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Weiterbildung 
Am digitalen Campus zum Mastertitel

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Online-MBA: Im Gegensatz zum Präsenz-Studium fehlt zuhause der Netzwerkfaktor.  Pexel

Wer seiner Karriere mehr Antrieb geben will, ohne im Beruf aussetzen zu müssen, wählt einen Online-MBA. Dabei spielt die Wahl der Hochschule eine wichtige Rolle. Doch es gibt auch Nachteile.

Von Cynthia Castritius und Maren Meyer
26.01.2016

Dass Lucile Falguieres in ihrer Laufbahn einen MBA machen würde, war geplant. Als Associate ­Director für Sales und Marketing im Hotel Fairmont Le Montreux Palace hat sie einen «120-Prozent-Job». Dennoch will sie sich nebenher weiterbilden, um sich auf den neusten Stand der Trends zu bringen und ihr Wissen zu erweitern. «Ich bin ein Karrieremensch und möchte meinen Job nicht für einen klassischen MBA verlassen», sagt die 31-jährige Französin. Das flexible Online-Studium schien ihr eine gute Alternative.

Der Master of Business Administration, kurz MBA genannt, ist eine beliebte Zusatzqualifikation, die vornehmlich nach einem regulären Studium und einigen Jahren Berufserfahrung erworben wird. Der Titel richtet sich vor allem an Hochschulabsolventen, die kein wirtschaftswissenschaftliches Studium absolviert haben und sich während eines Teilzeitpensums oder zwischen zwei Jobs weiterbilden wollen.

Grosse Auswahl

Laut dem Berufs­informationszentrum (BIZ) gibt es weltweit über 2000 MBA-Anbieter – 20 davon in der Schweiz. Wer in seinem Job nicht aussetzen will, während er sich nebenher weiterbildet, wählt das Fernstudium am PC, den Online-MBA.

Nach einer zehnjährigen Karriere bei Fairmont Hotels & Resorts sah sich Falguieres nach einem Online-MBA um. Wichtige Kriterien waren das Renom­mée der Institution und die offizielle Anerkennung des Studienganges. Ihre Wahl fiel auf das Glion Institute of Higher Edu­cation in Glion-sur-Montreux, da sie an der Privatschule bereits ein BBA-Studium absolviert hatte.

Schwierige Balance

Seit Oktober 2015 ist sie in «MBA in International Hospi­tality & Service Industries Management» eingeschrieben – dem einzigen anerkannten Online-MBA im Bereich Hotellerie. Dass ein Studium, das sich komplett im Internet abspielt, nicht leicht ist, war ihr klar: «Meine Wochen und Wochenenden sind genau durchgeplant, anders geht es nicht.» Mit Job und Studium kommt sie auf rund 60 Arbeitsstunden pro Woche.

Die grösste Herausforderung sei, über einen längeren Zeitraum motiviert zu bleiben. Manchmal vermisse sie den Austausch von Angesicht zu Angesicht mit den Kommilitonen. Dafür hat Falguieres ihre eigene Lösung: «Um diesen aktiven Lernstil zu erhalten, treffe ich mich gerne mit einer Gruppe von Freunden, um mich über das Gelernte auszutauschen.»

Nur Top-Schulen bringen das gewünschte Resultat

Dass ein MBA-Abschluss nicht automatisch den beruflichen Erfolg fördert, weiss Sabine Kohler. Seit zwei Jahren ist sie Beraterin beim Executive Search Consultant Dr. Bjørn Johansson Associates. Rund 90 Prozent der Führungskräfte, die durch den Headhunter vermittelt werden, haben einen MBA-Titel oder einen Master in BWL. «Wer einen MBA macht, wird nicht automatisch CEO, aber wer CEO werden will, muss einen MBA haben», sagt Kohler.

Aus Erfahrung weiss sie, dass das Renommée der Universität ausschlaggebend ist für den Profit, den der Absolvent aus dieser Zusatzqualifikation ziehen kann. In der Schweiz zählen zu diesen Universitäten die private Wirtschaftshochschule IMD Lausanne, die Universität St. Gallen, das Iimt in Freiburg und die Private Hochschule Wirtschaft in Bern. Laut der Studie «MBA-Trends 2015/2016» des Staufenbiel Instituts in Köln geniessen all diese MBA-Angebote internationales Renommée: 68 Prozent der Studenten der HSG kommen aus dem Ausland, am IMD Lausanne sind es sogar 97 Prozent.

Der Netzwerkfaktor

Doch einen Online-MBA bieten diese Institutionen nicht. Aus gutem Grund: Als entscheidenden Faktor eines Präsenz-MBA sieht HSG-Alumni-Präsident Urs Landolf nach wie vor das physische Erlebnis auf dem Campus: «Wir legen viel Wert auf den Community-Faktor und das Bonding, das durch das Campuserlebnis entsteht.» Ein Zusammengehörigkeitsgefühl entstehe nicht durch rein virtuellen Austausch, so Landolf.

