20.01.2012 | 19:22
Exklusiv
Von:
Christian Bütikofer
 

Raubkopien: Die Spur von Megaupload.com führt nach Zug

Die US-Justiz hat den Filesharing-Dienst Megaupload.com geschlossen. Einer der Hintermänner von Megaupload tummelte sich auch im Adressbuchschwindel-Geschäft. Er ist in der Computerszene eine feste Grösse und hatte Verbindungen in die Schweiz.

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Der Deutsche Mathias Ortmann (40) gilt als Computercrack und ist seit Jahren einer der engsten Vertrauten vom Kim Schmitz, dem Gründer von Megaupload.com.

Gestern Abend wurde bekannt, dass Megaupload.com von den Justizbehörden geschlossen wurde. Der zentrale Vorwurf: Massenhafte Verbreitung von illegal zugänglich gemachten Inhalten (Software, Musikdateien), 500 Millionen Dollar Schaden, 175 Millionen Dollar Profit.

Sprösslinge aus bestem Hause

Dabei nahmen die Behörden mehrere Personen fest - darunter Kim Schmitz und engste Vertraute, die seit Jahren zu ihm halten, ihn zum Teil seit seiner Jugendzeit kennen. Das Nachrichtenportal Torrentfreaks.com veröffentlichte die Liste der Beschuldigten. Darunter befinden sich die Deutschen Finn Batato (38), Sven Echternach (39) und Mathias Ortmann.

Einige der Beschuldigten kommen aus bestem Hause. So ist einer der Sohn eines Ex-CDU-Landesvorsitzenden, der Vater einer anderen Person arbeitet seit Jahren in leitender Stellung für das renommierte Goethe Institut.

Intelligent Media: Basis für Adressbuchschwindel

Mathias «Scuz» Ortmann erschuf sich in seinen Jugendjahren in der deutschen Hackerszene einigen Respekt. Er war es etwa, der einen Software-Emulator «UAE» des in den 80er-Jahren äusserst beliebten Heimcomputers «Amiga» auf die Windows-Plattform portierte. Seine Affinität zu Computern bestand schon früh. Es war darum nur folgerichtig, dass er am Institut für Informatik an der Technischen Universität München studierte.

Mathias Ortmanns Informatikwissen war auch anderen Personen aufgefallen. Er administrierte technische Belange der Zuger Intelligent Media AG und registrierte in Italien Webseiten für diese Gruppe, etwa für ein geplantes Online-Branchenbuch «Edizioni Online». Dazu gründete er in Bozen (Bolzano) im Südtirol die Firma «Edizioni Online SRL».

Für die Zuger Adressbuchschwindel-Firma Intelligent Media AG sass er im Verwaltungsrat. Adressbuchschwindel ist ein Millionengeschäft, mit dem jährlich tausende Firmen mit horrenden Beträgen, versteckt im Kleingedruckten der «Verträge», aufs Kreuz gelegt werden. Darauf hatte sich auch diese Gruppe aus dem Raum München und Ingolstadt mit der Intelligent Media AG spezialisiert. Das Schwindelgeschäft wurde europaweit betrieben.

Lukrative SMS-Abzocke

Auch mit teuren SMS-Nachrichten zockte die Gruppe der Intelligent Media AG in den frühen 2000er-Jahren ab. Ein Fall in Finnland zeigte, wie lukrativ die SMS-Masche war: In wenigen Tagen wurden mit verfänglichen Liebesbotschaften per SMS hunderttausende Franken generiert. Die Masche sorgte landesweit für Aufsehen und wurde ein Fall für Interpol Finnland. Für den Hauptverantwortlichen E. S. aus Ingolstadt setzte es eine Gefängnisstrafe ab. Die entsprechenden Dokumente liegen «Handelszeitung Online» vor.

SMS-Spammer E. von der Intelligent Media war auch an einem weiteren Geschäftsmodell von Kim Schmitz beteiligt, wie eine Informationsperson gegenüber «Handelszeitung Online» bestätigte. Mit «Künstlicher Intelligenz» (AI, Artificial Intelligence), also nur durch Softwareprogramme, sollten Kunden mit dem Produkt «Trendax» garantierte Börsengewinne erzielen.

Der ebenfalls beschuldigte Slowake Julius Bencko, der bisher nicht gefasst wurde, arbeitete auch im Umfeld der Intelligent Media AG. Bencko ist Teilhaber an Megaupload.com und erledigte dort unter anderem graphische Arbeiten.

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