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Gespräch 
BMW-Chef Krüger: «Premium ist und bleibt attraktiv»

BMW-Chef Krüger: «Premium ist und bleibt attraktiv»
Harald Krüger: «Wir sind ein Pionier der Elektromobilität.» Keystone

Ausgerechnet Fahrspass-Apostel BMW ist Vorreiter im Elektro-Segment. CEO Harald Krüger über Trump, Tesla und die neuen Erfolgsgeheimnisse.

Von Dirk Ruschmann
2017-04-26

Harald Krüger ist zwar Chef des Weltkonzerns BMW, aber er kommt frisch und jugendlich daher – und trägt, für Chefs von Weltkonzernen unüblich, einen leuchtend blauen Anzug: «Bilanz» traf den 51-jährigen Krüger, der übrigens aus Freiburg im Breisgau stammt, zum Gespräch.

Herr Krüger, das grösste 
BMW-Werk steht in den USA. 
Machen Sie sich ­Sorgen?
Wir beobachten die politischen Entwicklungen sehr genau, übrigens auch in Grossbritannien. Für mich ist klar: Freihandel ist lebenswichtig für die Weltwirtschaft. Zum Beispiel exportieren wir, BMW, aus unserem Werk in Spartanburg in South Carolina 70 Prozent der Produktion, das sind Waren im Wert von mehr als zehn Milliarden Dollar. Damit sind wir der grösste Automobilexporteur der USA!

Und ein grosser Teil davon geht 
nach China.
Ja, das ist ein wichtiger Zielmarkt. Ohne Freihandel wäre dieses Exportvolumen in Frage gestellt.

Was bedeutet der Zusammenschluss 
von PSA und Opel für BMW?
Auf BMW wird das keine Auswirkungen haben. Denn PSA und Opel bewegen sich im Volumensegment, wir konzentrieren uns auf unsere Premiummarken BMW, Mini und Rolls-Royce. Für Hersteller im Volumenbereich kann die Fusion bedeuten, dass der Wettbewerb zunimmt.

Wird es weitere Fusionen geben?
Die Entwicklung der strategischen Pfeiler unserer Industrie – autonomes Fahren, Konnektivität, Elektrifizierung und Mobi­litätsdienstleistungen – kostet sehr viel Geld. Da ist enge, auch branchenübergreifende Zusammenarbeit gefragt, wie zum Beispiel in unserer Kooperation mit Intel und Mobileye. Das könnte auch zu einer weiteren Konsolidierung führen.

Sind Economies of Scale heute noch so wichtig wie früher?
Für mich sind die berühmten Skalen­effekte nicht mehr der entscheidende ­Erfolgsfaktor der Zukunft. Mindestens genauso wichtig sind Geschwindigkeit und Kompetenzen. Wer die Kompetenz zum autonomen Fahren und für das digitale Auto nicht mitbringt und wer nicht schnell genug dorthin kommt, für den wird es eng. Egal, ob er heute die grösste Firma der Welt ist. Der Schlüssel für die Zukunft ist Technologieführerschaft.

Wann kommt das autonome Fahren auf Level 5, also dass sich Autos völlig ohne Fahrer an Bord bewegen können?
Schwierig zu sagen, das hängt auch von der Gesetzgebung in diversen Ländern ab. Und man braucht zum Beispiel die Technologie und Infrastruktur zur zuverlässigen Übertragung grosser Datenmengen. Zunächst wollen wir die Technologie für die Levels 3 und 4 beherrschen – also vollautomatisiertes Fahren, aber mit dem Fahrer als Backup an Bord. Der BMW iNext wird 2021 aber schon ein ­grosser Schritt hin zum vollautonomen Fahren sein.

Kann es in Rom in der Rushhour jemals klappen mit völliger Autonomie?
Das ist eine wirklich knackige Aufgabe und wird mit Sicherheit noch einige Zeit dauern. Das hoch automatisierte Fahren mit Level 3 auf der Autobahn, bei dem sich der Fahrer mit anderen Tätigkeiten beschäftigen kann, während das Fahrzeug die Fahraufgabe übernimmt, wird dagegen schon mit dem iNext zum Kunden kommen. Aber jeder Schritt ist ein grosser. Deshalb braucht es so viel Technologie und Ko­operationspartner, die in ihren speziellen Feldern führend sind. Etwa bei Daten­banken oder digitalen Karten.

