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Das Schweizer Telefon-Netz

Das Ende des Swisscom-Monopols war der Startschuss zum Catch-as-catch-can auf dem Schweizer Telekommarkt. Hier die wichtigsten Fighter.

31.12.1999

Die Platzhirsche
Tony Reis ist der unumstrittene Platzhirsch: Der Swisscom-Chef ist alleine für mehr als die Hälfte des Schweizer Telekommarktes verantwortlich. Durch den Kauf von Debitel hat er jetzt auch in Deutschland 3,5 Millionen Kunden gewonnen. Sich im Zentrum Europas auszubreiten, um die Verluste auf dem Heimmarkt auszugleichen, lautet denn auch die Marschrichtung von Swisscom-Strategiechef Dominik Koechlin. Reis’ Vorgänger Felix Rosenberg, der noch auf Expansion in Asien gesetzt und so mehr als eine Milliarde Franken verlocht hatte, spielt im Unternehmen noch heute eine wichtige Rolle: Er vertritt den Staat als Mehrheitsaktionär im Verwaltungsrat. Ebenfalls aus der Monopolzeit herübergerettet hat sich Ascom-Chef Hans-Ulrich Schroeder. Doch im liberalisierten Umfeld hat der Telekomausrüster keine Chance, mit der Weltkonkurrenz auch nur annähernd mitzuhalten. Mit Powerline, dem geplanten Internetzugang über die Steckdose, gelang wenigstens ein guter PR-Gag. Wen stört es da, dass andere Unternehmen diesbezüglich schon viel weiter sind?

Die Herausforderer
Über 200 Telekomgesellschaften machen seit der Liberalisierung im Januar 1998 der Swisscom Konkurrenz. Den grössten Erfolg hat bisher Hans-Peter Aebi mit seiner Diax: Über 600 000 Kunden konnte er bis heute gewinnen. Sunrise-Chef Urs Fischer sieht man zwar nur selten in der Öffentlichkeit, dafür werkelt er hinter den Kulissen umso effektiver: Insbesondere bei den Grossunternehmen ist Sunrise der härteste Konkurrent der Swisscom. Rotschopf Andreas Wetter überraschte die Branche, als er Ende Juni allen Unkenrufen zum Trotz mit Orange auf Sendung ging und dank eines Roaming-Abkommens mit der Swisscom die Löcher im eigenen Mobilfunknetz stopfte. Mit im Orange-Boot sitzt auch Helmut Koechler: Der Schweizer Pager-König hatte sein Antennennetz in die Partnerschaft eingebracht. Auf Geschäftskunden spezialisiert haben sich Patrick Moser (MCI Worldcom) und Roger Gehrig (Colt): Sie bauen mit Millionenaufwand eigene Glasfasernetze in Zürich und Genf; Konkurrent Rolf Schurter (Multilink) buddelt zudem noch in Basel.

Auch die Sandozstiftung unter Pierre Landolt drückt: Kürzlich weihte sie Europas grösstes Datennetz ein. Den Ruf des Trendsetters in der Branche erwarb sich ein kleiner Lausanner Reseller: Econophone unter Samuel Gross führte als Erster Gratisinternet ein und zwang so die Grossen zum Nachziehen. Sein neuester Coup: Gross schenkt den Surfern während 99 Minuten pro Tag die Telefongebühren. Urs Loeliger vom Netzwerkanbieter Commcare fuhr schweres Geschütz auf: Er verklagte die Swisscom, die Interkonnektionsregeln auch für Datenleitungen anzuwenden. Hat er Erfolg, dürfte das die Swisscom mehrere Hundert Millionen Franken kosten.

Die Ausrüster
Dank den zahlreichen neuen Carriern haben die Ausrüster in der Schweiz volle Auftragsbücher. Zu Monopolzeiten profitierten davon besonders Peter Grüschow von Siemens Schweiz sowie die Alcatel unter Jean-Claude Vagnières. Jetzt stürmen neue Anbieter den Markt, allen voran Mark Helfenstein von Nortel Networks. Das Unternehmen konnte bereits einige Grossaufträge an Land ziehen, während Weltmarktführer Lucent unter Sigurt Schilling noch Mühe bekundet, in der Schweiz Fuss zu fassen. Von der Internetseite her drängt Cisco in den Ausrüstermarkt: Zusammen mit der Swisscom baut Länderchef Michael Ganser für einen dreistelligen Millionenbetrag ein Datennetz auf.

