Ein Halsband zum Erinnern, ein Roboter als Koffer und ein Schuh, der Hilfe ruft: Technikhersteller zeigen an der CES wieder ihre neuesten Erfindungen. Manche erscheinen etwas skurril.
Benedikt Fuest,
Thomas Heuzeroth
Der intelligente Rollkoffer: Der ยซTravelmateยป ist einer der Attraktionen an der CES 2018. Travelmate Robotics
Mehr als 20โ000 Neuheiten prรคsentierten Hersteller auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas. Einige davon werden es nie in die Geschรคfte schaffen, weil sie schlichtweg nur absurd sind. Doch viele von ihnen zeigen erstaunlichen Erfindergeist.
Manchmal hilft es, der Erinnerung auf die Sprรผnge zu helfen. Genau das bezweckt das sรผdkoreanische Unternehmen Linkflow mit seinem Halsreifen Fitt360. Der Reifen ist nach vorn offen und hat drei HD-Kameras eingebaut. Zwei von ihnen filmen nach hinten, eine filmt nach vorn. Das Video wird dann fรผr eine 360-Grad-Betrachtung automatisch zusammengesetzt.
Mit dem ยซFitt360ยป von Linkflow kรถnnen die Nutzer 360-Grad-Videos erstellen.Linkflow
Mit dem ยซFitt360ยป von Linkflow kรถnnen die Nutzer 360-Grad-Videos erstellen.Linkflow
Ein intelligenter Halsreifen
Das Ergebnis kann mit einer VR-Brille betrachtet werden. Viel einstellen lรคsst sich an dem Halsreifen nicht. Es gibt drei Knรถpfe und einen Slider fรผr das Anschalten, die Aufnahme, den Batterie-Check und die Verbindung per Bluetooth oder WLAN zum Smartphone. Fitt360 kann Videos mit einer Lรคnge von maximal 90 Minuten aufnehmen. Das Bild wird dabei stabilisiert, damit es nicht allzu sehr wackelt.
Damit der Nutzer weiss, wo er die Aufnahme gemacht hat, ist auch eine GPS-Satellitenortung eingebaut. Das Projekt ist aus Samsungs Creative Lab hervorgegangen, dem internen Accelerator-Programm. Inzwischen ist Linkflow aber ein eigenstรคndiges Unternehmen. Zum Preis hat Linkflow noch keine Angaben gemacht.
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Ein modernes ยซChatzetรถriยป
Warum sollte Technologie nicht auch Erste-Welt-Probleme lรถsen? Petwalk dรผrfte in diese Kategorie gehรถren. Die Tรผr in der Tรผr โ oder in der Wand โ รถffnet sich wie durch Geisterhand, wenn sich ein Haustier ihr nรคhert. Das kann ein Hund oder eine Katze sein.
Petwalk
Petwalk
Die einfachste Lรถsung: Man befestigt einen kleinen drahtlosen Chip am Halsband des Tieres, damit das System es auch erkennt und nicht einfach jedes Tier hineinlรคsst. Ein solcher Chip kann natรผrlich auch transplantiert werden. Nach Angaben des รถsterreichischen Herstellers ist die vernetzte Haustiertรผr abgesichert gegen Einbrecher und das Eindringen von Kรคlte. Im Unterschied zu anderen Tierklappen รถffnet ein kleiner Motor die Tรผr, das Tier muss sich also nicht dagegenstemmen.
Da die Mini-Tรผr vernetzt ist, lรคsst sich einiges einstellen. So kann das Tier nur zu bestimmten Zeiten ein- oder austreten. Oder es darf nur hinein, nicht aber mehr hinaus. Ein optionaler Regensensor kรถnnte die Tรผr auch verschlossen halten, wenn der Tierbesitzer keinen Dreck im Hausflur wรผnscht. Je nach Verblendung und Zubehรถr wie Regensensoren kostet ein Petwalk etwa 2000 Euro.
