BILANZ 21/09 | 20.11.2009 | Start

Tamedia: News or no news

Das Schicksal der Gratiszeitung «News»: eine Kooperation mit dem «Tages-Anzeiger» – oder das Aus.

Text: Stefan Barmettler

Die Spannung steigt. An der nächsten VR-Sitzung der Tamedia, terminiert auf Mitte Dezember, wird über das Schicksal der Gratiszeitung «News» befunden. Es geht um alles oder nichts. Zur ­Debatte steht eine enge Kooperation mit dem grossen Bruder «Tages-An­zeiger» – oder das Aus. «News» ist ­unter Druck, die Zeitung schreibt dieses Jahr einen Verlust von sieben Millionen Franken.

Die nationalen Ambitionen sind verpufft, seit sich «Berner Zeitung» und «Basler Zeitung» aus dem Zeitungs­projekt verabschiedet haben. Zurück bleibt Tamedia mit einem defizitären Produkt, dessen Reichweite nach dem Rückzug aus Bern und Basel massiv einbricht. Zu dritt wies man 334  000 Leser aus, künftig dürfte diese Zahl unter 200  000 liegen. Was den Handlungsbedarf weiter akzentuiert: Tamedia-Chef ­Martin Kall stemmt sich mit aller Kraft gegen rote Zahlen im Gesamtkonzern.

Vor diesem Hintergrund untersuchte man drei Strategien, darunter die enge Kooperation mit dem «Tages-Anzeiger», die nun intern favorisiert wird. So sieht das Grobkonzept aus: «News» würde künftig unter der Dachmarke «Tages-­Anzeiger» geführt und wäre nur noch eine Sub­marke. Das Layout würde sich eng an das vom «Tagi» anlehnen, der Inhalt würde mit Agenturmeldungen bestritten.

Bei den Inseraten wird an einem Zwangskombi mit dem «Tages-Anzeiger» gearbeitet. Wer im Hauptblatt Kampagnen schaltet, müsste dies – bei einem günstigeren Tausenderpreis – auch in der Gratiszeitung «News» tun. Zielgrösse der kombinierten Auf­lage, die aus bezahltem Flugzeugträger «Tages-Anzeiger» samt Gratis-Beiboot «News» besteht, sind 600  000 Leser. ­Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer bestätigt, dass dieser Kombi derzeit im Vordergrund steht.

Tamedia beschreitet ungewöhnliche Wege: In den letzten Wochen wurden gegen 50 Mediaplaner und Grossinserenten befragt, ob sie beim favorisierten Zwangskombi mitzögen und wie das Pricing ausgestaltet sein müsste. Nun werden die Rückmeldungen ausgewertet – rechtzeitig zur VR-Sitzung unter Pietro Supino.

 

 

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