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BMW ActiveHybrid X6: Grüner Dampfhammer

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Selbstbewusst wie der FC Bayern München: BMW ActiveHybrid X6.

Von Dieter Liechti
21.05.2010
  • Motor: 4,4-Liter-V8 mit Turbolader
  • Systemleistung mit zwei Elektromotoren: 485 PS / 357 kW
  • Höchstgeschwindigkeit: 236 km/h
  • Beschleunigung: von 0 auf 100 km/h in 5,6 Sekunden
  • Richtpreis: ab 162  000 Franken

Ganz ehrlich: Bis jetzt habe ich noch kein Hybridauto gesehen, das ich persönlich kaufen könnte. Sicher, der Toyota Prius ist der Primus und hat die Welt mit seiner Kombination von Benzin- und Elektromotor zumindest teilelektrisiert. Aber sein Styling erinnert mich auch in seiner neusten Generation an die siebziger Jahre, als sich die intelligentesten und interessantesten Frauen unter Shetland-Pullovern und Arafat-Tüchern versteckten, die inneren Werte schlecht verpackt. Dass das auch anders geht, wissen wir. Apple baut die intuitive Technik nicht in Kartonschachteln ein. Und dass selbst die Wirtschaftselite Angelina Jolie bei deren Auftritten an den Lippen hängt, hat nicht nur mit dem Inhalt ihrer Vorträge zu tun. Wieso also intelligente Spartechnik in einem bestenfalls unauffälligen Auto verstecken? Diese Frage hat man sich bei BMW nicht gestellt. Denn das erste ­Hybridauto der Münchner, der ActiveHybrid X6, rollt mit dem Selbstverständnis des FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeness auf die Strasse: «Der FC Bayern ist mit grossem Abstand die beste deutsche Mannschaft. Das tut mir leid für alle anderen.»

Schwerer Leichtbau. Wer die Unterlagen zum «sauberen» X6 liest, könnte meinen, Hoeness hätte für die PR-Abteilung von BMW in die Tasten gehauen: Obwohl wegen der zusätzlichen Technik 2,5 Tonnen schwer, schwadronieren die Münchner über Leichtbau, versprechen ein Plus an Fahrdynamik und bis zu 2,5 Kilometer im rein elektrischen Betrieb. Von Leichtbau kann keine Rede sein: Der Strom wird in einem 100 Kilogramm schweren Nickel-Metallhydrid-Akku unter dem Kofferraum gebunkert. Dieses Gewicht über der Hinterachse fangen die BMW-Techniker mit einer strafferen Abstimmung auf. So fährt sich der Active­Hybrid nicht nur weniger komfortabel als seine Brüder, auch die Agilität leidet unter dem Mehrgewicht von 250 Kilo. Doch das ist Klagen auf höchstem Niveau: Mit der Systemleistung von 485 PS und 780 Newtonmetern wird der Sparer zum Sportler – nur 5,6 Sekunden vergehen, bis das teilelektrisierte SUV Tempo 100 erreicht. Schluss ist bei 236 km/h.

Fazit: Schluss ist auch mit der Biederkeit bei den Hybriden. Wo Toyota, Honda, Lexus und Mercedes auf sauberes Understatement setzen, gibt BMW Vollgas. Die Freude am Fahren wird ergänzt durch die Freude am Sparen. Zwar wird es kaum möglich sein, die versprochenen 9,9 Liter Verbrauch auf 100 Kilometer zu erreichen. Aber auch mit 11,5 Litern ist man in dieser Liga gut unterwegs. Und ein Statement ist der X6 ohnehin – egal ob als Hybrid oder Normalo.

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