Ein Kofferroboter fรผr lange Reisen
Dass ein Roboter nicht unbedingt aussehen muss wie ein Roboter, zeigt Travelmate Robotics. Das Unternehmen aus San Francisco hat einen Koffer gebaut, der im Grunde ein Roboter ist. Travelmate folgt seinem Besitzer auf Schritt und Tritt. Im Grunde ist Travelmate wie ein autonomes Auto, nur eben als Koffer. Seine Sensoren sollen dafรผr sorgen, dass er nirgendwo Hindernisse umfรคhrt. Mit einer Batterieladung kann Travelmate vier Stunden lang fahren. Der Nutzer muss den Koffer mit einer Smartphone-App verbinden und kann dort auch den Standort des Koffers sehen, weil er einen GPS-Chip fรผr die Satellitenortung eingebaut hat. Ausserdem ist er mit dem Mobilfunknetz verbunden. Nutzer kรถnnen den Travelmate auch per Sprache und Gesten steuern.
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Der smarte Koffer besitzt eine ausgetรผftelte Bereifung.Tavelmate_Robotics
Der smarte Koffer besitzt eine ausgetรผftelte Bereifung.Tavelmate_Robotics
Fรคhrt der Koffer in eine Kurve, blinkt er mit seinen LEDs. Die maximale Geschwindigkeit betrรคgt gut zehn Stundenkilometer. Eine eingebaute Waage gibt das Gewicht des Gepรคckstรผcks an. Mit seiner eingebauten Batterie kรถnnen auch andere Gerรคte wie Smartphones geladen werden. Nach Angaben des Herstellers wird der Travelmate dank maschinellem Lernen immer cleverer. Sollte er einmal seine Orientierung verlieren, sperren sich seine Rollen, sodass er auch nicht von Fremden weggeschoben werden kann, was allerdings ein Wegtragen nicht verhindert.
Die Entwickler von Travelmate Robotics wollen ihren Koffer, den es in drei Grรถssen gibt, noch weiterentwickeln. So soll ein digitaler Sprachassistent eingebaut werden, sodass der Koffer auch ein Hotelzimmer buchen oder ein Restauranttisch reservieren kann. Travelmate soll auch fรผr andere Entwickler geรถffnet werden. Neue Funktionen kรถnnen dann รผber einen eigenen App-Store nachgerรผstet werden. รber die Plattform Indiegogo kann der kleinste Travelmate S fรผr 1100 Dollar reserviert werden. Ausgeliefert werden soll er im Februar.
Airbags gegen den Hรผftbruch
Stรผrze auf die Hรผfte kรถnnen fรผr alte Menschen tรถdlich sein. Ein Hรผftbruch bedeutet lang andauernde Immobilitรคt und damit den unwiederbringlichen Verfall der Kondition, auch holen sich viele Sturzopfer im hohen Alter im Krankenhaus Folgeinfektionen mit multiresistenten Krankenhauskeimen ab.
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Die franzรถsische Firma Helite hat deswegen einen neuen Airbaggรผrtel fรผr sturzgefรคhrdete Senioren entwickelt, der die Hรผfte bei einem Sturz mit Luftkissen schรผtzt. Der Gรผrtel HipโAir, der aussieht wie ein Fannypack-Vorratsgรผrtel fรผr Marathonlรคufer, enthรคlt neben doppelten grellneongelben Luftkissen und einer CO2-Patrone jede Menge Sensortechnik, die Stรผrze innerhalb von 0,2 Sekunden erkennen und den Airbag auslรถsen soll.
Diese Airbags sollen die Hรผften bei einem Sturz schรผtzen.Helite
Diese Airbags sollen die Hรผften bei einem Sturz schรผtzen.Helite
Die wiederaufladbare Batterie des Gรผrtels hรคlt eine Woche. Helite ist kein kleines Startup โ die Firma verdient seit รผber zehn Jahren bereits gut im Geschรคft mit Lawinen-Airbags fรผr Skifahrer. Deswegen kann man die Ankรผndigung, dass der Gรผrtel fertigentwickelt ist und im Frรผhjahr fรผr 600 Euro auf den Markt kommt, durchaus ernst nehmen.
Eine Brille zum Telefonieren
Vuzix Corporation will sich offenbar nicht von Google entmutigen lassen. Obwohl der Internetkonzern mit seiner Datenbrille Google Glass krachend gescheitert ist, legt Vuzix mit seiner Blade einen รคhnlichen Versuch vor. Die Brille sieht aus wie eine sehr markante Sonnenbrille, hat aber einiges an Technik eingebaut, darunter eine HD-Kamera, Mikrofone mit Gerรคuschunterdrรผckung und an der Seite ein kleines Touchpad eingebaut.
