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Das Reich der Mitte bei der Elektromobilität

VW-Markenchef Diess ist überzeugt und es spricht einiges dafür: China wird die Drehscheibe für die Entwicklung von E-Autos. Westliche Konkurrenten müssen handeln oder verlieren den Anschluss.

20.04.2017
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China ist bereits jetzt das Mekka der Elektromobilität. In keinem anderen Land der Welt sind mehr batteriebetriebene Fahrzeuge unterwegs. Inzwischen mausert sich die Volksrepublik auch zu einer Drehscheibe für die Entwicklung von E-Mobilen – und damit möglicherweise auch für den Export der Technologie.

Fahrzeuge und deren Antriebe, die bisher zu grossen Teilen aus Europa und den USA dorthin geliefert werden, stammen künftig vermehrt aus Fabriken und Entwicklungslabors im Reich der Mitte. Grund dafür ist das System aus Zuckerbrot und Peitsche, mit dem chinesische Regierung die Elektromobilität vorantreiben will, damit die Grossstädte nicht im Smog ersticken.

Vorbild Deutschland und Japan

«Wir sind überzeugt, China wird der Leitmarkt für Elektromobilität», sagte VW-Markenchef Herbert Diess der Nachrichtenagentur Reuters am Rande der Automesse in Shanghai. Die Hersteller fahren weltweit die Entwicklung hoch, weil die chinesische Regierung sie ab nächstem Jahr durch Quoten zwingen will, den Anteil an Elektroautos und Hybridwagen zu erhöhen.

«Es gibt eine klare Regierungspolitik hin zur Elektromobilität. Es gibt hohe Förderungen, es gibt industrielle Rahmenbedingungen, die Joint Ventures werden angehalten, in die Technologie zu investieren», sagte Diess. Die Regierung in Peking versuche offenbar, den Erfolg der Hybridtechnologie in Japan und den des Diesels in Deutschland in der Elektromobilität zu kopieren.

Hohe Preise als Hindernis

Dadurch könnte China die führende Rolle in einer Technologie übernehmen, die die Zukunft der Automobilindustrie bestimmen dürfte. Westliche Autobauer drohen, abgehängt zu werden. Denn Experten gehen davon aus, dass vor allem lokale Hersteller und Lieferanten von den Subventionen profitieren. In Europa und den USA versuchen die Hersteller schon seit längerem, Elektroautos in grösserer Stückzahl loszuschlagen. Doch bisher gelingt dies nur in Massen, denn die Verbraucher sind trotz Förderung nicht bereit, die hohen Preise für Autos mit Akku zu zahlen.

Schon jetzt liegt China in der Elektromobilität weit vorne. Nach Berechnungen der Managementberatung McKinsey stammen 43 Prozent der 2016 weltweit produzierten 870'000 Elektroautos aus China. Auf Deutschland entfielen demnach 23 Prozent, auf die Vereinigten Staaten 17 Prozent.

Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern

Deshalb setzen die Autobauer vermehrt auf die Entwicklung und Produktion vorort, in China. Volkswagen etwa will seine führende Position auf dem weltgrössten Pkw-Markt durch massive Investitionen in die lokale Entwicklung von Technologie für Elektroautos verteidigen. «Das ist eine Herausforderung, aber auch eine Chance, weil wir dadurch schnell grosse Volumen produzieren», sagte VW-Markenchef Diess. Für VW sei dies eine Möglichkeit, die nötigen Skaleneffekte zu erreichen, um auch in Deutschland und den USA mit Elektroautos erfolgreich zu sein.

Die Wolfsburger sind stärker als andere Hersteller vom chinesischen Automarkt abhängig. Dort schreite der Wandel hin zur Elektromobilität noch schneller voran als andernorts, betont Diess: «Unsere Joint-Venture-Partner, insbesondere SAIC, sind noch engagierter im Umbau.» Diese dächten bereits über nächste Schritte der technologischen Entwicklung nach. Volkswagen arbeitet in der Volksrepublik mit den staatlich kontrollierten Autobauern SAIC und FAW zusammen.

Auch Daimler bereitet den Bau von Elektroautos für Mercedes-Benz in China vor. Die Furcht, dass chinesische Partner abkupfern könnten und am Ende gegen Daimler konkurrieren, hält sich in Grenzen. «Wir sind nicht besorgt über Technologietransfer», betont China-Vorstand Hubertus Troska. Mercedes hat seine Entwicklungskapazitäten in Peking in den vergangenen Jahren mehr als verdreifacht und beschäftigt rund 700 Mitarbeiter.

China und bald die ganze Welt?

Das Technologieunternehmen GKN geht noch einen Schritt weiter. Der britische Konzern, der unter anderem Komponenten für Hybridwagen wie den BMW i8 und den Volvo XC90 liefert, kündigte an, China künftig als globale Produktionsdrehscheibe zu nutzen.

2018 soll ein Gemeinschaftsunternehmen in Shanghai zunächst mit der Herstellung von elektrischen Antriebssystemen für einen chinesischen Hersteller beginnen. Ein Jahr später soll die Lieferung an einen europäischen Autobauer starten, der einen kleinen Elektrowagen weltweit vertreiben will. Den Namen wollte GKN nicht verraten. Die Briten erklärten lediglich, dass der weltweite Verkauf von Elektromotoren aus chinesischer Produktion geplant sei. Sollten weitere Zulieferer dem Beispiel folgen, könnte China in nicht allzu ferner Zukunft zum Nabel der Elektromobilität werden.

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(reuters/jfr)


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