Beim einzigen Schweizer Baukonzern mit internationalem Anspruch geht eine Ära zu Ende: Anton Affentranger, der 2006 aus Batigroup und Zschokke die ­Implenia formte, tritt Ende September als CEO ab – auf eigenen Wunsch, aber mit Nebengeräuschen.

Wie mehrere Quellen bestätigen, ist das Verhältnis zwischen Affentranger und dem Verwaltungsratspräsidenten Hans-Ulrich Meister zerrüttet. Die Rede ist von tiefer Entfremdung: Die beiden sprechen noch miteinander, haben sich aber nichts mehr zu sagen.

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Affentranger holte Meister

Dabei ist die Konstellation brisant. Affentranger war über viele Jahre der starke Mann bei Im­plenia, führte die Firma beinahe wie ein Eigentümer. Als 2015 der damalige Verwaltungsratspräsident Hubert Achermann die Absetzung Affentrangers plante, setzte sich der CEO, gemeinsam mit Grossaktionär Max Rössler, durch – Achermann ging, Affentranger blieb. Er war es dann, der Meister als Präsidenten zu Implenia holte und dem gefallenen Starbanker der Credit Suisse dessen bis heute einziges Mandat verschaffte.

Doch obwohl Meister von dieser Machtfülle Affentrangers profitierte, brachen bald Gräben zwischen den beiden Alphatieren auf. Von Meisters Seite heisst es, dieser habe das Machtzentrum der Gesellschaft wieder in den Verwaltungsrat holen wollen. Affentranger-Getreue sagen, Hans-Ulrich Meister interessiere sich kaum fürs Baugeschäft oder die Belange des Managements, sondern halte vor allem nach weiteren Mandaten Ausschau. Schon grundsätzlich sind der aske­tische Marathonläufer Affentranger und der joviale Meister gegensätzliche Charaktere.

Differenzen bei der Nachfolgesuche

Zum Showdown muss es zu Beginn dieses Jahres gekommen sein. Affentranger hatte im Frühjahr 2016 angekündigt, noch etwa zwei Jahre als CEO amtieren zu wollen, und plädierte öffentlich für eine interne Lösung für die Nachfolge. Insidern zufolge hatte er eine Kandidatenliste, auch mit externen Namen, vorgelegt. Meister setzte jedoch auf einen Headhunter.

Als Favoriten Affentrangers galten angeblich der junge Deutsche und HSG-Absolvent Jens Vollmar sowie der Schweizer André Métral. Die Vorschläge seien aber nur «zur Kenntnis genommen worden», so ein Insider. Der Verwaltungsrat habe klar externe Kan­didaten gewollt, wohl um keinen Gefolgsmann Affentrangers als Konzernchef zu installieren. Für diesen dürfte es hart gewesen sein, in der entscheidenden Phase des Auswahlprozesses nicht involviert zu sein.

Weder Berater noch VR-Mitglied

Wie tief der Graben ist, zeigt die Berufung eines externen Sprechers für den Implenia-VR zur Kommu­nikation des CEO-Wechsels: His Meister’s Voice ist kein Implenia-Mitarbeiter, sondern ein Partner der PR-Firma Farner. Affentranger wird weder als Berater noch als Ver­waltungsrat bei Implenia, seinem Lebenswerk, an Bord bleiben.

Sein Nachfolger, Ex-Novartis-Topmanager André Wyss, hat genau wie Präsident Meister keine Erfahrung in der Baubranche. Branchenbeobachter sehen das als Risiko – und sind gespannt, wie dieses Duo Implenia künftig steuern wird.

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