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IAA 
Autobranche sieht sich selbst vor einer Revolution

Rolls-Royce: Der Autobauer zeigt das mehrere hunderttausend Euro teure Luxus-Cabrio Dawn.Keystone

Das Credo an der IAA ist einstimmig: Intelligente, vernetzte Autos, die mit ihrer Umwelt kommunizieren sind die Zukunft. Doch abseits des Schweinwerferlichts stehen viele existenzielle Fragen im Raum.

Veröffentlicht 16.09.2015

Ob Autos, die als Smartphone auf vier Rädern autonom zum Ziel fahren oder solche, die am Stauende selbst bremsen - an der Automesse IAA in Frankfurt sehen viele Branchenvertreter die Industrie am Beginn einer Revolution.

Es ist das übliche IAA-Ritual: Präsentationen und Spektakel im Viertelstunden-Takt zu dramatischer Musik wie im Hollywood-Blockbuster. Ein Appell an Gefühle, Ästhetik und Fahrfreude, gemäss welchem ein Auto mehr sein soll als nur ein Gegenstand aus Blech, Kunststoff und Glas.

So ruft Rolls-Royce-Chef Torsten Müller-Ötvös am Dienstag «Ist sie nicht schön?», nachdem der Vorhang den Blick freigegeben hat auf das mehrere hunderttausend Euro teure Luxus-Cabrio Dawn (Morgenröte). Bei Jaguar setzt man derweil eher auf Action, und fährt einen Looping - wie auf einer Carrera-Bahn, nur mit einem echten Wagen.

Doch abseits von Scheinwerferlicht und glänzender Fassade stehen auf der IAA viele existenzielle Fragen im Raum. Werden die Leute auch morgen noch Autos kaufen? Oder ist die Zukunft ein unscheinbares und austauschbares Google-Mobil, das bei Bedarf fahrerlos vor der Tür steht und danach verschwindet, ohne dass man sich gross darüber Gedanken macht?

Mobilität statt Autos

Nur wenige hundert Meter vom Rolls-Royce-Luxus entfernt sagt Toyota-Chef Karl Schlicht: «Wir bereiten uns auch auf eine Zukunft vor, in der wir eher Mobilität statt Autos verkaufen könnten.» Der Trend, dass der Autobesitz vor allem jüngeren Leuten weniger wichtig werde, sei da. Und Studien besagen, dass mit selbstfahrenden Autos deutlich weniger Fahrzeuge gebraucht werden dürften.

Doch in Frankfurt will die Branche demonstrieren: Was Konzerne wie Google können, können wir schon lange. So verspricht Daimler-Chef Dieter Zetsche, den Wettbewerb auf das Spielfeld des Internet-Riesen zu tragen. Neue Dienste durch Daten-Auswertung. Ein Auto, das selbst zum Arzt fährt, wenn das für den Besitzer nötig ist. Oder als selbstfahrendes Carsharing-Fahrzeug von sich aus vor der Tür steht, wenn es der Terminkalender verlangt.

Gegen Google und die anderen Internetkonzerne teilt Zetsche einen unverblümten Seitenhieb aus: «Kunden bezahlen unsere Produkte mit Geld, nicht mit persönlichen Daten. Anders als manche IT-Unternehmen sind wir deshalb nicht darauf angewiesen, aus den Daten Profit zu schlagen.»

Mögliche Partner

Bei Opel äussert man sich etwas zurückhaltender über die neuen Player aus dem Silicon Valley - man weiss ja nie, wessen Hilfe man noch braucht. «Die Welt verändert sich und wir wollen vorne mit dabei sein. Aber wir brauchen Partner, um das zu erreichen», sagt Opel-Chef Karl-Thomas Neumann.

Dass sich das Auto in den kommenden Jahren grundlegend verändern wird, gilt in den Messehallen als sicher. In der Vision des IAA-Veranstalters VDA wird das intelligente, vernetzte Auto schon bald mit seiner Umwelt und anderen Verkehrsteilnehmern kommunizieren: «Es kann selbstständig einparken, warnt frühzeitig vor Verkehrshindernissen, verhindert Unfälle.»

«In den kommenden fünf Jahren wird es mehr Veränderungen geben als in den vergangenen 50», ist GM-Chefin Mary Barra überzeugt. Für Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler steht fest, dass Autos, die keinen Fahrer mehr brauchen, die Strassen erobern werden. Schon 2025 könne das für mehr als ein Viertel aller Neuwagen gelten: «Je mehr selbstfahrende Autos im Strassenbild sichtbar sind, desto mehr wird diese Technik nachgefragt werden.»

(sda/ccr)

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