Die Gescheiterten
Pleiten, Pech und Pannen hatte Swatch Chef Nicolas G. Hayek im Telekom-markt. Ob Twinphone, Pager oder umetikettierte Nokia-Handys: Alles blieb wie Blei in den Regalen. Nächster Flopkandidat: Die seit langem angekündigte Handy-Uhr. Hans-Rudolf Wittmer (ehemals Diax) und Hans Ivanovitch (ehemals Sunrise), beides Vorreiter im Liberalisierungskampf, mussten ihre Sessel bereits wieder räumen: Der eine konnte sich nicht mit den Machtverhältnissen innerhalb des Unternehmens abfinden, der andere polterte zu laut, verpasste die Mobilfunklizenz und manövrierte Sunrise in ein Billigimage.

Die Regulierer
Politisch für die Telekomlandschaft verantwortlich ist das Bundesamt für Kommunikation. Dessen Direktor Marc Furrer kümmert sich aber bevorzugt um medienpolitische Fragen. Die starke Figur in Sachen Telekom ist Vizedirektor Peter Fischer. Trotz zahlreichen lukrativen Angeboten, die Seite zu wechseln, hat er sich bisher nicht von der Industrie abwerben lassen. Direkt marktbeeinflussende Entscheide fällt die Kommunikationskommission Comcom. Deren Präsident Fulvio Caccia hat bisher keine gute Figur gemacht, insbesondere was das Entscheidprozedere in Sachen Mobilfunklizenz angeht. Bei den technischen Entscheiden hat Vizepräsident Gian Andri Vital, ehemaliger Alcatel-Chef, die wichtigste Stimme in der Comcom. Bundesrat und Kommunikationsminister Moritz Leuenberger gebietet über die Aktienmehrheit der Swisscom. Auf politischer Ebene macht er sich mit der geplanten Strahlenschutzverordnung derzeit wenig Freunde.

Die Einflüsterer
Telekommunikation ist auch nach der Liberalisierung ein hochpolitischer Markt. Lobbyist Nummer eins und Fädenzieher im Hintergrund ist Alcatel-Chef Jean-Claude Vagnières, Präsident der ProTelecom. Die früher sehr PTT-lastige Vereinigung der Telekomanbieter sieht sich heute als neutraler Branchenverband. Ihr traditioneller Widersacher Asut, der Verband der Telekombenutzer, hat sich hingegen den Anbietern geöffnet; sogar die Swisscom ist Mitglied. Das macht die politische Richtungsbestimmung für Asut-Präsident Albert Jansen, der als Chef der Telag zugleich grösster Call-Center-Betreiber der Schweiz ist, nicht immer einfach. Eine reine Benutzervereinigung, allerdings mit Schwerpunkt Datenkommunikation, ist die Telecom User Group unter Hans-Peter Baumann geblieben.
Auch Ericsson-Vizechef Christian Kuhn weibelt fleissig mit der Lobby der Mobiltelefonbetreiber VMK. Bei allen Gruppen auf der Agenda: der politische Kampf für mehr Wettbewerb und gegen die geplante Strahlenschutzverordnung. Bei der Neuverteilung der Telefonnummern haben die Lobbyisten bereits ein Jahr Aufschub herausschlagen können.

Die Drahtlosen
Der Handyboom ist auch in der Schweiz eine Lizenz zum Gelddrucken. Am meisten davon hat Hans-Ulrich Lehmann profitiert. Seiner Holding gehören unter anderem ein Service-Center, das pro Jahr 130000 Handys repariert, und die Fachzeitschrift «Netz». Lehmanns grösster Goldesel freilich ist die Autronic unter der Leitung von Thomas Maurer: Sie hat das Schweizer Alleinvertriebsrecht für Nokia-Geräte inne. Lehmanns Bruder Martin lebt ebenfalls vom Handyboom: Er übernahm von Hans-Ulrich die Fachhandelskette Mobilezone und baut diese zusammen mit dem ehemaligen Fust-Marketingchef Rudolf Baer aggressiv aus. Ericsson-Chef Werner Kreis hingegen leidet mit dem Mutterhaus in Stockholm, das nicht aus der Krise kommt. Wenigstens kann er jetzt nach monatelangem Warten endlich neue Geräte vorstellen. Nur Pech, dass die Bauaufträge für die Mobilfunknetze von Diax und Orange an den Konkurrenten Nokia gingen. Den Mund gehörig vollgenommen hat Motorola-Chef Valerio Camardella: Er will in der Schweiz noch dieses Jahr Nummer eins werden - obwohl er heute nur halb so viel Handys verkauft wie Nokia.

