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Dudenhöffer: Darum sind selbstfahrende Autos besser

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Selbstfahrendes Auto: Ein Mitarbeiter von Bosch fährt einen Prototypen. Keystone

Eine Reihe von Unfällen haben eine Debatte über die Sicherheit von autonomen Autos losgetreten. Autopapst Ferdinand Dudenhöffer glaubt dennoch an die selbstfahrende Zukunft. Doch ein Problem bleibt.

Von Caroline Freigang
2017-04-28

Nach einem Unfall hat Uber seine autonomen Autos in den USA vorübergehend von den Strassen genommen. Auch Elektropionier Tesla hat Rückschläge beim autonomen Fahren einstecken müssen: Eine Reihe von Unfällen mit dem Autopiloten haben eine Debatte über die Sicherheit des Systems angestossen. Gerät die Entwicklung des selbstfahrenden Autos ins Stocken?

Nein, sagt der als «Autopapst» bekannte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer*. Er hält autonome Autos im Schnitt sogar für deutlich sicherer als konventionelle. «Das selbstfahrende Auto wird die Welt massiv verbessern», so Dudenhöffer. «95 Prozent der 1,2 Millionen Verkehrstoten jährlich sterben durch menschliches Verschulden. Autonomes Fahren kann diese Rate massiv reduzieren.» Bis die Roboterautos auf den Strassen fahren, müsse allerdings die Ethikfrage geklärt werden, sagt er.

Moralisches Dilemma

Diese stellt Entwickler vor das Kernproblem beim autonomen Fahren: Wen schützt das selbstfahrende Auto in brenzligen Situationen zuerst: den Fahrer oder den Passanten? Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat zur Klärung eine sogenannte Moral Machine gestartet. In diesem Online-Tool kann der Nutzer in einer makaberen Gegenüberstellung von Szenarien entscheiden, wer in Situationen von Leben und Tod gerettet wird.

Ein Beispiel: Fünf Personen sitzen in einem selbstfahrenden Auto, plötzlich versagen die Bremsen. Vor dem Auto liegt ein Zebrastreifen über den ein Mann, eine Frau und ein Kind laufen. Links und rechts sind Betonwände. Das Auto hat zwei Optionen: Es fährt die Personen auf dem Zebrastreifen um und nimmt deren Tod in Kauf. Oder es weicht aus, fährt gegen die Betonwand und die Insassen sterben. In weiteren Szenarien steht der Nutzer vor der Wahl, ob er Kind oder Rentner, Arzt oder Arbeitslose, dicke oder dünne Menschen verschont.

Dudenhöffer hält von solchen Szenarien wenig: «Wenn Sie sich auf die Frage einlassen, zwischen der Oma und dem Kind entscheiden zu wollen, sind Sie verloren.» Er verstehe zwar die moralischen Überlegungen. Im Alltag brauche es aber «praktikable Lösungen». «Diese stehen über der Moral, weil sie helfen, vieles zu verbessern», so Dudenhöffer. Ihm zufolge müsste der Vorteil des autonomen Fahrens im Vordergrund stehen: Die Reduktion der Unfälle. Auch wenn man dafür gewisse Todesfälle in Kauf nehmen müsste.

In der Luft oder auf der Strasse?

Eine mögliche Lösung für das Dilemma, über die tatsächlich auch diskutiert wird, wäre, das autonome Fahren zunächst in die Lüfte zu verlegen. «Autonom zu fliegen ist im Prinzip einfacher, als auf den Strassen zu fahren. Das Flugzeug muss weniger Hindernisse wie Menschen, Häuser, Hunde und Ampeln berücksichtigen», sagte Luuk van Dijk, CEO von Daedalean. Das Zürcher Startup tüftelt am Autopiloten für autonom fliegende Transportmittel.

Autoexperte Dudenhöffer kann dem wenig abgewinnen: «Ein fliegendes Auto kann immer noch vom Himmel fallen», sagt er. «Wenn erst alle in der Luft unterwegs sind, wird es da oben ziemlich eng.» Auf Strassen fahren die Beteiligten parallel zueinander, so Dudenhöffer, in der Luft sei man in drei Dimensionen unterwegs. Das erhöhe das Potential für Unfälle.

«Idiotische Regeln»

Die Sicherheitsfrage beschäftigt – und solange diese nicht geklärt ist, bleibt abzuwarten, wie die Politik auf das autonome Auto reagiert. Dudenhöffer ist überzeugt: «Europa hängt mit seinen Regulierungen hinterher.» Während das autonome Fahren in den USA bereits in mehreren Staaten erlaubt sei, sei es Europa möglich, dass die Politik dieses ganz verbieten oder «idiotische Regeln» erlassen könnte. Diese könnten beinhalten, dass der Fahrer das Lenkrad zu jeder Zeit in der Hand halten muss. «Damit wäre das Roboterauto hinfällig», so Dudenhöffer.

Trotz fortschrittlicherer Regulierung sind die USA dem Experten zufolge nicht die ersten, die das autonome Auto im Massenmarkt einführen. Auch hier seien Sicherheitsbedenken zu gross. Pionier sei eher China. Dort sei man «moralisch skrupelloser». «Das Zentralkommitee ordnet an, dass autonomes Fahren möglich sein soll und dann werden entsprechende Standards umgesetzt», so Dudenhöffer.

Mehr Autounfälle

Diese Einschätzung stützte zuletzt eine Studie von Deloitte: Diese zeigte, dass die Chinesen weniger Sicherheitsbedenken haben, was das autonome Fahren anbelangt. Auch die gesellschaftliche Akzeptanz scheint grösser: So stieg das Interesse der chinesischen Konsumenten an autonomen Autos in den letzten drei Jahren um 4,2 Prozent – insbesondere bei der jüngeren Generation. Jenes der Deutschen ging zurück. Die Studie führt dies darauf zurück, dass die Zahl der Unfälle in Ländern wie China und Indien sehr viel grösser sei.

 

*Ferdinand Dudenhöffer ist Gründer und Direktor des CAR – Center Automotive Research – an der Universität Duisburg-Essen.

 

 

 

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