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Fahrtest 
Ein Alfa mit der Gefahr zum Augenkrebs

Breit und kurz und eine reine Fahrmaschine: Alfa Romeo 4C.

Der Alfa Romeo 4C ist laut und direkt, ob offen oder geschlossen. Die Italiener rücken endlich wieder ihren Wurzeln näher.

Von Dirk Ruschmann
21.07.2015

Hier unten, tief in der Sitznische, kämpft der Fahrer mit seinen Emotionen. Einerseits umzingelt ihn dermassen viel Hartplastik (Türverkleidung, Mittelkonsole, Armaturenträger), dass eine gewisse Gefahr für Augenkrebs nicht wegzudiskutieren ist. Andererseits reicht ein scharfer Blick Richtung Lenkrad, und der Alfa biegt im millimetergenauen Radius in die Kurve – noch direkteren Fahrbahnkontakt als im 4C hat man nur in einem dieser Donkervoort-Renner. Oder im Gokart.

Dieses Gerät, breit und kurz, ist eine reine Fahrmaschine. Wer zum ersten Mal Gas gibt, wird sich wundern, wie die Räder jeder Ritze im Asphalt nachlaufen. Da ist eine entschlossene Hand gefragt. Im Parkhaus auch; Servolenkung hat sich Alfa gespart. Der Tank fasst nur 40 Liter, und die Kofferraum-Mulde kann kaum mehr als eine voluminöse Sporttasche beherbergen. Und beim Spider muss noch das einzurollende Dachteil rein.

Auch als Spider

Denn den 4C gibts jetzt auch als Spider. Ebenfalls mit sauteurem Carbon-­Monocoque, das für ein Leergewicht von weniger als einer Tonne sorgt. Und so hat der 1,8-Liter-Motor dank seinem satten Drehmoment, das schon bei gut 2000 Umdrehungen anliegt, mit der kleinen Rennsemmel leichtes Spiel. Was etwas stört, ist die Gedenkminute, die sich der Turbo nimmt, bevor er Druck aufbaut und dem Alfa Beschleunigung verabreicht. Spontane Gasannahme ja, aber die Umsetzung in Vortrieb geschieht eher bedächtig.

Der Sound reisst es raus: Vor allem in den Fahrstufen Dynamic und Race rotzt und spotzt der Motor dermassen sexy, dass Fahrer, die hier noch Radiohören erwägen, definitiv fehlalloziert sind. Es ist ­ohnehin zu laut dafür, schon unter dem geschlossenen Dach – offen fegt der Fahrtwind bereits bei mittlerem Autobahntempo so laut über die Köpfe, dass der Fahrer nur noch mit sich selber sprechen kann.

Dafür haben die Alfisten endlich den schlimmsten Teil überarbeitet: die Frontleuchten. Während sich der 4C von hinten ein wenig in Ferrari-Formen ergeht, war die an der Front hingeworfene Ansammlung von LED-Lämpchen ein krasser Fall optischer Umweltverschmutzung – als ob sich nachts ein rachsüchtiger Design-Praktikant in die Produktion geschlichen hätte. Das Problem wurde erkannt: Die glasbedeckten Xenon-Scheinwerfer des Spiders sind inzwischen auch als Option fürs Coupé erhältlich.

Wer 81'000 Franken Spielgeld in der Schublade liegen hat, für den ist der offene 4C ein grandioses Spielzeug: als Drittwagen, für Spritztouren an Sommerwochenenden. Wer nur ein Auto besitzen will, wird den 4C anstrengend finden.

Alfa Romeo 4C
Antrieb: 4-Zylinder-Turbobenziner
Leistung: 240 PS
Höchstgeschwindigkeit: 258 km/h
Beschleunigung 0–100 km/h: 4,5 s
Verbrauch: 6,9 Liter
Preis: 71'000, als Spider 81'000 Franken

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