รber Bluetooth wird die Brille mit dem Smartphone verbunden, was sowohl mit Android-Gerรคten als auch mit dem iPhone funktioniert. Nutzer bekommen dann auf das Glas Informationen angezeigt. Das kann beispielsweise eine Navigation oder auch Wettervorhersagen und Bรถrsenkurse sein. Dabei muss das Smartphone in der Nรคhe sein, kann sich aber auch in der Tasche befinden.
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Nicht so schick wie Googles alte Datenbrille: die ยซVuzix Bladeยป von Vuzix.Vuzix
Nicht so schick wie Googles alte Datenbrille: die ยซVuzix Bladeยป von Vuzix.Vuzix
Auch ein Anruf wird mit Namen angezeigt, wenn er sich im Adressbuch befindet. Nutzer kรถnnen mit der Brille die Gesprรคche sogar annehmen. Der Hersteller erlaubt auch externen Entwicklern den Zugriff auf die Blade, sodass noch einige Funktionen hinzukommen kรถnnten. Den Preis hat Vuzix noch nicht genannt. Die ersten Brillen sollen noch im ersten Quartal ausgeliefert werden.
Schuh ruft Hilfe
Warum sollte ein Schuh nicht Hilfe rufen kรถnnen, wenn sein Trรคger stolpert und hinfรคllt. Das dachte sich auch das franzรถsische Unternehmen eVone, eine Tochter des Schuhherstellers Parade. Die Sohlen der eVone-Schuhe stecken voller Elektronik und Sensoren, darunter ein Chip fรผr die GPS-Satellitenortung, ein Bewegungssensor und ein Gyroskop.
Sollte der Schuhtrรคger fallen, erfassen die Sensoren den Notfall und schicken eine Nachricht รผber ein Schmalbandnetz an das eVone-Callcenter. Von dort werden dann Personen benachrichtigt, die der Schuhtrรคger vorher festgelegt hat. Als Zielgruppe hat eVone vor allem รคltere Menschen, Arbeiter und Personen ausgemacht, die allein Wandern gehen. Die ersten Schuhe sollen in diesem Jahr verkauft werden, derzeit sind nach Angaben des Unternehmens 26 normale Modelle und drei bis vier Sicherheitsschuhe in Planung.
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Die Batterie des Schuhs hรคlt sechs Monate und kann gewechselt werden. eVone plant zwei Tarife. Kauft der Nutzer den Schuh fรผr 100 bis 120 Euro, zahlt er fรผr den Service monatlich 20 Euro. Alternativ zahlt der Nutzer 30 Euro und bekommt alle zwรถlf Monate ein neues Modell. Von aussen sieht der Schuh ganz normal aus und ist nicht als Hightech-Schuh zu erkennen.
Soll merken, wenn der Besitzer fรคllt: der smarte Schuh von eVone.Keystone
Soll merken, wenn der Besitzer fรคllt: der smarte Schuh von eVone.Keystone
Motorradhelm fรผr sicheres Fahren
Die Ankรผndigungen des Motorradhelm-Startups Skully Technologies sollten mit Vorsicht betrachtet werden. Das Crowdfunding-Unternehmen musste bereits einmal Insolvenz anmelden, 3000 Mikroinvestoren mussten ihr Geld vorerst abschreiben. Doch nun haben neue Investoren die Technologie aufgekauft und den Skully-Helm fertigentwickelt.
Er soll mit einem integrierten Minidisplay im Sichtfeld des Motorradfahrers fรผr mehr Sicherheit beim Fahren sorgen. Das Display zeigt per Pfeilsymbol Navigationsanweisungen und blendet Bilder einer 180-Grad-Rรผckfahrkamera ein. So sollen Motorradfahrer ihre Augen auf die Strasse gerichtet lassen, anstatt in Rรผckspiegel oder auf Navigationsgerรคte zu blicken.
Der integrierte Akku hรคlt sechs Stunden und lรคsst sich wรคhrend der Fahrt laden. Auf der CES zeigt Skully einen voll funktionsfรคhigen Helm, der rechtzeitig zur Motorradsaison 2018 auf den Markt kommen soll. Eine Sicherheitszertifizierung der US-Verkehrsbehรถrde DOT hat der Helm bereits. Also kรถnnte der Marktstart diesmal klappen. Dann will Skully auch die Investoren der ersten Runde besรคnftigen und ihnen mit zwei Jahren Verspรคtung ihre Helme nachliefern.
