15.02.2012
Von:
Eva Gabriel-Jürgens
Foto:
Anne Gabriel-Jürgens
 

Schlosshotels: Bei Lord und Lady

Leben wie die ­Upper Class. In ­Irland kann man luxuriös in alten Schlossmauern logieren. Mit Golf, High Tea und ­Falkenzucht. Zum Beispiel im ­Dromoland Castle von 1543.

Leise klirren die Eiswürfel, als der Butler das Whiskeyglas auf das antike Tischchen stellt und fast unbemerkt den Tee nachschenkt. Das Feuer knistert im Kamin und verbreitet wohlige Wärme. Diese scheinen auch die adligen ehemaligen Bewohner des Schlosses zu spüren – ­zufrieden schauen sie von riesigen Öl­gemälden ­herunter.

In der Grafschaft Clare im Westen ­Irlands, nur 15 Fahrminuten vom Shannon Airport entfernt, liegt das im 16. Jahrhundert erbaute Dromoland Castle, einst Stammhaus irischer Adelsfamilien. Erbaut wurde es im Jahr 1543 vom Clan der O’Briens, direkter Nachfahren des letzten Hochkönigs von ­Irland, Brian Boru. Seit 1962 beherbergt das imposante ­Gemäuer eines der schönsten Fünfsternehotels in Europa.

Mit einem breiten irischen Lächeln begrüsst Portier John O’Connor seine Gäste und führt sie in die pompöse, aber gemütliche Eingangshalle. Inmitten von Ritterrüstungen und Kronleuchtern laden massige englische Polstermöbel zum Verweilen ein. Butler schultern das Gepäck und geleiten die Gäste in ihre ­Gemächer.

Es gibt zahlreiche Schlösser und Burgen in Irland, in denen man als Tourist luxuriös logieren kann (siehe auch «Abgründige Schönheiten» auf Seite 91). Aber nur selten trifft man auf so viel Liebe zum Detail wie in Dromoland Castle.

Für Körper und Seele. Alle 99 Gästezimmer, Luxussuiten und Prunkgemächer sind einzigartig. Doch das wohl märchenhafteste Zimmer im Haupthaus ist die Queen Anne Suite mit Blick auf den See und die Golfanlage. Die vier Meter hohen Wände sind mit grün-blauen Seidentapeten mit weissem Buschrosenrankenmotiv verkleidet. Das Muster ziert auch die Möbel und die Stoffe der zwei knapp 80 Quadratmeter grossen, ineinander übergehenden ­Zimmer.

Irland hat schwere Zeiten hinter sich, auch punkto Tourismus. Zwischen 2007 und 2010 brach die Zahl der Gäste um ein Viertel ein. Doch seit die Mehrwertsteuer für Dienstleister im Tourismus von 13,9 auf 9 Prozent gesenkt worden ist, lohnt sich die Reise auf die Grüne Insel wieder, und die Branche erholt sich. Die Hotellerie hat auch einiges zu bieten: 32 Prozent der Besucher geben an, wegen der Hotels und ihrer Angebote nach ­Irland gekommen zu sein.

Wer sich sportlich betätigen möchte, hat in Dromoland Castle einige Möglichkeiten. Neben Tennis auf den haus­eigenen Plätzen wird vor allem Golf gross geschrieben. Der Championship-Platz des Dromoland Castle Golf Club mit seinen weitläufigen saftig grünen Wiesen, sanften Hügeln und dichten ­Wäldern bietet eine 18-Loch-Meisterschaftsanlage über insgesamt 6,3 Kilometer. Das Flüsschen Rine schlängelt sich durch das Gelände und ist so in den Parcours eingebunden, dass es die Grenze von drei Spielbahnen des Platzes bildet. Die Golfakademie verfügt über eine Übungsanlage mit zehn vollständig automatischen ­Abschlagplätzen, Putting Greens und Bunkern.

Nach einem Tag im frischen irischen Wetter locken der 17 Meter lange haus­eigene Swimmingpool, ein Dampfbad oder die Sauna mit Aussenwhirlpool des Golf-Clubhauses. Beautypflege und Massagen bietet das Spa im unteren Geschoss des Schlosses.

