Meistgelesen

Mindestkurs

Deutsche Städte halten zum Teil Franken-Kredite über Millionen. Für sie ist der SNB-Entscheid ein Schock. Der Finanzvorstand der Stadt Essen erzählt, was dies für ihn und seine Stadt bedeutet. Mehr...

Interview vonTimo Nowack
Roger Federer: Luxus-Heim ist endlich fertig
Einzug

Swimmingool, Cheminée, rahmenlose Fenster mit Blick auf See und Berge und eine Glaskuppel: Das neue Luxus-Heim von Roger Federer in Wollerau ist bezugsbereit. Kostenpunkt: 10 Millionen Franken. Mehr...

Alfred Gantner

Alfred Gantner machte aus der Partners Group eines der erfolgreichsten Schweizer Finanzunternehmen. Nun will er einen Teil seiner Aktien verkaufen. Mehr...

VonUeli Kneubühler
Was der EZB-Entscheid für die Schweiz bedeutet
Geld

EZB-Chef Mario Draghi hat heute die Geldschleuse geöffnet und ein riesiges Ankaufsprogramm für Euro-Staatsanleihen bekanntgegeben. Was bedeutet dies für die Schweiz und wie funktioniert die Umsetzung? Mehr...

VonKaren Merkel
Bargeld: Run auf 1000er-Noten
Rekord

Eine Rekordsumme von 38 Millionen 1000-Franken-Noten ist schon jetzt im Umlauf. Bei Negativzinsen wird der Bedarf an «Ameisen» explodieren. Mehr...

VonErich Gerbl
Elon Musk: Iron Man
Gespräch

Elon Musk revolutioniert mit den Milliardenfirmen Tesla und SpaceX zwei seiner Industrien gleichzeitig. Manche sehen in ihm den nächsten Steve Jobs. Begegnung mit einem Getriebenen. Mehr...

VonMarc Kowalsky
Kein Stein bleibt auf dem anderen bei der NZZ
Verlust

Unter dem NZZ-Führungsduo Etienne Jornod und Veit Dengler wird bei der «alten Tante» radikal aufgeräumt. Mittlerweile ist der Schaden gross. Mehr...

VonUeli Kneubühler und Florence Vuichard

Anzeige

Machtnetz von Alfred Gantner: Der Geldvermehrer

Alfred Gantner machte aus der Partners Group eines der erfolgreichsten Schweizer Finanzunternehmen. Nun will er einen Teil seiner Aktien verkaufen.

VonUeli Kneubühler
22.11.2012

In Zeiten, in denen Grossbanken Ertragserosion beklagen, neues Eigenkapital suchen und Sparprogramme in Milliardenhöhe aufgleisen, ist die Partners Group wohltuend anders. Das 1996 gegründete Zuger Private-Equity-Unternehmen ist eine Erfolgsgeschichte. Es ist unter der Führung von Verwaltungsratspräsident Alfred (Fredy) Gantner (44) zu einem mit rund 4,7 Milliarden Franken bewerteten Konzern herangewachsen. Gantner und seine Mitgründer Marcel Erni und Urs Wietlisbach halten seit dem Börsengang 2006 je gut 14 Prozent. 

Nun wollen sich die Firmengründer von jeweils maximal vier Prozent ihrer Aktien trennen und werden damit im besten Fall 588 Millionen Franken lösen. Diverse Aktionäre hätten einen grösseren Streubesitz der Aktien verlangt, begründete Gantner den Schritt. Der Präsident gilt unter der Führungsriege als Marketingmann. Zur Ruhe setzt sich das Trio mit dem Geldsegen indes nicht. Im Gegenteil: Es verpflichtet sich, über die nächsten Jahre mindestens 300 Millionen Franken in risikoreiche Kundenengagements zu investieren. Kunden erwarteten «ein stärkeres finanzielles Engagement im Rahmen von gemeinsamen Investitionen», teilte Partners Group mit. Per Mitte Jahr verwalteten die Zuger gut 32 Milliarden Franken, zum Zeitpunkt des Börsengangs war es erst ein Drittel davon.