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Ein Fahrradlicht mit Notruf
ยซCosmoยป heisst ein neues intelligentes Zweiradlicht, dass sowohl am Helm eines Motorradfahrers als auch am Gepรคcktrรคger eines Fahrrads befestigt werden kann. Das Cosmo-Licht misst mit Bewegungssensoren, ob der Fahrer bremst. Dann leuchtet es wie ein Bremslicht hellrot auf. Dieselben Sensoren sollen auch schwere Fahrrad- oder Motorradstรผrze erkennen.
Im Fall des Falles bekommt der Fahrer erst eine SMS mit der Frage: Sturz erkannt, alles okay? Antwortet der Fahrer nicht, wird er auf dem Smartphone angerufen. Erfolgt auch darauf keine Antwort, lรถst das Cosmo-Licht einen Notruf aus โ entweder an Familienmitglieder oder direkt an den Rettungsdienst. Ebenfalls integriert sind gelbe Blinker-Dioden, die per Fernbedienung vom Lenker gesteuert werden. Damit kรถnnen Fahrradfahrer auch im Dunkeln anzeigen, wenn sie abbiegen mรถchten.
Alternativ kann der Blinker auch automatisch vom Smartphone gesetzt werden, dazu koppelt Cosmo eine Smartphone-App mit Navigationsfunktion. Das smarte Licht soll fรผr 59 Euro im September auf den Markt kommen. Zudem hat Cosmo Partnerschaften mit Elektrofahrrad-Herstellern geschmiedet, die das Licht in Serie verbauen wollen. Interessant ist die Technologie vor allem fรผr schnelle Pedelecs, die bis zu 45 Stundenkilometer schnell fahren.
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Smarter Elektro-SUV
Die spektakulรคrste Prรคsentation vor dem Messestart lieferte das Elektroauto-Startup Byton ab. Die Grรผnder, ein Team von deutschen Top-Automanagern um den Ex-BMW-Manager Carsten Breitfeld, zeigen auf der CES erstmals ihre smarte Elektroauto-Plattform. Der Byton soll als erstes Elektro-SUV fรผr den Massenmarkt Teslas Model X klar unterbieten. 45.000 Dollar Basispreis kรผndigte Breitfeld an. Dafรผr gibt es ab 2019 ein Fahrzeug mit respektablen 400 Kilometer Reichweite und 272 PS.
Das Byton E-Auto ยซBetonยป.Keystone
Das Byton E-Auto ยซBetonยป.Keystone
Wer mehr will, kann 520 Kilometer Reichweite und 476 PS mit Allradantrieb ordern. Wie viel das Topmodell kosten wird, verrรคt Byton noch nicht. Die eigentliche Innovation steckt im Cockpit: Dort will Byton ein spektakulรคr grosses 130-Zentimeter-Display รผber die ganze Fahrzeugbreite verbauen. Wenn der Byton wie angekรผndigt ab 2020 auf der Autobahn autonom fรคhrt, kรถnnen die Passagiere auf dem Display Filme gucken oder Bรผroarbeit erledigen. Dabei soll das Fahrzeug per Innenraumkamera die Bedรผrfnisse seiner Fahrer erkennen und dessen Prรคferenzen lernen.
Finanzkrรคftige Investoren
Die Fahrzeug-Software soll auch mit smarten Gerรคten des Fahrers gekoppelt werden, etwa via Smartwatch dessen Herzfrequenz interpretieren. Bei der Prรคsentation blieb manches bewusst vage, auch durfte sich niemand in die drei Prototypen hineinsetzen โ noch ist Byton weit von der Serie entfernt. Andererseits hat Byton mit den chinesischen Technologieriesen Tencent und Foxconn finanzkrรคftige Investoren mit Durchhaltevermรถgen.
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In China soll das Byton-SUV auch gebaut werden, zudem planen Breitfeld und Kollegen auf derselben Fahrzeugplattform weitere Fahrzeuge. Dazu aber mรผssen sie erst einmal eine Serienproduktion in China auf die Beine stellen โ im Autogeschรคft die schwierigste Aufgabe.