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Elektrisch 
E-Auto: Mit chinesischer Hilfe zum Auto der Zukunft

E-Auto: Mit chinesischer Hilfe zum Auto der Zukunft
Stromtankstelle: E-Autos sollen dank chinesischem Schub das Auto der Zukunft sein.Keystone

Zu wenig ökologisch, zu geringe Reichweite: Das Elektroauto ist nach wie vor umstritten. Und doch wird es das Auto der Zukunft werden. Der Grund heisst China.

Nach wie vor räumen auch angesehene Fachleute dem Elektroauto nicht allzu grosse Zukunftschancen ein. Zu wenig ökologisch und zu gering die Reichweite, lauten ihre Argumente. Aus ganz anderen Gründen scheint der Technologieentscheid jedoch bereits gefallen zu sein.

Volvo hat sich vor kurzem als Trendsetter der Mobilität inszeniert. Ab 2019 wolle der Autobauer keine Personenwagen mehr bauen, die nur mit einem Verbrennungsmotor angetrieben werden, verkündet der Autokonzern aus Schweden. Volvo sprach dabei von einem «neuen Kapitel», das in der Automobil-Geschichte aufgeschlagen werde.

Mazda sieht im Elektroauto nicht die Zukunft

Das sehen in der Branche jedoch noch lange nicht alle so. Nur einige Monate zuvor erklärte Mazda-Europa-Chef Jeffrey Guyton in einem Interview, dass der japanische Autobauer im Elektroauto nicht die Zukunft sehe. Es werde zwar bei Mazda bis 2020 mehr alternative Antriebe geben als heute, sagte er. «Aber für unsere Pläne sind Hybrid- oder Elektroautos nicht zentral.»

Ob Volvo oder doch eher Mazda recht behalten werden, wird sich weisen. Für ETH-Professor Konstantinos Boulouchos, der das Schweizer Kompetenzzentrum für effiziente Mobilität leitet, gibt es jedoch einen klaren Trend. «Im Moment spricht vieles dafür, dass der zukünftige Personenwagen ein Elektroauto sein wird», sagt er auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Folge der Industriepolitik

Boulouchos sieht dafür vor allem einen Grund: China. Das Reich der Mitte habe in der Fahrzeugproduktion neue Verhältnisse geschaffen, sagt er. Ausschlaggebend dafür sei neben der Grösse des Landes und der starken Luftverschmutzung in vielen chinesischen Städten vor allem eine rigoros durchgesetzte Industriepolitik.

Tatsächlich hat sich China zum Ziel gesetzt, die Fahrzeuge für den eigenen Automarkt selbst zu produzieren. Allein aufgrund der immensen Grösse des Heimmarktes wird China so zur Auto-Supermacht und damit zum Taktgeber der zukünftigen Mobilitätstechnik aufsteigen. Den Systementscheid zugunsten E-Fahrzeugen habe dabei die chinesische Regierung aus technischen und versorgungstechnischen Gründen gefällt, sagt Boulouchos.

Bei Benzinmotoren war der Abstand zu gross

So sei es der chinesischen Industrie bei den Benzinmotoren nicht gelungen, den Rückstand auf die westlichen Autobauer aufzuholen. Bei der E-Mobilität jedoch habe China sowohl die nötigen Rohstoffe sowie auch die industrielle und finanzielle Potenz, um den Markt zu dominieren, sagt der Mobilitätsexperte. «Damit hat China alle Hebel in der Hand, um den Trend vorzugeben.»

Vor diesem Hintergrund ist es auch nicht erstaunlich, dass sich ausgerechnet Volvo zum Elektroauto-Vorreiter aufschwingen will. Volvo gehört seit 2010 dem chinesischen Autokonzern Geely. Auch Übernahmen von westlichen Autobauern oder Autozulieferern können demzufolge Teil der chinesischen Expansionsstrategie sein.

Benzinhybrid wäre ökologischer

Dass China sich für E-Mobilität entschieden hat, heisst laut Boulouchos jedoch nicht, dass Elektrofahrzeuge auch die beste Antwort auf die Umweltprobleme sind. «Auch im Bereich der PKW wäre die technisch und ökologisch beste Lösung vorerst noch ein Benzin- oder ein Gashybridauto», sagt er.

Der Grund dafür ist die Stromproduktion. So wird zum Beispiel in Europa noch viel Strom von Kohlekraftwerken erzeugt, was alles andere als klimaschonend ist. «Wenn man vor allem die CO2-Emmissionen reduzieren wollte, wäre es sinnvoller zuerst diese Kohlekraftwerke zu ersetzen anstatt damit E-Fahrzeuge zu betreiben», sagt Boulouchos. Für die nächsten 10 bis 15 Jahre wäre dies eindeutig der schnellere Weg zur angestrebten Absenkung der CO2-Emissionen.

Langfristig dagegen bestimme die Entschiedenheit der Umsetzung die Entwicklung. «Wenn sehr viel Geld in neue Energien und in den Ausbau der Übertragungsnetze investiert wird, kann der Umstieg auch bezüglich Emmissionen erfolgreich sein.» Boulouchos rät den europäischen Staaten in diesem Zusammenhang zudem ein verstärktes industriepolitisches Engagement.

China hat sich Rohstoffe gesichert

«Vor allem bei den Batterien ist es wichtig, dass die europäische Industrie nicht abgehängt wird», sagt er. Bei der Produktion ist sie bereits im Rückstand. China hat zudem mit der Sicherung wichtiger Schürfrechte für Batterie-Rohstoffe in Afrika die eigene Position in diesem Zukunftsmarkt weiter gestärkt.

Batterien sind aber auch technisch ein Schwachpunkt der E-Mobilität. Die als grosser Fortschritt bezeichnete Schnellladung ist gemäss Boulouchos nämlich ein Trugschluss. Denn bis jetzt ertrage keine Batterie auf Dauer eine solche Prozedur.

Aber auch bei diesem Argument gegen Elektroautos gilt, was Boulouchos über Batteriepreise und die Wirkung der Politik sagt. «Wir alle haben unterschätzt, wie schnell die Preise sinken und wie stark sich die Politik bei der Senkung der CO2-Emmissionen der Autos ins Zeug legt.»

(sda/ccr)

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