Die Freunde

Alfred Gantners Freundeskreis ist übersichtlich. Seine Familie steht zuoberst. Auf ein Netzwerk über verschiedene Verwaltungsrats­mandate verzichtet er. Vor rund zehn Jahren arbeitete er Arm in Arm mit Mark Prohaska. Zusammen mit dem Winterthurer Unternehmer (Import von Defibrillatoren) und Mormonen bereitete er im Vorfeld der Olympischen Winterspiele von Salt Lake City die Schweizer ­Journalisten auf den Besuch der Mormonenmetropole vor. Die ­beiden waren in der Schweiz für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Viele Freundschaften haben sich aus der Partners Group heraus ergeben, in erster Linie mit den beiden Mitgründern Marcel Erni und Urs Wietlisbach. «Es ist ein grosses Glück, dass wir so gut harmonieren», sagte Erni beim Börsengang, obwohl die Interessen privat unterschiedlich gelagert seien. Im Club zum Rennweg und am noch exklusiveren Entrepreneurs’ Roundtable versteht sich ­Gantner gut mit DKSH-Chef Jörg Wolle. Er mag auch die Bücher von Schriftsteller Rolf Dobelli, Gründer des Wirtschaftsevents Zurich Minds.

Seit gut drei Jahren sitzt mit Peter Wuffli ein prominenter Name im Verwaltungsrat der Partners Group. Gantner kennt den Ex-UBS-Chef seit einigen Jahren. Man schätze Wufflis «hohe moralische Wertvorstellungen und seine Integrität ausserordentlich». 

Die Gegner

Die Partners Group wird mehr bewundert denn beneidet. Gegner gibt es nur wenige. Erstaunt zeigte man sich in der Branche, als 2006 nicht Goldman Sachs, sondern die Credit Suisse den Lead beim Börsengang der Partners Group übernahm. Immerhin waren alle drei Mitgründer zuvor unter CEO Jon Corzine für die New Yorker Investmentbank tätig. Von offizieller Seite hiess es damals, man habe sich für Banken entschieden, die bereits Kunden gewesen seien. Inoffiziell dürfte der Entscheid damit zusammengehangen haben, dass die drei nach ihrem Weggang bei Goldman Sachs stillos behandelt wurden. Wenig hält Gantner von der Politik der Währungshüter Thomas Jordan und Philipp Hildebrand, dessen Vorgänger. Nach der ­Fixierung des Frankenkurses zum Euro kritisierte er, dass der Schweiz eine Inflation drohe, «da es schwierig werden wird, die ­Liquidiät wieder rechtzeitig abzuschöpfen». Neben dem Krösus Partners Group sind Chalk Gilbert (Castle-Private-Equity-Präsident) und Rolf Friedli (Capvis-Präsident) weitere Schweizer Player im Private-Equity-Markt.

Die Mormonen-Connection

Gantner ist das bekannteste Schweizer Gesicht der Mormonen. Anders als in den USA – die Kirche ist in Utah zu Hause – leben die Schweizer Mormonen quasi unbemerkt von der Öffentlichkeit. US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney, selbst Mormone, verhalf der Glaubensgemeinschaft während des Wahlkampfs zu Publizität. Gantner traf ihn einmal, in Zusammenhang mit einem Sulzer-Deal. Viele Schweizer Mormonen finden sich in KMU-Betrieben, wie etwa ­Matthias Weidmann, der Ilamed gründete, ein Institut für Labormedizin. Bekannter sind US-Mormonen wie der Schauspieler Ryan Gosling oder CS-lnvestmentbank-Chef Eric Varvel.

Die Karriere

Der heute schwerreiche Gantner hat sein erstes eigenes Geld mit einer Wanderdisco verdient. Seine Karriere startete der in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsene Selfmademan mit einer Banklehre bei der früheren UBS-Tochter Cantrade Privatbank. ­Später hängte er einen MBA-Lehrgang an der Brigham Young University in Utah an und landete dann bei Goldman Sachs in New York, London und Zürich. Bei den Goldmännern lernte er Urs Wietlisbach und Marcel Erni kennen, mit denen er 1996 die Partners Group gründete. Vier Jahre später stiess Steffen Meister dazu, der heute das operative Geschäft leitet. Den zehn Jahre später erfolgten Börsengang habe er nicht des Geldes wegen gemacht, sagt Gantner. «Dann hätte ich vor zehn Jahren nicht meinen hervorragend bezahlten Job bei Goldman Sachs verlassen.» Auf prestigeträchtige Verwaltungsratsmandate verzichtet Gantner. Zur Jahrtausendwende amtete er kurzzeitig im Aufsichtsgremium der Zürcher Gastrogruppe von Rudi Bindella.