Zu Besuch bei Freunden. Ab drei Uhr nachmittags wird traditionell der High Tea im Drawing Room ­serviert. Die ursprünglich britische Tea Time wurde durch den Einfluss der englischen Grossgrundbesitzer über die letzten Jahrhunderte auch auf der Grünen Insel fest etabliert. Queen Anne (1665–1714) förderte das Teetrinken und genehmigte sich selber zum Frühstück Tee statt des damals üblichen Warmbiers. Der High Tea aus schwarzem Tee mit Milch sowie salzigem und süssem Gebäck ist ein ganz besonderes kulinarisches Erlebnis. Neben ­Scones, Clotted Cream und Erdbeermarmelade werden Kuchen und Sandwiches sowie auf Wunsch Champagner und Sherry gereicht.

Lady Ethel Inchiquin, eine der Letzten der O’Briens, die hier bis zu ihrem Tod lebte, blickt gelassen auf die Gäste. Ihr Ölgemälde des Malers Herbert James Draper hängt in der Nähe der Treppe, die zu ihrem ehemaligen Schlafgemach führt. Nach dem Tod der Grande Dame im Jahre 1940 übernahm ihr ältester Sohn, Sir Donough O’Brien, der 16. Baron of Inchiquin, das Schloss und öffnete als Erster dessen Tore für zahlende Gäste.

Ein grosser Ballsaal, der bis zu 300 Gäste fasst, eignet sich ideal für Bankette, Gala­diners und stilvolle Hochzeiten. ­Sowohl das Personal als auch die anderen Gäste grüssen freundlich und vermitteln das familiäre Gefühl, für ein langes ­Wochenende in guter Gesellschaft bei den Hausherren eingeladen zu sein. Dabei kann es schon mal vorkommen, dass man auf eine verirrte Ente aus dem Schlossgarten trifft, die unbeeindruckt vorbeiwatschelt.

Zum Diner darf es etwas feiner werden. Frisch frisiert schreitet der Besucher die knarrenden Holzstufen der breiten Treppe hinunter in eines von drei haus­eigenen Restaurants. Empfehlenswert ist das «Earl of Thomond». Es gilt als eines der besten Restaurants Irlands und ist vielfach ausgezeichnet, seit 1995 auch mit einem «Michelin»-Stern.

Ein Besuch der Dromoland School of Falconry, die seltene Jagdvögel, darunter Falken, Adler und Eulen, beherbergt, ist Pflicht. Dave Atkinson und Jim Hennigar erklären den Gästen das Verhalten der Raubvögel. Mit einem Lederhandschuh geschützt, darf der Besucher die Könige der Lüfte auf Wunsch auch selbst bei einem Spaziergang fliegen ­lassen. Beim Tontauben- und Bogen­schies­sen schliesslich können die eigenen Jagd­fähigkeiten unter Beweis gestellt werden.

Um die nahe gelegenen Ländereien zu inspizieren, bietet sich ein Ausritt oder eine Kutschenfahrt an. Und mit dem Auto fährt man zu Sehenswürdigkeiten, wie etwa den schwindelerregenden, über 200 Meter hohen Cliffs of Moher oder den berühmten Klosterruinen von Ennis Friary.

Ins Schloss kehrt man am Abend ­garantiert gerne zurück.

Dromoland Castle & Country Estate
Newmarket-on-Fergus, County Clare, Irland.
Einfache Zimmer ab 120 Franken pro Person im Doppelzimmer, Suiten ab 300 Franken pro Person im Doppelzimmer.

 

Abgründige Schönheiten - Wo Sie auch königlich hinter Schlossmauern nächtigen:

Ballynahinch Castle. 
Im Viersternehotel aus dem 18. Jahrhundert, ausgestattet mit Solarzellen und Biogasboilern, wird nachhaltiger Tourismus betrieben. Gäste können einen Baum kaufen und pflanzen. 
www.ballynahinch-castle.com. Zimmer ab 110 Euro pro Person.

Ashford Castle.
Das berühmteste Schlosshotel Irlands, ursprünglich eine ­anglonormannische Burg. Im Fünfsternehaus logieren seit1939 auch Stars, wie John Travolta, Rod Stewart und Brad Pitt. Pierce Brosnan heiratete hier.
www.ashford.ie. Zimmer ab 90 Euro pro Person.

Clontarf Castle.
In einem Schloss wohnen und die Vorzüge einer Grossstadt geniessen: Das Clontarf Castle liegt nur knapp zehnTaximinuten vonDublins Zentrum. 1172 erbaut, wares einst Teil einer Verteidigungsanlage.
www.clontarfcastle.ie. Zimmer ab 90 Euro pro Person.

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