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Unsicherheit

Trump und die Autowelt: Eine Branche übt Selbsttherapie

Beim Treffen in Detroit spricht sich die Autowelt vor der Ära von Donald Trump Mut zu. Doch die Verunsicherung ist gross. Wie ein Damokles-Schwert hängt der Trump-Faktor über der Branche.

11.01.2017
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Beim Treffen in Detroit macht sich die Autowelt Mut vor der Trump-Ära. So schlimm werde es schon nicht kommen, so der Tenor. Doch die Verunsicherung ist gross.

Ford schafft 700 neue Arbeitsplätze, Fiat Chrysler 2000 - fast könnte man meinen, die grossen Autobauer wollten dem neuen US-Präsidenten einen besonders warmen Empfang bereiten. Donald Trump hat ein Jobwunder versprochen, nun parieren die Unternehmen artig - so hat es den Anschein.

Mit Wohlwollen gegenüber der neuen Regierung muss das Entgegenkommen jedoch nichts zu tun haben. Denn der republikanische Rechtspopulist geht nicht mit Klingelbeutel von Tür zu Tür - er setzt die Konzerne mit der Androhung von hohen Strafzöllen auf US-Importe massiv unter Druck. Die Verunsicherung ist gross.

Bedenken gegenüber Trump

So gleicht das Verhältnis der Autobauer zu Trump zum Auftakt der wichtigsten US-Automesse dem Wetter. In Detroit herrscht Eiszeit mit bis zu zweistelligen Minusgraden. Die Bedenken gegenüber dem designierten US-Präsidenten überschatten das traditionelle Schaulaufen der Hersteller zum Auftakt des Autojahres.

Dass die Stimmung diesmal gedämpft ist, liegt zwar auch daran, dass die kurz vorher stattfindende Technikmesse CES in Las Vegas dem Event immer mehr den Rang abläuft. Doch der Trump-Faktor hängt wie ein Damokles-Schwert über der Branche.

Dabei sah es zuletzt gut aus. Der Absatz brummt, die boomende Nachfrage hat den Herstellern 2016 einen erneuten Verkaufsrekord auf dem US-Markt beschert.

Eigentlich könnten sich die Autobauer beim Branchentreffen in der krisenerprobten US-Industriemetropole auf die Schultern klopfen - trotzdem ist keinem zum Feiern zumute, denn mit dem Regierungswechsel zieht Ungewissheit auf.

Demonstration von Gelassenheit

In Detroit bemühen sich die Grössen der Industrie, Gelassenheit zu demonstrieren. «Wir sind zwei Wochen vor der Inauguration, insofern würde ich sagen, befinden wir uns im wesentlichen noch im Reich der Spekulation», sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche am Vorabend der North American International Auto Show. «Deswegen würde ich eigentlich gerne tatsächliche Entscheidungen abwarten.» Was würde es bedeuten, wenn Strafzölle kommen würden? «Ich erwarte es nicht.»

Andere Branchen-Insider äussern sich ähnlich. «Trump wird einsehen müssen, dass nicht alles, was er sagt, umgesetzt werden kann», sagt Sandy Schwartz, Chef des US-Autohandelsriesen Cox Automotive. Früher oder später werde der Immobilienmogul die Realität anerkennen. «Ich gehe nicht davon aus, dass wir eine seismische Verschiebung erleben werden.» Doch hinter vorgehaltener Hand räumen viele Analysten ein, dass die Lage durchaus prekär ist.

Branche vor den Kopf gestossen

Mit heftiger Kritik an Globalisierung und Freihandel hat Trump die Branche vor den Kopf gestossen. Oft reichten ihm dafür 140 Zeichen bei Twitter. In der letzten Woche attackierte Trump zuerst US-Marktführer General Motors (GM) und dann den weltgrössten Autobauer Toyota für geplante Investitionen im benachbarten Niedriglohnland Mexiko. Die Aktionen sorgten für Wirbel, sogar die japanische Regierung schaltete sich ein, um Toyota in Schutz zu nehmen.

Am Sonntag kündigte der italienisch-amerikanische Autokonzern Fiat Chrysler an, eine Milliarde Dollar in zwei bestehende Werke in den USA zu stecken. Nur wenige Tage vorher hatte Ford nach andauernder Kritik von Trump verkündet, Pläne für eine 1,6 Milliarden Dollar teure Fabrik in Mexiko zu streichen und stattdessen 700 Millionen Dollar in den USA zu investieren. Insgesamt sollen die Initiativen von Ford und Fiat Chrysler rund 2700 neue US-Jobs schaffen.

Beide Unternehmen bestritten, dass Trump dabei eine Rolle gespielt hat. Fiat Chrysler-Chef Sergio Marchionne sagte am Montag in Detroit, es sei Zufall gewesen, dass die Entscheidung zeitlich mit Trumps Tweets zusammengefallen sei. Der Beschluss sei lange vorher gefallen, es habe keine Gespräche mit Trump oder seinem Team gegeben. Marchionne kündigte an, sich mit Trump arrangieren zu wollen: «Wir werden uns anpassen müssen, uns bleibt nichts anderes übrig.»

Trumps einstige innige Beziehung

Das Verhältnis zwischen dem New Yorker Immobilien-Tycoon und der Autobranche war nicht immer so angespannt. Vor gut 30 Jahren pflegte Trump sogar eine innige Beziehung - insbesondere zur GM-Konzerntochter Cadillac. Die gipfelte 1988 in der gemeinsamen Entwicklung zweier extravaganter Stretch-Limousinen. Mit feinsten italienischen Lederbezügen und Palisanderholzarmaturen sollten die «Cadillac Trump Series» damals den Standard setzen, was Ultraluxus angeht. Trump hatte schon zuvor nie einen Hehl aus seinem Faible für die Kultmarke Cadillac gemacht.

Auch dieser Tage könnte er sich für Detroit durchaus noch zum Hoffnungsträger entwickeln. Einerseits bedroht Trumps Hang zum Protektionismus zwar die Geschäfte der dort ansässigen US-Hersteller wie GM oder Ford. Andererseits aber hat er der Autostadt frei nach seinem Motto «Amerika zuerst» ein fulminantes Comeback versprochen. Mit Konjunkturpaketen und Steuerreformen will Trump der US-Wirtschaft zu einem neuen Boom verhelfen, von dem auch die Autoindustrie profitieren soll.

(sda/ccr)


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