lexus nur ganz allmählich Grund unter die Füsse, Infiniti kämpft um Atemluft, und Acura hat sich noch nicht einmal hierhergewagt. Lexus hat 2016 in der Schweiz von seiner recht breiten Modellpalette 861 ­Autos verkauft; das ist weniger, als VW-Tochter Seat von ihrem SUV Ateca (ich bin auch ein VW Tiguan! und ein Skoda Kodiaq!) absetzen konnte.

Aggressive Avantgarde

Zwischenzeitlich allerdings hat uns aus Japan ein neuer Samurai erreicht – oder besser: ein Ninja. Der neue Lexus LC versucht nicht einmal mehr, wie der distinguierte Grossonkel von Toyota Prius oder Avensis zu wirken. Sind die Seiten noch dermassen geduckt und fliessend gezeichnet, dass oberhalb der Räder kaum Masse sichtbar wird, legen Front und Heck jede Zurückhaltung ab.

Das Frontmaul aufgerissen, die L-förmigen Leuchten scharfkantig ins Blech geschnitten und die Schultern ausgestellt bis zum unruhig gestalteten Heck – aggressive Avantgarde kann man das nennen. Oder der Desi­gner hat zu häufig «Star Wars» geschaut. Lexus selber nennt den LC «einen noch nie da gewesenen ­Erfolg». Ein Satz, der mir trotz längerer Grübelei rätselhaft blieb. Aber Marketing muss ja nicht rational nachvollziehbar sein.

Ein sportlicher Reisewagen

Jedenfalls ist den Japanern ein sehr ­gutes Auto gelungen. Der Achtzylinder-Benziner legt immer genügend Kraft an den Tag. Das Fahrwerk federt kommod, zeigt aber auf abgesperrter Strecke Standfestigkeit, und die Elektronik lässt ein ­wenig Querbeschleunigung zu. Doch letztlich ist der LC, schon dank seines Gewichts von 2,4 Tonnen, kein Kurvenschlängler, sondern ein Gran Turismo: ein sportlicher Reisewagen. Am besten für zwei – der Kofferraum schluckt nicht einmal 200 Liter, die Rücksitze sind wohl als Taschenablagefläche zu verstehen. Dafür gefallen die ­tadellose Verarbeitung, das geschmackvolle Interieur und das fahrerorientierte Cockpit.

Seit Frühsommer gibt es den Lexus LC in der Schweiz. Wer sich mit der angriffigen Optik anfreunden kann, findet in ihm eine valable Alternative zur ewigen deutschen Dreifaltigkeit – auch preislich hält der Lexus mit. Und weil er erst bei 270 km/h dichtmacht, kann man den Deutschen auf Teutonias Autobahnen schön die Rücklichter zeigen.

Falls Sie partout die Umwelt schützen möchten, greifen Sie zum 500h; ein Hybrid, der aber weder Fahrspass noch Akustik so schön kultiviert wie der Achtzylinder.

Antrieb: 5-Liter-V8-Benziner
Verbrauch: 11,5 Liter Super ­
Leistung: 477 PS (351 kW) 0–100 km/h: 
in 4,4 s
Vmax: 270 km/h
Preis: ab 115'900 Franken

 

Dirk Ruschmann fährt seit 25 Jahren Auto. Er schreibt
 über Unternehmen, Manager, Autos 
und andere bewegliche Teile.

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