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Die Platzhirsche
Tony Reis ist der unumstrittene Platzhirsch: Der Swisscom-Chef ist alleine für mehr als die Hälfte des Schweizer Telekommarktes verantwortlich. Durch den Kauf von Debitel hat er jetzt auch in Deutschland 3,5 Millionen Kunden gewonnen. Sich im Zentrum Europas auszubreiten, um die Verluste auf dem Heimmarkt auszugleichen, lautet denn auch die Marschrichtung von Swisscom-Strategiechef Dominik Koechlin. Reis’ Vorgänger Felix Rosenberg, der noch auf Expansion in Asien gesetzt und so mehr als eine Milliarde Franken verlocht hatte, spielt im Unternehmen noch heute eine wichtige Rolle: Er vertritt den Staat als Mehrheitsaktionär im Verwaltungsrat. Ebenfalls aus der Monopolzeit herübergerettet hat sich Ascom-Chef Hans-Ulrich Schroeder. Doch im liberalisierten Umfeld hat der Telekomausrüster keine Chance, mit der Weltkonkurrenz auch nur annähernd mitzuhalten. Mit Powerline, dem geplanten Internetzugang über die Steckdose, gelang wenigstens ein guter PR-Gag. Wen stört es da, dass andere Unternehmen diesbezüglich schon viel weiter sind?


Die Herausforderer
Über 200 Telekomgesellschaften machen seit der Liberalisierung im Januar 1998 der Swisscom Konkurrenz. Den grössten Erfolg hat bisher Hans-Peter Aebi mit seiner Diax: Über 600 000 Kunden konnte er bis heute gewinnen. Sunrise-Chef Urs Fischer sieht man zwar nur selten in der Öffentlichkeit, dafür werkelt er hinter den Kulissen umso effektiver: Insbesondere bei den Grossunternehmen ist Sunrise der härteste Konkurrent der Swisscom. Rotschopf Andreas Wetter überraschte die Branche, als er Ende Juni allen Unkenrufen zum Trotz mit Orange auf Sendung ging und dank eines Roaming-Abkommens mit der Swisscom die Löcher im eigenen Mobilfunknetz stopfte. Mit im Orange-Boot sitzt auch Helmut Koechler: Der Schweizer Pager-König hatte sein Antennennetz in die Partnerschaft eingebracht. Auf Geschäftskunden spezialisiert haben sich Patrick Moser (MCI Worldcom) und Roger Gehrig (Colt): Sie bauen mit Millionenaufwand eigene Glasfasernetze in Zürich und Genf; Konkurrent Rolf Schurter (Multilink) buddelt zudem noch in Basel.


Auch die Sandozstiftung unter Pierre Landolt drückt: Kürzlich weihte sie Europas grösstes Datennetz ein. Den Ruf des Trendsetters in der Branche erwarb sich ein kleiner Lausanner Reseller: Econophone unter Samuel Gross führte als Erster Gratisinternet ein und zwang so die Grossen zum Nachziehen. Sein neuester Coup: Gross schenkt den Surfern während 99 Minuten pro Tag die Telefongebühren. Urs Loeliger vom Netzwerkanbieter Commcare fuhr schweres Geschütz auf: Er verklagte die Swisscom, die Interkonnektionsregeln auch für Datenleitungen anzuwenden. Hat er Erfolg, dürfte das die Swisscom mehrere Hundert Millionen Franken kosten.


Die Ausrüster
Dank den zahlreichen neuen Carriern haben die Ausrüster in der Schweiz volle Auftragsbücher. Zu Monopolzeiten profitierten davon besonders Peter Grüschow von Siemens Schweiz sowie die Alcatel unter Jean-Claude Vagnières. Jetzt stürmen neue Anbieter den Markt, allen voran Mark Helfenstein von Nortel Networks. Das Unternehmen konnte bereits einige Grossaufträge an Land ziehen, während Weltmarktführer Lucent unter Sigurt Schilling noch Mühe bekundet, in der Schweiz Fuss zu fassen. Von der Internetseite her drängt Cisco in den Ausrüstermarkt: Zusammen mit der Swisscom baut Länderchef Michael Ganser für einen dreistelligen Millionenbetrag ein Datennetz auf.


