04.02.2012 | 09:00
Von:
Hansjörg Ryser
 

Wie bitte, Herr Péter Ákos Bod?: «Die Schulden sind gar nicht so hoch»

Für Péter Ákos Bod sind die Probleme mit den Franken-­Hypotheken in Ungarn noch lange nicht gelöst. Den Grund für die tiefe Bonität sieht er aber in der Politik der Regierung.

Artikel zum Thema: 

BILANZ: Wie beurteilen Sie die Situation von Ungarn im ­Vergleich zu Griechenland?

Péter Ákos Bod: Ein solcher Vergleich ist nicht möglich. Im Fall von Ungarn verunsichert die Politik der Regierung Orban die ­Rating-Agenturen und hat zur Herabstufung der Bonität geführt. In Griechenland ist es die wirtschaftliche Situation.

Aber auch Ungarn steckt in einer Schuldenkrise.

Die Staatsverschuldung von 80 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) ist gar nicht so schlimm. Gemessen an den wirtschaftlichen Kennzahlen liegt die Kreditwürdigkeit immer noch im Investmentbereich, also bei BBB.

Wie bitte? Jeder dritte Haushalt hat Hypotheken in Franken.

Ja, diese Haushalte sind mit der Aufwertung des Schweizer Frankens in Bedrängnis geraten. Doch die Gesamtschulden Ungarns sind mit 130 Prozent des BIP im internationalen Vergleich gar nicht so hoch und in normalen Zeiten kein Problem.

Wie stark ist die Schweizer Wirtschaft davon betroffen?

Nicht so sehr. Das Problem der Franken-Hypotheken belastet in erster Linie die osteuropäischen Länder und Österreich, in denen solche Kredite sehr beliebt waren. Mit der Euro-Untergrenze von 1.20 hat die Schweizerische Nationalbank für eine wirksame Entlastung gesorgt.

Der Franken gerät unter Aufwertungsdruck, wenn diese Hypotheken fällig werden?

Natürlich. Die Aufwertung belastet die Schweizer Exportwirtschaft. Aber der Einfluss der Euro-Krise ist weit grösser.

Ungarn hat für die Ratenzahlungen fixe Wechselkurse weit unter dem Marktpreis festgelegt. Reicht diese Massnahme?

Nein, der Staat wird in den kommenden Jahren fällige Hypotheken mit Zahlungsverzug übernehmen müssen, um eine Bankenkrise zu verhindern. Die Nachwirkungen werden jedoch weit länger spürbar bleiben und zu sozialen Spannungen führen.

Ist es ein Vorteil, nicht in der Euro-Zone zu sein?

Nein, der Preis ist sehr hoch, trotz der strengen Auflagen für die Einbindung in eine solche Gemeinschaft. Ungarn ist eine offene Wirtschaft mit vielen Niederlassungen von ausländischen Konzernen. Die Regierung kann zwar eine nationalistische Politik verfolgen, indem sie diese Firmen mit hohen Steuern belastet und versucht, die Binnenwirtschaft zu unterstützen. Doch sie bleibt auf die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft angewiesen.

Péter Ákos Bod: Der 61-jährige Ökonomieprofessor aus Budapest war 1990 Wirtschaftsminister. Von 1991 bis 1994 war er Chef der Notenbank ­Ungarns und von 1998 bis 2000 Berater der ­Regierung Orban.

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