BILANZ 21/09 | 20.11.2009 | Start
Tamedia: News or no news
Das Schicksal der Gratiszeitung «News»: eine Kooperation mit dem «Tages-Anzeiger» – oder das Aus.
Die Spannung steigt. An der nächsten VR-Sitzung der Tamedia, terminiert auf Mitte Dezember, wird über das Schicksal der Gratiszeitung «News» befunden. Es geht um alles oder nichts. Zur Debatte steht eine enge Kooperation mit dem grossen Bruder «Tages-Anzeiger» – oder das Aus. «News» ist unter Druck, die Zeitung schreibt dieses Jahr einen Verlust von sieben Millionen Franken.
Die nationalen Ambitionen sind verpufft, seit sich «Berner Zeitung» und «Basler Zeitung» aus dem Zeitungsprojekt verabschiedet haben. Zurück bleibt Tamedia mit einem defizitären Produkt, dessen Reichweite nach dem Rückzug aus Bern und Basel massiv einbricht. Zu dritt wies man 334 000 Leser aus, künftig dürfte diese Zahl unter 200 000 liegen. Was den Handlungsbedarf weiter akzentuiert: Tamedia-Chef Martin Kall stemmt sich mit aller Kraft gegen rote Zahlen im Gesamtkonzern.
Vor diesem Hintergrund untersuchte man drei Strategien, darunter die enge Kooperation mit dem «Tages-Anzeiger», die nun intern favorisiert wird. So sieht das Grobkonzept aus: «News» würde künftig unter der Dachmarke «Tages-Anzeiger» geführt und wäre nur noch eine Submarke. Das Layout würde sich eng an das vom «Tagi» anlehnen, der Inhalt würde mit Agenturmeldungen bestritten.
Bei den Inseraten wird an einem Zwangskombi mit dem «Tages-Anzeiger» gearbeitet. Wer im Hauptblatt Kampagnen schaltet, müsste dies – bei einem günstigeren Tausenderpreis – auch in der Gratiszeitung «News» tun. Zielgrösse der kombinierten Auflage, die aus bezahltem Flugzeugträger «Tages-Anzeiger» samt Gratis-Beiboot «News» besteht, sind 600 000 Leser. Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer bestätigt, dass dieser Kombi derzeit im Vordergrund steht.
Tamedia beschreitet ungewöhnliche Wege: In den letzten Wochen wurden gegen 50 Mediaplaner und Grossinserenten befragt, ob sie beim favorisierten Zwangskombi mitzögen und wie das Pricing ausgestaltet sein müsste. Nun werden die Rückmeldungen ausgewertet – rechtzeitig zur VR-Sitzung unter Pietro Supino.
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