Die Gescheiterten
Pleiten, Pech und Pannen hatte Swatch Chef Nicolas G. Hayek im Telekom-markt. Ob Twinphone, Pager oder umetikettierte Nokia-Handys: Alles blieb wie Blei in den Regalen. Nächster Flopkandidat: Die seit langem angekündigte Handy-Uhr. Hans-Rudolf Wittmer (ehemals Diax) und Hans Ivanovitch (ehemals Sunrise), beides Vorreiter im Liberalisierungskampf, mussten ihre Sessel bereits wieder räumen: Der eine konnte sich nicht mit den Machtverhältnissen innerhalb des Unternehmens abfinden, der andere polterte zu laut, verpasste die Mobilfunklizenz und manövrierte Sunrise in ein Billigimage.


Die Regulierer
Politisch für die Telekomlandschaft verantwortlich ist das Bundesamt für Kommunikation. Dessen Direktor Marc Furrer kümmert sich aber bevorzugt um medienpolitische Fragen. Die starke Figur in Sachen Telekom ist Vizedirektor Peter Fischer. Trotz zahlreichen lukrativen Angeboten, die Seite zu wechseln, hat er sich bisher nicht von der Industrie abwerben lassen. Direkt marktbeeinflussende Entscheide fällt die Kommunikationskommission Comcom. Deren Präsident Fulvio Caccia hat bisher keine gute Figur gemacht, insbesondere was das Entscheidprozedere in Sachen Mobilfunklizenz angeht. Bei den technischen Entscheiden hat Vizepräsident Gian Andri Vital, ehemaliger Alcatel-Chef, die wichtigste Stimme in der Comcom. Bundesrat und Kommunikationsminister Moritz Leuenberger gebietet über die Aktienmehrheit der Swisscom. Auf politischer Ebene macht er sich mit der geplanten Strahlenschutzverordnung derzeit wenig Freunde.


Die Einflüsterer
Telekommunikation ist auch nach der Liberalisierung ein hochpolitischer Markt. Lobbyist Nummer eins und Fädenzieher im Hintergrund ist Alcatel-Chef Jean-Claude Vagnières, Präsident der ProTelecom. Die früher sehr PTT-lastige Vereinigung der Telekomanbieter sieht sich heute als neutraler Branchenverband. Ihr traditioneller Widersacher Asut, der Verband der Telekombenutzer, hat sich hingegen den Anbietern geöffnet; sogar die Swisscom ist Mitglied. Das macht die politische Richtungsbestimmung für Asut-Präsident Albert Jansen, der als Chef der Telag zugleich grösster Call-Center-Betreiber der Schweiz ist, nicht immer einfach. Eine reine Benutzervereinigung, allerdings mit Schwerpunkt Datenkommunikation, ist die Telecom User Group unter Hans-Peter Baumann geblieben.
Auch Ericsson-Vizechef Christian Kuhn weibelt fleissig mit der Lobby der Mobiltelefonbetreiber VMK. Bei allen Gruppen auf der Agenda: der politische Kampf für mehr Wettbewerb und gegen die geplante Strahlenschutzverordnung. Bei der Neuverteilung der Telefonnummern haben die Lobbyisten bereits ein Jahr Aufschub herausschlagen können.


Die Drahtlosen
Der Handyboom ist auch in der Schweiz eine Lizenz zum Gelddrucken. Am meisten davon hat Hans-Ulrich Lehmann profitiert. Seiner Holding gehören unter anderem ein Service-Center, das pro Jahr 130000 Handys repariert, und die Fachzeitschrift «Netz». Lehmanns grösster Goldesel freilich ist die Autronic unter der Leitung von Thomas Maurer: Sie hat das Schweizer Alleinvertriebsrecht für Nokia-Geräte inne. Lehmanns Bruder Martin lebt ebenfalls vom Handyboom: Er übernahm von Hans-Ulrich die Fachhandelskette Mobilezone und baut diese zusammen mit dem ehemaligen Fust-Marketingchef Rudolf Baer aggressiv aus. Ericsson-Chef Werner Kreis hingegen leidet mit dem Mutterhaus in Stockholm, das nicht aus der Krise kommt. Wenigstens kann er jetzt nach monatelangem Warten endlich neue Geräte vorstellen. Nur Pech, dass die Bauaufträge für die Mobilfunknetze von Diax und Orange an den Konkurrenten Nokia gingen. Den Mund gehörig vollgenommen hat Motorola-Chef Valerio Camardella: Er will in der Schweiz noch dieses Jahr Nummer eins werden - obwohl er heute nur halb so viel Handys verkauft wie Nokia.


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