BILANZ 18/09 | 09.10.2009 | Auftritt

AmCham CEO Luncheon: Realität und Hoffnung

CEO Luncheon der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer, 30. September 2009, Hotel Widder Zürich.

Text: Susanne Mühlemann
Bild: Markus Senn



Bodenständig, aber prägnant und mit einer menschlichen Note: Der Auftritt von Gastredner Joe Hogan passte perfekt zum Zeitgeist. Wie schmerzlich Wandel sein könne, habe er ganz persönlich erlebt, erklärte der 52-jährige ABB-Chef. Hogans Vater war Kranführer in Pennsylvania. Als in den siebziger Jahren die Stahlindustrie von der Krise erfasst wurde, verlor der Familienvater seinen Job. Heute, so Hogan, sei die frühere «Steel City» Pittsburgh zur «Knowledge City», zur Stadt des Wissens, geworden, und der Wandel habe gut getan: «Aber ich weiss auch, wie weh er tun kann.»

Doch Nationen, die auch künftig eine Rolle auf den Weltmärkten spielen wollen, müssten sich den Veränderung stellen.Hogan zeigte in seiner Präsentation auf, wie stark jene Staaten wachsen, die auf ökonomische Freiheit setzen. Und so plädierte der ABB-CEO für eine Politik, wie sie Staaten wie Singapur vormachen: Steuer- und Investitionserleichterungen, aggressive Investitionen in Infrastruktur und Erziehung, keinen Protektionismus, keine restriktiven Arbeitsgesetze, keine versteckten Gebühren und Handelshemmnisse. «Wir müssen uns bewusst werden, dass die Welt in den nächsten zwanzig bis dreissig Jahren im Umbruch ist», so Hogan.

Bis 2015 würden die G-20-Volkswirtschaften die G-7 überholen, bis 2050 steht die Rangliste der grössten Volkswirtschaften aus westlicher Sicht auf dem Kopf. Nach China und Indien steht laut Hogan dannzumal Brasilien an dritter Stelle. Für den südamerikanischen Staat sieht er enormes Wachstum voraus, nicht zuletzt weil die Nation als Zulieferer für China von der dortigen Entwicklung profitieren wird. Die Volkswirtschaft Indonesien werde 2050 weit grösser sein als Grossbritannien: «Wenn Gordon Brown noch lange im Amt bleibt, noch einmal sehr viel grösser», witzelte der ABB-Chef.

So richtig froh stimmte der drastische Ausblick die Schweizer Wirtschaftsvertreter im Widder-Saal nicht. «Eigentlich wollte ich doch gute Stimmung verbreiten», meinte Hogan. Und gab zur Aufheiterung preis, dass er fürchte, irgendwann werde bei ABB entdeckt, dass sein im Curriculum erwähnter, vermeintlicher Schweizer Bezug gar keiner ist. Hogan besuchte das Geneva College. Es liegt aber nicht am Genfersee, sondern in Beaver Falls in Hogans Heimatstaat Pennsylvania.

Firmenspezifisches liess der ABB-Chef kaum durchblicken.

Als Megatrends und Industrietreiber der Zukunft sieht er den Klimawandel, den Industriebedarf in den Schwellenländern und die zunehmende Nachfrage nach Prozessoptimierung. Die Einschätzung der Wirtschaftslage fiel nicht sehr optimistisch aus: «Zumindest in meinem Geschäft sehe ich keine echten Indikatoren dafür, dass wir die Krise bereits überwunden haben.»

Und doch machte er klar, dass er aus dem Lande «Hope» kommt. «Der Realität ins Auge sehen, die Richtung definieren – und den Leuten Hoffnung geben.» Das Leadership-Rezept hat sich Hogan allerdings nicht bei Obama abgeschaut, sondern bei Napoleon.


Information: 5
Unterhaltung: 4–5
Networking: 5–6
Börsenkapital: 5–6

 

 

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