Wie sehen Sie den Markt 
Europa? ­Manche sagen, der Zenit 
sei ­überschritten.
Ich glaube nicht, dass der Markt den Peak erreicht hat, es wird weiteres Wachstum geben. Im vergangenen Jahr ist BMW in Europa zweistellig gewachsen – auf diesem Niveau wird es wohl nicht weitergehen. Aber es gibt weiteres Wachstumspotenzial und ein grosses Fragezeichen: Was passiert in Grossbritannien? Das ist unser zweitgrösster Markt in Europa.

Bisher wachsen die Premiumhersteller stärker als die Konkurrenten im Massenmarkt. Geht das so weiter? Zumal Citroën mit DS einen neuen Premiumbrand am Markt hat.
Premium ist und bleibt attraktiv. Hier kann man mehr Geld verdienen als im Massenmarkt. Und es gibt weltweit immer noch überdurchschnittliche Wachstumschancen, zum Beispiel in China.

Was ist dort?
Die Mittelklasse in China wächst immer noch, die wollen ein Premiumauto und haben bisher zum Teil noch gar keines. Dort gibt es also viele Neukunden, gerade auch für das Einstiegsniveau ins Premium. Etwa für unseren X1, den Eintritt ins SUV-Segment, oder unseren 1er Stufenheck, den wir speziell für China entwickelt haben und dort produzieren.

BMW und andere Hersteller kooperieren beim Aufbau eines Ladenetzes für ­Elektroautos. Wie ist der Stand, und was wird das kosten?
Wir warten auf die Genehmigungen der Behörden, um das Joint Venture zu starten. Wenn die kommen, planen wir, in ganz Europa rund 400 Schnellladestationen zu bauen, und zwar so schnell wie möglich. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass wir uns zu den finanziellen Details nicht äussern.

Was erhoffen Sie sich davon?
Die Elektrifizierung voranzutreiben, die aus unserer Sicht die Mobilität der Zukunft ist und der entscheidende Eckpfeiler, um die Klimaziele für 2020/21 zu erreichen. Es gibt drei zentrale Voraussetzungen für den Erfolg der Elektromobilität: Erstens attraktive Produkte mit attraktiver Reichweite, zweitens eine Infrastruktur, die auch funktioniert, weil wir in Europa sehr viel grenzübergreifenden Verkehr haben. Und drittens mögliche Förderprogramme der Staaten für die Konsumenten. Bisher sieht der Punkt Lade-Infrastruktur nach der schwierigsten Hürde aus.

BMW war sehr früh dran mit den ­Elektroautos i3 und i8.
Das ist richtig. Wir sind ein Pionier der Elektromobilität.

Heute hat man den Eindruck, 
BMW liege zurück.
Das ist falsch. Schauen Sie die Fakten an: Wir haben 2016 über 62'000 elektrifizierte Fahrzeuge verkauft, dieses Jahr streben wir 100'000 an. Und der einzige Wettbewerber, der heute im Premiumsegment ebenfalls E-Autos in dieser Grössenordnung auf der Strasse hat, ist Tesla. Alle anderen sind erst angekündigt, sollen erst 2019 oder später kommen. Also: Wer ist im Spiel, und wer plant erst, dabei zu sein?

Und wenn die anderen auch so weit sind, was dann?
Es wird eine heisse Phase kommen, in der deutlich mehr Elektroautos auf der Strasse zu finden sein werden. Da mischen wir natürlich mit und treiben diese Entwicklung voran. Wir werden 2019 den elektrischen Mini haben, der ist perfekt für ­«urban mobility», dann 2020 einen elekt­rischen X3-SUV. Wir kommen ein Jahr später mit dem iNext. Zudem haben wir das erfolgreichste Angebot an Plug-in-­Hybriden.

Welches ist Ihr Tesla-Killer?
Es gibt da noch einige Geheimnisse, die ich nicht ausplaudern kann (lacht).

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