Die Familie

«Die Familie kommt zuerst, dann die Kirche, dann das Geschäft», sagt Gantner. Er stammt aus einer protestantischen Aargauer Familie, setzte sich als Teenager aber verstärkt mit verschiedenen Religionen auseinander, kam über seine konvertierte Schwester mit dem Glauben der Mormonen in Berührung und konvertierte im ­Alter von 23 Jahren zur «Kirche Jesu Christi», wie die Mormonen offiziell heissen. ­Damals lernte er Cornelia kennen, die er Monate später heiratete. Die ehemalige NBC-Journalistin besitzt und führt heute das Maiensäss-Hotel Guarda Val auf der Lenzerheide GR. Auch sie ist in der Kirche aktiv. Die beiden haben fünf Kinder und wohnen im Kanton Zug. Für Hobbys bleibt Gantner kaum Zeit.

Diskussion
- Kommentare
Mehr zum Thema

In Zeiten, in denen Grossbanken Ertragserosion beklagen, neues Eigenkapital suchen und Sparprogramme in Milliardenhöhe aufgleisen, ist die Partners Group wohltuend anders. Das 1996 gegründete Zuger Private-Equity-Unternehmen ist eine Erfolgsgeschichte. Es ist unter der Führung von Verwaltungsratspräsident Alfred (Fredy) Gantner (44) zu einem mit rund 4,7 Milliarden Franken bewerteten Konzern herangewachsen. Gantner und seine Mitgründer Marcel Erni und Urs Wietlisbach halten seit dem Börsengang 2006 je gut 14 Prozent. 

Nun wollen sich die Firmengründer von jeweils maximal vier Prozent ihrer Aktien trennen und werden damit im besten Fall 588 Millionen Franken lösen. Diverse Aktionäre hätten einen grösseren Streubesitz der Aktien verlangt, begründete Gantner den Schritt. Der Präsident gilt unter der Führungsriege als Marketingmann. Zur Ruhe setzt sich das Trio mit dem Geldsegen indes nicht. Im Gegenteil: Es verpflichtet sich, über die nächsten Jahre mindestens 300 Millionen Franken in risikoreiche Kundenengagements zu investieren. Kunden erwarteten «ein stärkeres finanzielles Engagement im Rahmen von gemeinsamen Investitionen», teilte Partners Group mit. Per Mitte Jahr verwalteten die Zuger gut 32 Milliarden Franken, zum Zeitpunkt des Börsengangs war es erst ein Drittel davon.

Die Freunde

Alfred Gantners Freundeskreis ist übersichtlich. Seine Familie steht zuoberst. Auf ein Netzwerk über verschiedene Verwaltungsrats­mandate verzichtet er. Vor rund zehn Jahren arbeitete er Arm in Arm mit Mark Prohaska. Zusammen mit dem Winterthurer Unternehmer (Import von Defibrillatoren) und Mormonen bereitete er im Vorfeld der Olympischen Winterspiele von Salt Lake City die Schweizer ­Journalisten auf den Besuch der Mormonenmetropole vor. Die ­beiden waren in der Schweiz für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Viele Freundschaften haben sich aus der Partners Group heraus ergeben, in erster Linie mit den beiden Mitgründern Marcel Erni und Urs Wietlisbach. «Es ist ein grosses Glück, dass wir so gut harmonieren», sagte Erni beim Börsengang, obwohl die Interessen privat unterschiedlich gelagert seien. Im Club zum Rennweg und am noch exklusiveren Entrepreneurs’ Roundtable versteht sich ­Gantner gut mit DKSH-Chef Jörg Wolle. Er mag auch die Bücher von Schriftsteller Rolf Dobelli, Gründer des Wirtschaftsevents Zurich Minds.

Seit gut drei Jahren sitzt mit Peter Wuffli ein prominenter Name im Verwaltungsrat der Partners Group. Gantner kennt den Ex-UBS-Chef seit einigen Jahren. Man schätze Wufflis «hohe moralische Wertvorstellungen und seine Integrität ausserordentlich». 