Wer aus finanziellen oder geografischen Gründen nicht in der Lage ist, einen klassischen MBA an einer renommierten Hochschule zu absolvieren, für den ist laut Landolf ein Online-MBA eine valable Alternative. Als Mitglied der Weiterbildungskommission der Hochschule St. Gallen ist er der Erweiterung eines digitalen Lernangebots im Grunde nicht abgeneigt. «An der Digitalisierung kommt niemand vorbei.» Die HSG konzentriere sich dabei auf digitale Learning Experiences als Komponente klassischer Studiengänge. Dennoch meint er: «Dass die HSG in naher Zukunft einen Online-MBA einführt, ist eher unwahrscheinlich.»

Im Ausland fündig werden

Wer einen Online-MBA sucht, wird in der Schweiz neben dem Glion Institute of Higher Education unter anderem bei der Fernfachhochschule Schweiz oder dem Swiss Management Center fündig, die aber eine Präsenzzeit von 20 Prozent fordern.

Ein Blick in das aktuelle Ranking der «Financial Times» zeigt, dass sich die besten Institute, die einen Online-MBA anbieten, mehrheitlich in Grossbritannien und den USA befinden. Vor der Warwick Business School, der University of Florida oder der Durham University rangiert jedoch die IE Business School in Spanien auf Platz eins. Allgemein liegen die Studiengebühren hier zwischen 30'000 und 80'400 Franken pro Studiengang und -dauer.

Hohe Eigendisziplin

Um in seiner heutigen Position arbeiten zu können, machte Thomas Mertens einen Online-MBA. Der damals 47-Jährige ist als Projektleiter für Grossprojekte im Personenverkehr in Zürich und Biel bei den SBB stark in den Joballtag ein­gebunden. Seit elf Jahren arbeitet der Deutsche in der Schweiz, sieben davon bei den SBB. Als er 2011 den Schritt zur Weiterbildung machte, konnte er unmöglich eine Hochschule aufsuchen, die nach klassischen MBA-Anforderungen einen hohen Präsenzanteil verlangte. «Mir ging es um eine zusätzliche Qualifikation mit anerkanntem Hochschulabschluss.»

Nach etwas Eigenrecherche entschied er sich für die Middlesex University in ­London. Die Hochschule ist in britischen Rankings der besten Anbieter von Online-Programmen für Master in Business Management gelistet. Für Mertens ausschlaggebend war auch, dass sie in Partnerschaft mit der österreichischen KMU Akademie & Management die Lernmodule in deutscher Sprache anbietet und die Abschlussprüfungen auf Deutsch durchgeführt werden. «Man braucht ­natürlich hohe Eigendisziplin. Aber der Online-Campus bot mir maximale Flexibilität, ohne mich beruflich einzuschränken», sagt Mertens.

Dazu bringt ein Online-Studium finanzielle Vorteile, da die Kosten im Vergleich zum klassischen Studium geringer ausfallen. Inhaltlich würden jedoch die gleichen Ansprüche gestellt wie beim Präsenzstudium.

Executive MBA für Führungskräfte

Was für Mertens eine perfekte Lösung war, um Job, Weiterbildung und Privatleben optimal zu kombinieren, kam für Yamin Gröninger nie in Frage. Für sie, Associate Director im Sektor Business Development Lead for Insurance bei Ernst & Young, war ein Executive MBA an einer internationalen, renommierten Business School die einzige Option. Im Vergleich zu einem MBA muss der Kandidat für die Teilnahme am EMBA fünf bis zehn Jahre Führungserfahrung vorweisen.

Gröninger absolvierte ihr EMBA-Studium am Insead im französischen Fontainebleau. «MBA-Studenten, die beruflich in Leadership einsteigen oder die Entrepreneur-Laufbahn beschreiten wollen, werden durch den Executive MBA zur kritischen Selbstreflexion angehalten», sagt sie. Auswirkungen auf den Lohn habe die Zusatzqualifikation bereits nach ein bis zwei Jahren. «Wer allein auf einen Lerneffekt aus ist, der kann das durch das Lesen von Büchern oder Online-Angebote abdecken. Der wichtigste Zweck eines Executive MBA ist nun mal das Networking.» Aus vielen ihrer Kommilitonen seien berufliche Partner geworden.

Undurchsichtiger Titel

Detlev Kran berät mit seiner Firma Education Consult Hochschulen in ihrem Qualitäts- und Akkreditierungsmanagement und gibt auf Mba-guide.de aktuelle Zahlen zur Lage des MBA in Deutschland heraus – auch die Schweizer Angebote sind ihm bekannt.

Im Vergleich zu Deutschland sei die Lage in der Schweiz etwas undurchsichtig, da sich jede private Hochschule den MBA-Titel auf die Fahne schreiben könne. «Das macht die Qualitätskontrolle intransparent und schwierig», sagt Kran. Seiner Erfahrung nach seien hohe Studiengebühren kein zwingender Indikator für die Qualität eines Studiums. «Man sollte sich über den Ruf der Universität informieren, sich die ­Modulbeschreibung ansehen.» Anerkannte Akkreditierungen seien genauso wichtig wie eine gute Betreuung der ­Studierenden.

Für Lucile Falguieres lohnt sich das Online-Studium jetzt schon. In den letzten vier Monaten habe sie viel gelernt. Beruflich sei sie in ihrer jetzigen Situation zwar zufrieden, sie ist sich aber sicher, dass das gewonnene Wissen und die zusätzlichen Fähigkeiten zu ihrer weiteren Karriere beitragen werden.

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