Mercedes stand jahrelang im Gegenwind. Die Erzrivalen Audi und BMW waren längst am Stern aus Stuttgart vorbeigezogen, sowohl beim Absatz wie – weitaus massgebender – beim Gewinn. Mercedes-Konzernchef Dieter Zetsche arbeitet deshalb seit Jahren hart daran, den Stern wieder richtig zum Glänzen zu bringen. In den letzten 18 Monaten wurde deshalb der Wagenpark von der A- bis zur S-Klasse nicht nur modernisiert, sondern wurden mit neuen Modellen auch zusätzliche Segmente geschaffen. Als Beispiele dafür gilt die A-Klasse. Sie wurde von Grund auf neu entwickelt, das biedere Design durch ein zeitgemässes ersetzt. Mit dem CLA, einer kompakten coupéähnlichen Limousine, sowie dem GLA, einem kleinen Sport Utility Vehicle (SUV), hoffen die Stuttgarter, die nötige Coolness und Attraktivität vor allem für eine jüngere Käuferschaft mitzubringen.

Mit diesen Massnahmen ist Mercedes näher an Audi und BMW herangefahren. Die beiden Marken aus Bayern hatten mit ihren kleineren Fahrzeugen in den letzten Jahren bei der Kundschaft ein enormes Echo gefunden. Nach der Lancierung der A-Klasse möchte Mercedes nun mit der frisch aufgelegten C-Klasse nachlegen und die Gunst der Stunde nutzen, um wieder an seine frühere Spitzenposition anzuknüpfen. Die C-Klasse, vor etwas über 30 Jahren als «Baby-Benz» (Baureihe 180) auf den Markt gebracht, hat sich bis heute zum Volumenbringer par excellence entwickelt. Dies obwohl zur Markteinführung die Traditionen verpflichtete Kundschaft die Nase rümpfte. Der 180er wurde nicht als richtiger Mercedes anerkannt. Das hat sich gründlich geändert. Heute würde die Marke ohne die C-Klasse wohl nur noch ein Schattendasein fristen.

Viel näher bei E- und S-Klasse

Die Stuttgarter haben das Segment seit 2007, als die Vorgängergeneration des heutigen Modells lanciert wurde, ständig aufgewertet. Für die aktuelle CKlasse stehen Sicherheits- und Komfortkomponenten zur Verfügung, die früher der S- und E-Klasse vorbehalten waren, also Fahr- und Bremsassistenzsysteme, Head-up-Display, Luftfederung, Leichtbauweise, ein 7-Stufen-Automat (7G-Tronic Plus), elektronisch gesteuerter 4-Matic-Allradantrieb und was sonst noch gut und teuer ist im Automobilbau. Längst nicht alles ist zwar serienmässig lieferbar, aber die auf dem Schweizer Markt erhältlichen CModelle – wie beispielsweise der C220 BlueTec (Diesel/170 PS) – sind bereits gut ausgerüstet.

Die Hightech-Ausrüstung ist die eine Seite. Das Ganze muss aber auch gefällig eingepackt sein, damit das wichtigste Modell im Sternenreich gut ankommt. Die Karosserie- wie die Interieur- Designer haben sich dafür mächtig ins Zeug gelegt. Das Resümee der eigenen Marketingabteilung hört sich dann so an: «Die Insassen bekommen das Gefühl, in einem Automobil der höheren Klasse zu sitzen.» Für einmal ist ein Werbespruch nicht völlig aus der Luft gegriffen.

Dennoch, ein Haar schwimmt da in der Suppe. Es stellt sich die Frage, ob die Mercedes-Designer jemals Personen mit einer Grösse von 1,75 Metern und mehr auf die hinteren Plätze gesetzt haben? In normaler Sitzstellung wird für sie der Raum nach oben eng. Dies ist eine Folge einer stärker nach hinten abfallenden Dachlinie, als das beim Vorgänger der Fall war.

Als Motoren steht eine Reihe von Otto- und Dieselaggregaten zur Auswahl, die sich mehrheitlich in die Effizienzklassen A und B einreihen können. Die Verbräuche (EU-Norm) liegen nach Werksangaben zwischen 4 (C220 BlueTec/Diesel) und 7,5 Liter (Benziner). So viel Hightech und Komfort hat seinen Preis. Zur Markteinführung werden in der Schweiz zwei Benziner (156 und 184 PS) und ein potenter, aber trotzdem sparsamer Diesel (170 PS) angeboten; weitere Motoren folgen gegen Endes des Jahres oder 2015. Die Preise liegen für diese Modelle zwischen 44 900 und 49 500 Franken. Die 50 000-Franken-Marke dürfte aber mit Leichtigkeit übersprungen werden, denn trotz guter Serienausstattung ist die Liste für Extras alles andere als kurz. So findet die neue C-Klasse nicht nur in der Technik und im Design Anschluss an die E- und S-Klasse. Und nach unten gibt es Platz für die A- und B-Klasse.

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