Die Gegner

Die Partners Group wird mehr bewundert denn beneidet. Gegner gibt es nur wenige. Erstaunt zeigte man sich in der Branche, als 2006 nicht Goldman Sachs, sondern die Credit Suisse den Lead beim Börsengang der Partners Group übernahm. Immerhin waren alle drei Mitgründer zuvor unter CEO Jon Corzine für die New Yorker Investmentbank tätig. Von offizieller Seite hiess es damals, man habe sich für Banken entschieden, die bereits Kunden gewesen seien. Inoffiziell dürfte der Entscheid damit zusammengehangen haben, dass die drei nach ihrem Weggang bei Goldman Sachs stillos behandelt wurden. Wenig hält Gantner von der Politik der Währungshüter Thomas Jordan und Philipp Hildebrand, dessen Vorgänger. Nach der ­Fixierung des Frankenkurses zum Euro kritisierte er, dass der Schweiz eine Inflation drohe, «da es schwierig werden wird, die ­Liquidiät wieder rechtzeitig abzuschöpfen». Neben dem Krösus Partners Group sind Chalk Gilbert (Castle-Private-Equity-Präsident) und Rolf Friedli (Capvis-Präsident) weitere Schweizer Player im Private-Equity-Markt.

Die Mormonen-Connection

Gantner ist das bekannteste Schweizer Gesicht der Mormonen. Anders als in den USA – die Kirche ist in Utah zu Hause – leben die Schweizer Mormonen quasi unbemerkt von der Öffentlichkeit. US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney, selbst Mormone, verhalf der Glaubensgemeinschaft während des Wahlkampfs zu Publizität. Gantner traf ihn einmal, in Zusammenhang mit einem Sulzer-Deal. Viele Schweizer Mormonen finden sich in KMU-Betrieben, wie etwa ­Matthias Weidmann, der Ilamed gründete, ein Institut für Labormedizin. Bekannter sind US-Mormonen wie der Schauspieler Ryan Gosling oder CS-lnvestmentbank-Chef Eric Varvel.

Die Karriere

Der heute schwerreiche Gantner hat sein erstes eigenes Geld mit einer Wanderdisco verdient. Seine Karriere startete der in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsene Selfmademan mit einer Banklehre bei der früheren UBS-Tochter Cantrade Privatbank. ­Später hängte er einen MBA-Lehrgang an der Brigham Young University in Utah an und landete dann bei Goldman Sachs in New York, London und Zürich. Bei den Goldmännern lernte er Urs Wietlisbach und Marcel Erni kennen, mit denen er 1996 die Partners Group gründete. Vier Jahre später stiess Steffen Meister dazu, der heute das operative Geschäft leitet. Den zehn Jahre später erfolgten Börsengang habe er nicht des Geldes wegen gemacht, sagt Gantner. «Dann hätte ich vor zehn Jahren nicht meinen hervorragend bezahlten Job bei Goldman Sachs verlassen.» Auf prestigeträchtige Verwaltungsratsmandate verzichtet Gantner. Zur Jahrtausendwende amtete er kurzzeitig im Aufsichtsgremium der Zürcher Gastrogruppe von Rudi Bindella.

Die Familie

«Die Familie kommt zuerst, dann die Kirche, dann das Geschäft», sagt Gantner. Er stammt aus einer protestantischen Aargauer Familie, setzte sich als Teenager aber verstärkt mit verschiedenen Religionen auseinander, kam über seine konvertierte Schwester mit dem Glauben der Mormonen in Berührung und konvertierte im ­Alter von 23 Jahren zur «Kirche Jesu Christi», wie die Mormonen offiziell heissen. ­Damals lernte er Cornelia kennen, die er Monate später heiratete. Die ehemalige NBC-Journalistin besitzt und führt heute das Maiensäss-Hotel Guarda Val auf der Lenzerheide GR. Auch sie ist in der Kirche aktiv. Die beiden haben fünf Kinder und wohnen im Kanton Zug. Für Hobbys bleibt Gantner kaum Zeit.


Die aktuelle BILANZ

Kein Stein bleibt auf dem anderen bei der NZZ. Lesen

Rothschild Bank: Adlig abgezockt. Lesen

Amag-Chef Hannesbo stellt Preissenkungen in Aussicht. Lesen

Bargeld: Run auf 1000er-Noten. Lesen

Erich Sixt rät der Schweiz zu «mehr Standfestigkeit». Lesen

Rotlicht-Prinz wegen Steuertricks verhaftet. Lesen

Finma Topfrau Nina Arquint folgt dem Ex-Chef. Lesen

Das und vieles mehr finden Sie in der aktuellen BILANZ.

Zum Inhaltsverzeichnis

Abonnieren

Die BILANZ alle zwei Woche in Ihrem Briefkasten zum günstigen Abopreis:

Studenten-Abo

Dienste für Abonnenten:

Mobile lesen