BILANZ 22/08 | 19.12.2008 | Trends

BILANZ-Rating: Die Rangliste der Mächtigsten

Wer hat in den Konzernen das Sagen? Wer setzt die Themen? BILANZ präsentiert die 170 einflussreichsten Frauen und Männer aus Wirtschaft, Kommunikation und Wissenschaft.

Text: Stefan Barmettler
Bild: Jos Schmid

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Noch nie war es so spannend, noch nie so dramatisch. Das BILANZ-Rating der mächtigsten Wirtschaftsführer des Landes wird zum siebten Mal berechnet, doch derart markante Verschiebungen im Machtgefüge gab es bisher noch nicht. Dominierten letztes Jahr sechs Banker die Top Ten, sind heuer gerade noch zwei ­übrig geblieben. Die Finanzkrise hat nicht nur die Aktienkurse der Banken deflationiert, sondern auch die Macht und die ­Reputation von deren Exponenten.

Nur logisch, dass die prominent besetzte Fachjury einen gestandenen Industriellen zum Mächtigsten der Schweizer Wirtschaft 2008 erkoren hat: Peter Brabeck-Letmathe, den 64-jährigen VR-Präsidenten von Nestlé. Ebenfalls mit Podestplätzen adelten die Juroren den ­unverwüstlichen Uhrenkönig Nicolas G. Hayek (Rang 2) sowie Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank (3).

Es sind verdiente Medaillenträger: ­Brabeck, Hayek und Ackermann sind die einzigen drei Wirtschaftsführer, die sich bereits bei der Lancierung des BILANZ-Mächtigsten-Ratings 2002 in den Top Ten zu klassieren vermochten. Und nur einer, Brabeck, schaffte es seither jedes Jahr unter die ersten zehn. «Qualität im Sinne von langjährigem konstantem Erfolgsausweis setzte sich auch im Krisenjahr 2008 durch», meint Juror Markus Neuhaus, CEO von PricewaterhouseCoopers Schweiz.

Im Mächtigsten-Rating werden auch Wirtschaftsanwälte, Medienmanager und, zum ersten Mal, PR-Berater sowie Ökonomieprofessoren auf ihren ­internen wie externen Einfluss hin bewertet. Insgesamt nahmen 16 Experten in fünf Fachjurys 170 Nominierte der Schweizer Wirtschaftselite unter die Lupe (siehe Seite 61).

Einer überstrahlt alle: Peter Brabeck. Der gebürtige Österreicher hat Nestlé radikal umgebaut, aus der Nahrungsmittelfirma einen dynamischen und rentablen Er­nährungs- und Gesundheitskonzern gezimmert. Was die Jury weiter beeindruckte: «Nestlé ist heute das, was General Electric einst war – der Rekrutierungs-Pool für globale CEO» (Juror Thomas Borer). Tatsächlich, Amerika-Chef Paul Polman wurde zum Chef von Unilever berufen, Marketingchef Lars Olofsson zum CEO des französischen Detailhandelsriesen Carrefour.

2008 verschob sich die Macht. Neben Brabeck rückten weitere fünf Industrielle – auf Kosten der Grossbanken – in die Top Ten vor. Und was ebenfalls die Hektik dieser Monate widerspiegelt: Unter den zehn Mächtigsten der Wirtschaft figurieren neu die zwei Staatsdiener Philipp Hildebrand, ­Vizepräsident im Nationalbank-Direktorium (Rang 4), und sein Vorgesetzter, ­Jean-Pierre Roth (6). Hildebrand hat sich, so das Urteil der Jury, in der Finanzkrise als global vernetzter Notenbanker präsentiert – und sich nachhaltig für die Nachfolge von Roth empfohlen, wenn dieser spätestens in drei Jahren in Pension geht. Beide, Hildebrand wie Roth, führten Regie beim Entwerfen des UBS-Rettungs­pakets, zudem haben sie mit dem ­beherzten Adjustieren der Zinsniveaus bislang dafür gesorgt, dass die Binnenkonjunktur nicht vollends aus dem Tritt geriet.

Mit dem Aufstieg der beiden Zentral­banker ging der Absturz der UBS-Elite einher. Marcel Ospel und Peter Wuffli, die in der Vergangenheit alle überstrahlten, verloren Job und Bonus. Ihre Nachfolger, das zeigt das Jurorenurteil klar, vermochten (noch) nicht zu überzeugen: Präsident Peter Kurer rangiert auf Platz 29, CEO Marcel Rohner brachte es nicht über den 58. Rang hinaus.

Eine weitere Erkenntnis aus dem ­BILANZ-Rating 2008: Die Wirtschafts­elite der Schweiz bleibt männlich. Nur gerade drei Frauen schafften es unter die ersten 80. Am besten schnitt Franziska Tschudi ab, CEO Wicor und VR Swiss Life (Rang 39), dahinter folgen Monika ­Ribar, CEO Panalpina und VR bei der Bank Julius Bär (50), sowie Carolina ­Müller-Möhl, Präsidentin Müller-Möhl Group und VR Nestlé (59).

Schliesslich, und das ist besonders betrüblich: Unter dem spektakulären Glaubwürdigkeitsverlust der Finanzwelt leidet der gesamte Stand der Wirtschaftsführer. Ihre Noten liegen 2008 im Schnitt fast einen halben Punkt unter jenen des Vorjahrs.


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